Heute stehe ich zur Abwechslung mal wieder früh auf, da „Architectural Design“ schon um 9:10 Uhr beginnen soll. Ich schnappe mir ein gelbes Unifahrrad und strample den kleinen Hügel hinauf, um die Brücke über die Autobahn zu nehmen. Um diese Uhrzeit sind eine Menge Studenten unterwegs, die entweder vom Dorm oder von außerhalb mit dem Elektroroller zu ihren Unterrichtsstunden fahren. Schon aus der Ferne sehe ich, wie ganze Kolonnen anrollen. An der Kreuzung vor der Brücke schleuse ich mich mit meinem viel zu niedrig einstellten nicht motorisierten Zweirad langsam ein. Von links und rechts werde ich unter Getöse überholt, ganz schön gefährlich. Auf der anderen Seite geht es den Berg hinab, hier beschleunigen auch Fahrräder auf höhere Tempos, gerade wenn man bedenkt, wie schlecht die Bremsen teilweise sind. An der Kreuzung unten hat mein Straße Vorfahrt, jedenfalls lassen alle uns vor. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob meine Bremsen es andernfalls überhaupt mitgemacht hätten, da muss ich wirklich aufpassen.
Der Unterricht ist wieder im Construction-Gebäude, diesmal in einem anderen Flügel, aber immer noch im Erdgeschoss. Vor dem Raum stehen schon die Schüler (sie wirken wirklich mehr wie Schüler als Studenten), kleine Grüppchen bilden sich, auch ein Pärchen sehe ich. Dann kommt Professor Hsieh, der mir relativ trocken per Email zugesichert hatte, an dem Kurs teilnehmen zu können. Er schließt die Tür auf, und lässt uns in die Werkstatt. Die Decke ist ziemlich hoch, und auch hier tummeln sich die Kabel und Rohre an Wänden und Decke, was das Zeug hält. An den Raumrändern stehen Regale mit Matten, Akten und Kartons, aber auch Tragwerksmodelle sehe ich. Besonders ein weißes Strukturmodell gibt es besonders oft, mindestens zehn Versionen sehe ich. Ich kann mir gut vorstellen, wie irgendwelche Erstsemester sich da abgemüht haben, haha. Nachdem alle den Raum betreten haben und sich auf die unbequemen Holzschemel an den Tischen gesetzt haben, holt der Lehrer genau eines von den angesprochenen Modellen aus dem Regal und stellt es nach vorne. Ich hab mich an den Rand gesetzt, um auf das Geschehen einen guten Blick zu haben, außerdem werde ich sowieso die ganze Zeit angestarrt und will dann nicht auch noch genau in der Mitte sitzen.

Professor Hsieh erkennt mich, winkt und kommt kurz zu mir rüber. „Do you want to participate?“ „I first want to try, and then decide later, if that‘s okay. If you have some (beamer) presentation, I could translate it with Google.“ „Okay.“ Dann beginnt der Unterricht, er stellt sich nach vorne, nimmt sich das Mikrofon (was hier ja üblich zu sein scheint, auch wenn der Raum keineswegs besonders groß ist) und beginnt auf Chinesisch. Ab hier bin ich quasi ausgeschaltet, denn verstehen tu ich zwar sowieso nichts, aber er hat leider keine PowerPoint oder Ähnliches vorbereitet, sondern schmiert ab und zu mit einem grünen Stift etwas auf das hinter ihm liegende Whiteboard. Google Lens tut sich schwer damit, das zu übersetzen, also bin ich raus. Ich weiß, dass die Stunde nicht lange geht, also bleibe ich sitzen. Es ist in der Tat beeindruckend, wie schnell man komplexe Schriftzeichen aus dem Handgelenk an eine Tafel schreiben kann. Einzelne Zeichen bekomme ich doch übersetzt, es hat irgendwas mit einer Übersicht über Konstruktionsmaterialien wie Stahl zu tun.
Nach einer halben Stunde ist der Kurs vorbei und alle stellen sich vorne an, um sich irgendwo einzutragen. So wie ich da alleine sitzen bleibe, sehe ich vermutlich ziemlich lost aus. Der vermeintliche Junge aus dem Pärchen, das ich am Anfang gesehen hatte, stellt sich als Mädchen heraus (es fällt mir glaube ich schwerer, das bei den Asiaten zu unterscheiden als ihnen selbst) und fragt mich, was ich hier mache und natürlich, woher ich komme. Sie ist auf jeden Fall sehr nett und bemüht sich, ein wenig Englisch zu sprechen. Ich erfahre, dass es in dem Kurs Gruppenarbeit geben wird und statt einer Klausur am Ende des Semesters ein Modellbauprojekt abgegeben wird. Ich hatte während der Stunde eigentlich schon beschlossen, den Kurs doch nicht zu nehmen, einfach weil ich mich so unbeholfen gefühlt habe, nichts zu verstehen. Ich frage das Mädchen, ob die anderen Studenten Englisch sprechen. Manche anscheinend ein bisschen, aber viele seien wohl zu „schüchtern“. Das macht mir nicht gerade Mut, schließlich kann auch der Lehrer nicht so viel. Als sie dann als Letztes unterschreibt, sage ich Prof. Hsieh, dass ich am Kurs eher nicht teilnehmen wollen würde. Er akzeptiert es, bietet freundlicherweise sogar noch an, dass ich trotzdem mal vorbeikommen kann, wenn ich möchte.

