Welcome to Kaohsiung

Gleich im Landeanflug kriege ich schon spektakuläre Bilder meiner zukünftigen Heimatstadt zu sehen. Der Shoushan National Natural Park an der Küste hebt sich als tiefgrüne Oase von der dahinterliegenden Stadt durch einige Hügel ab. Der Gushan District besticht durch seine vielen Hochhäuser und auch das eng bebaute Hafengebiet tut sich hervor.

Blick auf Kaohsiung im Landeanflug

Nachdem wir gelandet sind, bemerke ich eine Besonderheit am Flughafen. Das Rollfeld ist begrenzt durch eine Betonmauer, und unmittelbar an diese wurden jede Menge Wohnbauten herangezogen, teilweise mit Balkonen und Terrassen zur Landebahn ausgerichtet. Ich frage mich wie viele Leute da freiwillig wohnen.

Randbebauung am Rollfeld – im Gegensatz zu Tempelhof

Die Flughafengebäude selber sind ziemlich hässlich, und seien wir ehrlich, ein Großteil der Häuser in der Stadt auch. Das hab ich schon aus 1000 Höhenmetern Entfernung gesehen.

Flughafen Kaohsiung

Nachdem ich ausgestiegen bin, werde ich nochmal nervös. Ab jetzt bin ich wirklich auf mich allein gestellt, der Ort an dem ich jetzt bin, wird mein Zuhause, und ich werde damit klarkommen müssen. Langsam laufe ich durch die Gänge des tatsächlich sehr provinzialhaften und ruhigen Flughafens und schaue mir die traditionell chinesischen Beschriftungen genau an. Genauer, halte ich mein iPhone mit Google Lens über alles rüber, was im Ansatz nach Mandarin aussieht. Es wird gewarnt vor Malaria, Denguefieber, mPox, usw. Immerhin gegen die Hälfte davon bin ich geimpft. Wer pflanzliche oder tierische Lebensmittel ins Land einführt, muss mit Strafen bis zu 1.000.000 $NTD rechnen. Mal rechnen. 30.300€ sind das, mehr als ich bei der Sicherheitskontrolle (die beim Verlassen des Flughafens durchgeführt wird) riskieren will. Lieber nochmal alles durchchecken.

An der Passkontrolle kriegt der Beamte fast einen Lachanfall, weil er es so lustig findet, dass jemand aus Europa zum Studieren nach Taiwan geht und nicht umgekehrt.

Zum Glück kann ich mir vor Ort direkt einen Handyvertrag zulegen, 100€ für ein halbes Jahr unlimited Daten. Geht schlechter.

Schlaflos das Taiwaner Klima betreten

Auf der Suche nach der Metro spreche ich kurz mit einer französischen Studentin, Camille, die Mandarin studiert und auch gerade angekommen ist, allerdings ein ganzes Jahr bleiben will. Wir wollen uns eine EasyCard holen, mit der man in Taiwan quasi alle öffentlichen Verkehrsmittel bezahlen kann, allerdings gibt der Schalter vor Ort keine mehr raus, verweist uns auf die Supermärkte.

Um zum AirBnB zu gelangen, muss ich an der „Formosa Boulevard Station“ aussteigen, die den „Dome of Light“ beinhaltet, eine Sehenswürdigkeit und Bühne zugleich innerhalb einer Metro-Station. Hier finden regelmäßig kleinere Events statt.

„Dome of Light“
Aufmunternde Anzeige in der U-Bahn-Station

Einmal oben auf der Straße, macht sich direkt wieder die Hitze bemerkbar. Tagsüber sind es aktuell meistens um die 33 Grad C., nachts mindestens 26 Grad C. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit ist sofort zu spüren. Das Straßenbild ist unfassbar cool. Gerade im Inneren der Stadt ragen viele Häuser an der Straße entlang in den Himmel rein, sodass es sich wie ein Mini – New York anfühlt (zumindest stelle ich es mir so vor). Was sofort auffällt, sind die vielen Motorräder auf den Straßen. In den langen Ampelphasen jagen sie in richtigen Kolonnen über die Kreuzung: Alte, junge Leute, Mütter mit Kind zwischen sich und dem Lenker… An manchen Straßen gibt es keinen Fußweg, man muss sich seinen Weg unter besonderer Rücksicht auf den Verkehr am Rand durchbahnen.

Typische Straße in Zentral-Kaohsiung
Seitenstraße

Im FamilyMart kaufe ich mir endlich eine EasyCard (die man trotzdem nur mit Cash aufladen kann). Hier merke ich zum ersten Mal, dass man ohne Chinesisch wahrscheinlich nicht so leicht durchkommt. Die Verkäuferin versteht mich zwar, aber als klar ist dass ich nur englisch rede, schaut sie mich nicht mehr an und antwortet nur noch einsilbig.

5min danach bin ich am AirBnB bzw. Hotel angelangt. Im 10. Stock befinden sich alle Räumlichkeiten, mir wird ein Standardzimmer zugeteilt, mit Klimaanlage und Ventilator, durch die beiden Fenster habe ich sogar einen guten Blick, allerdings kann (oder soll) man sie nicht öffnen.

Unterkunft für die ersten 2 Tage

Als ich später am Abend nach einer Klobürste frage, reagiert der Vermieter überrascht und fragt nicht nur, wofür ich diese brauche, sondern will sie mir zuerst ohne den Abstellbecher in die Hand drücken😂.

Eigentlich wollte ich noch kurz in die Stadt, aber nach dem Duschen schaffe ich es nur noch zum 7/11, der im EG eine Filiale hat. Abendessen: Instant-Ramen und eine Tüte Chips. Hab schon schlimmere Mahlzeiten gesehen.

Viel mehr hatte der 7/11 nicht zu bieten

Ein paar Nachrichten schreibe ich noch, aber jetzt ist es wirklich mal Zeit sich in die Heia zu begeben. Nach ca. 56 Stunden auf den Beinen falle ich auch um wie ein Sack Reis.

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