Als Bugi (Sebastian) mir schreibt, dass er am First Campus und fürs Mittagessen ready wäre, bin ich gerade erst aufgestanden. Wir treffen uns in der kleinen Cafeteria (die, die direkt vor dem Dorm ist) und zum ersten Mal esse ich auch an einem der Tische, statt mir das Essen mit ins Zimmer zu nehmen. Da schon 12 Uhr ist, ist die Schlange sehr lang und man sieht den Mensafrauen den Stress ins Gesicht geschrieben. Kurz vor der Bestellung hole ich noch schnell zwei Milch-Grüntees aus dem Kühlschrank, die wir direkt mit dem Essen bezahlen wollen. Der die Zahlung entgegennehmende Mensamann erklärt uns schließlich, dass wir den Tee am anderen Tresen bezahlen müssen, was wir tun wollen, nachdem uns das Essen gegeben wird. Als wir unsere Bestellnummern in den Händen halten und warten, scherzen wir noch, dass man den Tee jetzt ganz einfach klauen könnte, niemand würde merken, dass wir ihn noch nicht bezahlt haben. Nachdem wir angesagt haben, welche Beilagen wir nehmen, setzen wir uns dann aber erstmal an einen Tisch. Während Bugi die Strohhalme holt, fällt es mir wieder ein. Ich habe aber ehrlich gesagt keinen Bock nochmal aufzustehen, also überlasse ich es dem Schicksal, ob er was sagt. Er sagt nichts. Ich kaufe ihm nicht so ganz ab, dass er es vergessen hat, irgendwie witzig. Ich meine, öfter würde ich das nicht machen, ein Tee kostet auch nur 20$TD, aber es ist schon lustig, dass das hier so easy möglich ist.

Später (ab ca. 14 Uhr) findet eine große Einführungsveranstaltung für alle neuen Internationals statt, am „Jiangong Campus“. Damut wir rechtzeitig da sind, müssen wir schon recht bald zum Bus, und so eilen wir vor die Campus-Tore. Ich gebe Bugi seinen „Tee der Freiheit“ zurück (er hatte ihn in meinem Fahrradkorb gelagert), und da bemerkt er unsere Straftat bzw. tut so als ob. Mein persönlicher criminal record beinhaltet jetzt schon Schwarzfahren, Kuli klauen und Green Tea klauen. Kann ich von meiner Auslands-Bucket List also abhaken.
Zum Jiangong-Campus braucht man eine knappe Stunde (in der Innenstadt gelegen, dort hat auch der Check-In letzte Woche stattgefunden, wo ich Bugi und Anna kennengelernt habe. Der (merkwürdige) Gebäudestil fügt sich gut in das Stadtbild ein, das Hauptgebäude wirkt immerhin sehr präsentativ durch seine großen Säulen im Eingangsbereich.


Dort steht am Rand bereits ein Stand, an dem ich direkt zwei der Frauen erkenne, die letzte Woche mit uns den Check-In durchgeführt haben. Sie geben uns eine durchsichtige Mappe mit und weisen uns an, mit dem Fahrstuhl in den Keller zu fahren.

Dort laufen wir durch eine kleine Tür und landen in einem weitläufigen, aber sehr flachen Hörsaal, der genauso gut als Konferenzsaal dienen könnte, da jeder Sitz mit Mikrofon und Melde- und Sprechtasten ausgestattet ist.

