Als ich um 10 Uhr aufwache, sehe ich meinen schweigsamen Mitbewohner wieder vor seinem PC sitzen und Minecraft-Videos schauen.


Heute muss ich ein paar organisatorische Dinge erledigen, ich hoffe das läuft alles ohne Probleme ab. Als ich unten im Büro nach meiner Student ID und nach einer Möglichkeit, das Dorm zu bezahlen, frage, werde ich an einen Analoghörer mit Ringkabel gebeten, mit dem ich mit einer sehr leisen Stimme spreche, die mir die ID-Karte für den 10. September verspricht und bzgl. der Wohnheimzahlung sagt, dass ich morgen eine Email bekomme.

Später sitze ich mit Sky (meinem indonesischen Roommate) eine Weile im Gemeinschaftsraum, wo wir unser Mittagessen aus der Cafeteria einnehmen. Es gibt ausschließlich Fleischgerichte, ich als Pescetarier kann mich immerhin mit frittiertem Lachs abgeben, der gar nicht soo schlecht schmeckt.


Da ich spät aufgestanden bin und weder wirklich etwas vorhabe noch jemanden kenne, bleibe ich dort eine Weile und schreibe Blog/Nachrichten. James und die anderen arbeiten heute wieder, es fühlt sich an als wäre ich der Einzige, der freie Zeit hat.
Am Nachmittag mache ich einen Campusspaziergang und rufe Professor Hsu an (ich hatte ihn vor ein paar Wochen gefragt ob ich seinem Kurs über Construction Material beitreten kann), und wir führen ein fast 20-minütiges Gespräch, welches mich erleichtert zurücklässt. Der Prof ist sehr zuvorkommend und weist mich an, nächste Woche Donnerstag zu seiner Einführungsveranstaltung zu kommen. Nach der chinesischen Vorlesung will er mir auf Englisch ein paar Sachen erklären, ich soll mir eine englische Version des Textbuchs ausleihen. Außerdem soll ich etwas über mich mitbringen (Portfolio, vergangene Projekte etc.), sodass er mir basierend auf meinen Kenntnissen Hausaufgaben geben kann. Er fragt auch nach, ob ich mich bisher gut einfinden kann. Da ich keine Credits benötige, darf ich zur Lecture gehen wann ich möchte, und er wünscht mir einen schönen Aufenthalt in Taiwan. Bezüglich eines anderen Kurses verspricht er mir auch noch, den entsprechenden Professor zu kontaktieren, weil der auf meine Email nicht geantwortet hatte.




Der Student, der mich gestern angeschrieben hatte, fragt ob ich Lust auf eine Runde Basketball hab, also laufe ich zum Sportbereich. Ein paar Leute sind schon am Zocken, für die meisten ist es um knapp 16 Uhr allerdings noch zu warm. Es stellt sich heraus dass sein chinesischer Name ganz anders ausgesprochen wird als „Hardy Null“, ich hab ich aber leider direkt danach wieder vergessen. Auch kann er so gut wie kein Englisch, und alles was er mir sagen möchte, geht vorher durch den Google Übersetzer.
Zum Basketball-Spielen muss man zum Glück nicht so viel miteinander reden, und er wirft mir den Ball zu. Ich soll ihm seine Wurftechnik nachmachen, und so probiere ich mein Glück als Basketball-Null. Immer wieder, bis ich treffe, dann gibt es ein „Goood“. Er selber will anscheinend nicht werfen, vielleicht weil er merkt dass ich ihm deutlich unterlegen bin. Ich bekomme ein paar Tricks gezeigt, die ich mehr schlecht als recht nachmache. Zum Erklären der Technik benutzen wir wieder Google. Schon bald ist meine Stirn voller Schweißtränen.


Nach einer Stunde etwa schlage ich vor, ein bisschen Frisbee zu werfen, das liegt mir deutlich besser. Wir gehen auf die große Wiese, und machen einige Würfe, ein paar spezielle bringe ich ihm bei. Irgendwann reicht es aber auch und wir gehen jeder seiner Wege. Ich habe noch kurz gefragt welche class wir eigentlich zusammen haben und wie alt er ist (18), aber es stellt sich heraus dass er in einem anderen Department ist und nur im selben Dormitory wie ich lebt. Insgesamt eine etwas seltsame, aber auch willkommen abwechslungsreiche Begegnung.

Zurück im Dorm treffe ich meinen schweigsamen Zimmerbruder an, der wie ausgewechselt scheint. Wir kommen ins Gespräch, und als er erfährt dass ich aus Germany komme, wird er ganz hellhörig. Er heißt Heizo kommt aus Kaohsiung (halb Taiwanese, halb Japaner), hat eine German Class belegt dieses Semester und ist total dankbar, dass er mir Fragen zu Deutschland und Europa stellen darf. Es sei einer seiner Träume, einmal nach Deutschland und nach Österreich zu reisen. Auf die Frage, was er so an seinem PC macht den ganzen Tag, antwortet er, dass er seine Uni-Kurse vorbereiten müsse. Tatsächlich (er studiert Computational Science) hat er im Hintergrund irgendwelche Mathe-Videos an und auf seinem Tisch liegen handschriftliche Notizen. Ich frage ihn auch, ob er mir evtl. etwas von Taiwan zeigen könne, er würde es auch gerne tun, allerdings fehle ihm die Zeit dafür (und auch das Geld, wie ich zwischen den Zeilen raushöre).
Dann mache ich noch ein bisschen Sport und hole mir bei 7/11 mein Abendessen, eine Banane und ein Sandwich. Frühstück hole ich auch gleich, weil ich morgen früh raus muss um an einem anderen Campus den offiziellen Uni-Check-In zu machen. Das wird was werden, ohne Proof of Payment…

Vor dem Einschlafen muss ich leider noch feststellen, dass mein Formel1-Abonnement in Taiwan nicht funktioniert. Netflix geht aber zum Glück.
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