Die interkontinentale Reise

Meine Sorgen waren glücklicherweise unbegründet, ich komme ohne Probleme überall durch und kann meinen ersten Flug alleine, meine erste Reise alleine antreten.

Fetter Brummer

Von Flugzeugen hab ich keine Ahnung, und Langstrecke bin ich sowieso noch nie geflogen, also beeindruckt mich der Flieger ganz schön. Zwei Gänge und längs per Vorhang abgetrennte Bereiche sowie thailändisches Design sind schon ziemlich cool. Dann auch noch so viel Beinfreiheit dass ich meine langen Fühler ausstrecken kann und eine 3er-Reihe für mich allein, auf die ich mich zum Schlafen lege, Wahnsinn.

Komfort auf dem Langstreckenflug

Vor mir unterhalten sich zwei, und ich bekomme direkt mit wie der Typ erzählt dass er nach Taipeh weiterfliegt. So kommen wir ins Gespräch und beschließen, die lange Umsteigezeit in Bangkok gemeinsam zu überbrücken.

Der 11-stündige Flug selbst vergeht wie im Flug. Obwohl ich schon knapp 30 Stunden wach bin, schaffe ich es mithilfe zweier Gläser Cola, nicht über ein Nickerchen hinauszukommen und schaue Dune 1 und 2 auf dem Rücksitzfernseher. Da wir gen Osten reisen, wird es relativ schnell dunkel. Nichts zu sehen? Nichts da! Hunderte glühende Metropolen ziehen vorbei, bis ich schließlich ein heftiges Gewitter über dem Himalaya beobachten darf. Ungefähr über Bangladesch schießt uns die Sonne entgegen und nach kurzer Dämmerung ist es wieder Tag.

Ich
Sonnenaufgang
Flughafen Bangkok

Nach der Landung machen wir uns auf die Suche nach echtem Thailand-Curry. Henry ist 36 Jahre und 1,76m groß, halb Hongkonger, halb Mannheimer und hat viel an Deutschland auszusetzen. Trotzdem ist das Gespräch mit ihm interessant, weil er bei seiner ersten Reise allein sein Kontaktbedürfnis nicht verstecken kann. Er macht Urlaub in Taiwan und Japan und erzählt mir, was er alles sehen möchte und worüber er sich schon informiert hat. Wie flüssig das öffentliche Verkehrssystem läuft und wie freundlich alle Leute sind, beeindruckt ihn sehr.

Flughafengebäude Bangkok
Blick aus dem Flughafengebäude Bangkok auf das Rollfeld

Sehr wichtig für ihn als halbethnischen Chinesen sind die Frauen in Taiwan. Er hat sogar schon eine auf Bumble kennengelernt, die in Tainan wohnt und sich mit ihm in Taipeh treffen will. Sie dürfe auch gerne in seinem Hotelzimmer schlafen, erklärt er. Hätte er nichts dagegen. Die Frauen in Deutschland? Finden ihn leider nicht so interessant. Allgemein hat er das Gefühl, dass Europäer als attraktiver angesehen werden. Sein Tipp an mich: Bumble runterladen, da hätte ich in Taiwan bestimmt gute Chancen. Er lobt mein Aussehen, dass ich groß gewachsen bin, sehr schmeichelnd. Wovor ich mich allerdings in Acht nehmen soll, sind die „Fake-Frauen“. Dazu zeigt er mir Screenshots von Matches, die er gelöscht hat, als ihm die Gesichtszüge, die Schminke oder die Oberweite der Frau verdächtig vorkamen. Kaum haben wir nach langer Suche tatsächlich ein Thai-Restaurant mit Currygerichten gefunden, stellt sich eine Bedienung sehr nah an uns ran, die auf die ganannte Beschreibung passt wie die Faust aufs Auge. Nachdem sie uns mit tiefer Stimme eingeladen hat Platz zu nehmen, sagt Henry zu mir: „Die können doch nicht so jemand vor die Tür stellen, das ist schlecht fürs Geschäft.“ Mich beschleicht das Gefühl, dass er schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Grünes Thai-Curry mit Reis

Das sehr leckere, aber durchaus milde Curry ist Henry trotz „not spicy please“-Bestellung viel zu scharf und ich werde für meine abgestorbenen Geschmacksnerven bewundert. Danach haben wir immer noch Stunden vor uns und wir erkunden den riesigen länglichen Flughafen Bangkok, dessen Architektur sehr beeindruckend ist. Von Anzeige zu Anzeige und Halle zu Halle, sieht vieles gleich aus und man kann sich schnell vergucken wo man ist. Henry fragt mich, auch wenn er nicht schwul sei, ob ich Lust auf ein gemeinsames Foto hätte. Klar.

Irgendwann haben wir keine Lust mehr auf die Lauferei und wollen uns setzen, da trau ich meinen Augen nicht. Massagesessel! Für 10min Durchkneten zahle ich 2,50€, Henry gönnt sich gleich eine halbe Stunde, auch wenn es ihm nach 10min zu viel ist. Kein Problem, ich übernehme den Rest. Während er mit seiner Mutter telefoniert, höre ich mit, dass er mich Kollege nennt.

Massagesessel in der Flughafenhalle

Schließlich steht mein Gate dran, und wir verabschieden uns per Fistbump. Für Fotos aus dem Flieger hatten wir schon Nummern ausgetauscht, und da Henry nächste Woche auch ein bis zwei Tage im Süden der Insel ist, verabreden wir, in Kontakt zu bleiben. Falls sein Date nichts wird, gehen wir eventuell zusammen ins Buddha-Museum, in dem ein Zahn Buddhas ausgestellt sein soll. Weitere Empfehlungen von Henry sind die Tierpagoden, die Nachtmärkte und das Tauchen im Meer und in den Seen. Er selbst kann nicht schwimmen, sagt er.

Endlich wieder allein, geht’s in den nächsten Flieger. Bisschen kleiner, aber wieder eine Reihe für mich. Nicht nur ist das Flugzeug höchstens zur Hälfte gefüllt, ich bin ziemlich sicher auch der einzige Europäer hier.

Kurz vor der Landung in Kaohsiung, ca. 15 Uhr Ortszeit

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