Die Veranstaltung läuft bereits, und wir setzen uns mittig auf zwei freie Plätze. Beim Umgucken sehe ich viele neue Gesichter. Etwa 60 Leute nehmen an der Veranstaltung teil, davon allerdings maximal zehn Europäer, die alle weit hinten sitzen. Recht schnell werde ich von hinten angetippt und auf Deutsch angesprochen. Ishan, so stellt er sich vor, kennt Bugi bereits, und dieser hatte mir tatsächlich schon von ihm erzählt. Die beiden haben sich schon bei einer anderen Veranstaltung kennengelernt und Bugi ist in Ishans Vlog gelandet, der für seine türkischen Freunde in Berlin regelmäßig auf YouTube hochgeladen wird. Ich catche direkt seinen Vibe, der türkische Akzent kombiniert mit Berlinerisch ist einfach unverkennbar. Ishan wohnt im Wedding bei seinen Eltern, studiert aber an der HWR und weiß auch schon, dass ich von der Beuth (BHT) komme. Zufälle gibt’s.
Der Sprecher der Veranstaltung ist noch bei der Begrüßung, und während idyllische Klaviermusik das Hintergrundgeräusch der Veranstaltung bildet, dankt er diesen und jenen für ihren Einsatz für die Hochschule und so weiter. Dann bittet er einen Polizisten der lokalen Polizeistation auf die Bühne, um ein paar Sachen für die Neuen (also uns alle) zu erklären.
Eine neue PowerPoint öffnet sich, die Musik im Hintergrund schaltet sich aus und der Bulle fängt an, einen chinesischen Text runterzurattern. Parallel dazu sehen wir auf der Leinwand englische Folien eingeblendet, man versteht also, was er uns im Grunde sagen möchte. Es geht zuerst um die Gefahren des Straßenverkehrs in Taiwan. Angeblich sterben wöchentlich bis zu drei Studenten nur an Motorradunfällen im gesamten Land, die Zahl macht auf mich Eindruck. Wir bekommen die spezielle Verkehrsregel für Motorräder erklärt (beim Linksabbiegen muss man zuerst geradeaus fahren und auf die nächste Ampelphase warten, bevor man weiterfährt), und einige sehr triviale Fakten, wie dass man bspw. einen Helm tragen muss, einen Führerschein besitzen sollte und dass betrunken fahren verboten ist (der Wortlaut besagt sogar nur, dass man nicht fahren sollte, wenn man sich wegen Alkoholkonsums schlecht fühlt. Was das bedeutet, scheint Auslegungssache zu sein, jedenfalls wird kein Promillewert angesagt). Es gibt vier verschiedene Arten von Helmen, die man sich aber selbst aussuchen kann. Wie man sich in einer Unfallsituation verhält, hängt davon ab, ob es Verletzte gibt. In jedem Fall sollte man aber Bilder von der Situation machen und die Polizei rufen. Was außerdem klar wird: Bei Verstoß gegen geltende Gesetze drohen harte Strafen.
Des Weiteren werden wir über finanzielle Kriminalakte aufgeklärt, bspw. sollte man niemandem sein Bankkonto leihen oder ohne Behördenerlaubnis arbeiten gehen. Es drohen nicht nur Gefängnisstrafen, man darf in solch einem Fall auch nie wieder in Taiwan arbeiten oder leben. Es bringe auch nichts, wenn sowas passiert, außer Landes zu fliehen, da man trotzdem an Taiwan ausgeliefert wird. Na dann soll China mich doch mal ausliefern, sag ich da nur. Bin gespannt. Immer diese Angstmacherei. Ich finde, für eine Einführungsveranstaltung ist das etwas drüber geraten.

Am Ende seines Vortrages sagt der Polizist noch, dass wir bei allen Fragen sein Department kontaktieren könnten. Dann wünscht er uns eine schöne Zeit in Taiwan und es wird kräftig applaudiert. Als Einziger klopfe ich auf den Tisch, das fühlt sich einfach richtiger an.
Der Sprecher vom Anfang läuft mit einer Kamera nach vorne und kündigt an, ein Gruppenbild zu machen. Drei Studentinnen mit einem Uni-Banner stellen sich vorne auf, dann lächeln wir alle und nach 20 Sekunden geht es weiter. Falls ich das Bild jemals bekommen werde, liefere ich es in einem späteren Eintrag auf jeden Fall nach.
10 Minuten Pause. Das versprochene Büffet auf dem Flur mit gratis Essen und Getränken entpuppt sich als ein Aufstelltisch mit einigen Tetrapack-Tees und wenigen Keksen. Auf einer Bank sehen wir Priyanshu wieder, den Inder aus dem Mandarinkurs von gestern. Wir diskutieren gemeinsam, was die Schriftzeichen an der Wand wohl bedeuten könnten. Das Zeichen für Tür und das für Mensch erkennen wir wieder, allerdings in verschiedenen Kombinationen. Bei anderen Zeichen versuche ich zu erraten, was die Bedeutung sein könnte. So wie wir es gelernt haben, entstammen alle „charakter“ einem grafischen Ursprung. Mein Mitbewohner Mike ist auch da, und er erklärt uns die Bedeutung der Zeichen. Leider lag ich falsch. Das P mit dem Kreis innen drin steht nicht für Schwangerschaft, sondern für einen Raum. Wirklich erraten kann man die Zeichen nicht, das wird auch schnell klar, wenn man sich die komplizierteren ansieht.
Dann geht’s weiter. Der nächste Programmpunkt ist ein kurzes Erklärvideo, der das richtige Verhalten im Fall von Erdbeben erklärt. Angeblich finden in Taiwan jährlich 20.000-40.000 Erdbeben statt, von denen 1.000-2.000 wohl spürbar seien. Ich habe bisher noch keines wahrgenommen, aber die Zahl ergibt trotzdem Sinn, da das Land (soweit ich weiß) im pazifischen Feuerring liegt. Das Video ist eine kurze Drei-Schritt-Anleitung (kurz: Ducken, Unterschlupf suchen, Kopf bedecken), welche aber mit animierten Stofffiguren das Gesagte untermalt. Es wirkt mitunter ein bisschen verrückt, aber seht selbst:
Es folgen einige Formalitäten. Für die langfristig bleibenden Internationals wird gezeigt, wie man sich auf eine Arbeitserlaubnis bewirbt, wie man einen Bankaccount eröffnet und was man tun muss, um die monatlichen Stipendien zu bekommen (es ist nicht ganz klar, für wen das genau gilt, da werde ich garantiert nochmal nachhaken). Die Ruhezeiten für jeden Campus werden angesagt (mein Campus: 11-7 Uhr), und einige Hausregeln in den Dormitorys werden wiederholt (die Infos hatte ich bereits auf diversen Kanälen erhalten). Betont wird aber, dass „high power electric appliances“ wie bspw. „pressure cookers, coffee makers“ oder „toasters“ aufgrund von Feuer-Gefahr strengstens verboten sind. Ich sehe mich schon dabei, meine kriminellen Machenschaften mithilfe des Reiskochers auszuweiten. Mindestens genauso schlimm sind anscheinend Drogenkonsum auf dem Gelände (also Allohol usw.) oder der Aufenthalt im Dorm des anderen Geschlechts. Haustiere wie Katzen, Hunde oder Mäuse (wollt ihr mich eigentlich verarschen) dürfen nicht (!) gehalten werden. All dies wird mit dem Punktabzug in einer Art Social-Credit-System geahndet, der nach mehreren Verstößen auch zum Rauswurf führen kann. Auch nach diesem Abschnitt wird wird geklatscht.
Dann wird eine Frau auf die Bühne gebeten, die sich selbst als Evelyn und unser „Bilingual counselor“ vorstellt. Sie stockt ein bisschen vor Aufregung, aber auch danach ist ihr Englisch ziemlich holprig.

Was jetzt kommt, überrascht mich ehrlich. Ich weiß ja, dass quasi alle Unis Mental-Safety-Räume haben und psychologische Beratung anbieten, zumindest offiziell und irgendeine Kammer im hinterletzten Gebäude steht auch meistens bereit, um über Probleme der Studierenden zu reden. Aber hier wird das wirklich gelebt. Alle sollen einen QR-Code einscannen und 26 Fragen zur eigenen mentalen Gesundheit beantworten. Je nach Antwort bekommt man Punkte, die auf einer Ampelskala summiert anzeigen, wie kritisch der psychische Zustand ist. Mit Beteiligung am Test erklärt man sich einverstanden, dass die Universität ab einer besonders dramatischen Punktesverteilung auf einen zukommen darf, um proaktiv Hilfe anzubieten. Der grüne Bereich liegt zwischen 0 und 9 Punkten, mit zwei Punkten muss ich mir denke ich keine Sorgen machen, gerade zumal der Test nicht besonders spezifisch war. Die letzte Frage des Tests bezieht sich auf Suizidgedanken bzw. -versuche. Ich bin geflasht und positiv überrascht, wie ernst das Thema hier anscheinend genommen wird,



Nachdem die Veranstaltung also beendet wird (erneuter Applaus), machen sich viele Studierende schon aus dem Staub. Eine verpasste Chance, wie ich finde, da man durch die Vorlesung keine echte Gelegenheit hatte, Kontakte zu knüpfen. Am 27. September soll es wohl sowas wie ein gemeinsames Grillfest geben, aber hallo, das ist ja echt noch eine Weile hin.

Bugi und ich bemerken beim Rausgehen eine Gruppe, die sich schon die ganze Zeit auf Deutsch unterhält, auch Ishan gehört dazu. Mit den drei kommen wir recht schnell ins Gespräch und gehen im Laufe des Gesprächs in ein Restaurant namens Sukoye auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ishan (aus Berlin) kenne ich ja bereits, dann gibt es noch Luca (sie, aus Hannover) und Micha (aus Graz). Luca und Micha kennen sich bereits durch ihr Studium in Wien (Human Resources, HR), sie alle wohnen in der Nähe der Metrostation Metropolitan Park in gemieteten Wohnungen. Die beiden aus Wien machen ihr Auslandssemester (im Master) verpflichtend, und das merkt man ihnen sofort an. Luca, eine füllige Person mit aufrechter Achse und selbstbewusstem Blick, erzählt, dass sie keinen Mandarinkurs belegt, weil er ihr keine Credits bringt. Aber wenn sie wollen würde, könnte sie einen belegen, richtig? Ja klar, aber warum sollte sie? Naja, aus Interesse am Land oder so zum Beispiel? Nee, das bringt ja nichts, sie macht das dann im Master ja auch gar nicht weiter… Sogar Micha, der in seinem Bachelor schon einmal in Taiwan war, belegt wohl keinen Mandarinkurs. Ishan, der das Semester nicht aus Pflicht belegt, lässt sich fast überzeugen. Er sei kein Sprachentyp, aber Interesse hätte er grundsätzlich schon.

Wir bestellen unterschiedliche Reisgerichte. Bei mir ist der Reis etwas sauer (Zitrone?) und der Thunfisch ist ganz weich und zart gekocht, dazu Nuriblätter und Gewürze. Schmeckt wirklich sehr frisch und lecker.
Die Gruppendynamik ist nicht so ganz nach meinem Geschmack: Sobald wir über die Anreise reden, geht das Thema schnell auf Deutsche Bahn und entsprechendes Gebashe über. Recht natürlich, wer Recht hat. Aber ich bin eigentlich ganz froh, in Taiwan mal niemanden über Deutschland meckern hören zu müssen. Ich hatte mir schon im Vorlesungssaal gedacht, dass es vielleicht nicht die beste Idee ist, den Kontakt zu noch mehr Deutschen zu suchen, einfach um der Auslandserfahrung willen. Und gerade Luca bestätigt meine Bedenken voll: sie wirkt ziemlich stur und nicht gerade offen für kulturelle Erlebnisse, außerdem droppt sie nach so 20-30 Minuten miteinander Reden, dass ihr Vater letztes Jahr gestorben ist. Ich spreche ihr mein Beileid aus, aber Bugi und ich stimmen überein, dass man so etwas vielleicht lieber nicht so schnell Fremden erzählt. Ich merke, wie mich die Situation ein bisschen stresst. Ishan dagegen ist echt lustig, er ist neugierig und verwendet einen sehr unterhaltsamen Slang aus türkischen Worten, Denglisch und Berlinerisch, und lacht sich tot über eine Klingel, mit der er aus Versehen die Bedienung des Restaurants an den Tisch beordert hat.

Da Anna heute Geburtstag hat, will Bugi ihr noch ein Geschenk besorgen. Wir trennen uns also von den drei anderen Deutschsprachigen und suchen ein Einkaufszentrum namens E Sky Mall auf. Auf dem Weg dorthin regnet es sogar, entgegen allen Wetterberichten kommt das hier wirklich selten vor, seitdem ich da bin. Kurz danach stoppt der warme Regen schon und der Himmel färbt sich in ein wunderschönes Orange.




Auf mehreren Stockwerken gibt es fast ausschließlich Schmuck und sonstige sehr teure Gegenstände wie bspw. Stereoanlagen zu kaufen. Leider ist für Anna nicht das Richtige dabei, also ziehen wir weiter, in den Shopping District. Die gleichnamige Metrostation liegt sehr zentral neben dem Sky Tower und man kann sie generell als Downtown der Stadt bezeichnen. Dort holt Anna uns ein, sie hat den Tag in der Stadt und am Shoushan National Park verbracht (während wir Unterricht hatten), hat sich auch die Affen dort angesehen.

Hunderte, Tausende Läden und Geschäfte befinden sich im näheren Umkreis, und noch in der Metrostation gibt es einen Abzweig in ein 13-stöckiges Kaufhaus, das verschiedenste Stores beinhaltet. Hier bleiben wir eine Weile und arbeiten uns langsam Rolltreppe für Rolltreppe nach oben. Ich habe eine ganze Liste mit Dingen parat, die ich einkaufen will (u.a. weiße Sneaker, eine Bauchtasche (meine ist leider nach einer Woche in Taiwan kaputt gegangen), Wanderstöcke und und und…). Und wir alle drei genießen es, durch das klimatisierte Hochhaus zu schlendern und uns die Stores anzusehen.

Die taiwanesische Version von GameStop hat viel zu bieten, gerade was Spiele auf der Switch oder Playstation angeht. Außerdem hat der Laden Unmengen an Spielfiguren aus mir unbekannten Fantasiewelten im Angebot, wahrscheinlich ‚der‘ Verkaufsschlager in Asien. Für später in meiner Zeit hier merke ich mir, dass Zelda 2 ungefähr 40€ kostet. Hoffentlich kann das Spiel auch auf Englisch umschalten, die Hülle sieht jedenfalls nicht danach aus.
Weiter oben hat gefühlt jede Sportmarke einen eigenen kleinen Laden. Im New Balance Store probiere ich einen Sneaker an, den A96 1000, wenn ich den Namen richtig lese. Er ist deutlich stabiler (da weniger Netz und mehr Verstärkung) als mein aktueller Schuh und sieht durch den dunkelblauen Akzent auch einfach mega aus. In Deutschland wird er für 170€ Neupreis verkauft, hier würde ich ihn für 120€ bekommen, und das sogar im Marken-Store. Leider haben sie ihn nur in Größe 45 (statt mindestens 46, wie ich es bräuchte) und er drückt vorne ziemlich, also lasse ich ihn hier. Später gucke ich mal, ob ich ihn noch günstiger im Netz bestellen kann. Auch bei Adidas, Under Armour, Skechers, Asics, Puma und weiteren schauen wir.


Noch weiter oben würde man bei Bauchtaschen fündig werden. Allerdings werden die Verkäuferinnen stark aufdringlich, sobald man sich einem Verkaufstisch oder Regal nähert, und drängen mir eine Tasche auf, die ich unbedingt anprobieren soll. Einmal mache ich das mit, dann ist es mir aber zu viel. Ich merke schon, dass wir fast die einzige Kundschaft an diesem Mittwochabend sind.
Irgendwann ist uns kalt, weil die AC konstant kühle Luft ins Gebäude bläst, und wir gehen wieder in die Straßen, etwas zu Essen suchen. In einem kleinen Restaurant werden wir fündig, ich bestelle eine bescheidene Gemüseplatte (auf der sich nur Spinat befindet) und Suppe mit Fischbällchen.
Während dem Essen lassen wir einen Vlog von Ihsan laufen, der echt aufwändig geschnitten und mit passender Musik unterlegt ist sowie anscheinend auf einem sehr schwachen Laptop geschnitten wurde. Auch Anna und Bugi haben einen Blog (so wie ich) angefangen, mit täglichen Beiträgen, wenn auch kürzer und mehr auf die Bilder fokussiert. Wir tauschen die Blogs aus. Ich finde es so spannend, wie viele Leute auf die eine oder andere Art versuchen, ihr Auslandssemester zu dokumentieren, und wie jeder dabei seinen eigenen Stil findet.

Zur Feier des (Geburts-) Tages wollen wir dann noch in eine Bar gehen. Auf meinen Vorschlag hin probieren wir es in der „Molynn Piano Bar“, die ich fast mit James besucht hätte, wenn da nicht Formel1 gelaufen wäre und ich mich gespoilert hätte. Anna sponsert die Getränke, und wir probieren zum ersten Mal „Taiwan Beer“ bei einigen Runden Uno.

Die Bar ist, wie in meiner Erinnerung, gefüllt mit Internationals, unter anderem hören wir Deutsch und Französisch heraus. Da alle anderen Besucher sehr jung sind und sich zu kennen scheinen, vermuten wir, dass sie von einer anderen Uni sind. Das bestätigt sich, als ich auf der Toilette mit einem Deutschen und einem Belgier ins Gespräch komme. Der Deutsche, Adrian, erzählt mir von der NSYSU, eine Uni in Strandnähe, auf der dieses Semester erstaunlich viele Franzosen und Deutsche eingeschrieben seien. Er bietet mir an, mich in eine große Whatsappgruppe der Internationals dort aufzunehmen, und ich lande in einer 191-Personen-Gruppe.
Ich muss dann aber los (es ist ca. 23:30 Uhr), bald fährt die letzte Metro fährt bald, den Bus bekomme ich sowieso nicht mehr, fahre dafür die letzte Strecke mit einem U-Bike. Mein Handy hat außerdem nur noch 6%, die brauche ich für Google Maps und um das Rad zu entsperren. Zur Sicherheit geben Anna und Bugi mir netterweise ihre EasyCard mit, die ich geradeso nicht brauche. Mit einem Prozent Akku komme ich gegen 0:20 Uhr noch im Dorm an. Meine dringende Mission für die nächsten Tage: eine Powerbank besorgen!

Bis ich mit meiner Abendroutine aus Workout, Dehnen, Duschen, Blog schreiben fertig bin, ist es fast 4:30 Uhr. Random Fakt: Heizo wacht zwischendurch auf (von alleine), macht seinen PC an, macht da irgendwas, und legt sich nach zwei Minuten wieder schlafen. So eine Selbstkontrolle wünsche ich mir auch.
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