Mit dem Mädchen tausche ich noch Instagram aus und erfahre über den Accountnamen, dass sie wohl Ting Ting heißt. Sie fragt mich, ob ich gerne Volleyball spiele, weil viele (inklusive sie) hier spielen. Sie sagt, dass nächste Woche definitiv wieder gespielt wird und ich verstehe es als eine Art Einladung, mal mit ihr und ihren Freunden zu zocken. Als ich sie später aber frage, wann das ganze stattfindet, verweist sie mich auf die Geschlechtertrennung. War wohl ein Missverständnis.

Kurz danach postet sie einen Screenshot in ihre Story, wo sie etwas über mich schreibt. Google Translate übersetzt es mit: „I can’t hold it any longer I chatted with the teacher while signing in. He was German and had an accent that was hard for me to understand, but he was very nice. He said he probably wouldn’t take this class because he couldn’t follow it.“ Es wirkt, als wäre es nichts Besonderes, über ein relativ normales Gespräch mit mir direkt in der Insta-Story zu schreiben, das ist mir jetzt schon zum zweiten oder dritten Mal passiert. Andererseits wurde ich ja auch wirklich angestarrt, als wäre ich ein blaues Kamel mit invertiertem Höcker, das könnte ja einen Bericht wert sein, wer weiß.

Da die Stunde so früh war, hole ich mir erst jetzt Frühstück, die Cafeteria hat zum Glück noch offen. Ich will nicht nochmal auf einen Burger reinfallen, deshalb scanne ich die Speisekarte erneut, in der Hoffnung auf ein besseres Essen. Zuerst auf Englisch, die Ergebnisse verwirren teilweise aber ziemlich, deshalb probier ich’s nochmal auf Deutsch. Nicht so viel besser. Die Ergebnisse sprechen für sich:


Dass alle Gerichte, die aufgelistet sind, unter die Dessert-Serie fallen, lasse ich mal ganz außen vor. Auch wenn mich der Karottenkuchen aus dem After ziemlich interessiert, fühle ich mich mit der Möglichkeit zwischen Hasch-Brownies und Rösti dann doch ein bisschen wohler. Gott sei Dank ist es am Ende panierte Irgendwas-Kartoffel und ich muss den restlichen Tag nicht high verbringen.

Die Hälfte esse ich schon auf dem Weg, den Rest im Zimmer. An der Zimmertür versuche ich mich zu erinnern, was die vier Schriftzeichen bedeuten, Heizo hat sie mir gestern erklärt. Nacheinander aufgeführt, stehen sie für „Please, Fast, Knock, Door“. Das Türzeichen kann ich mir besonders gut merken, da es wirklich wie zwei offenbare Salontüren aussieht. Da man es auf dem Bild sieht, ein kleiner Sidefact: Türklinken, wie wir sie aus Deutschland kennen, habe ich bisher wenig bis gar nicht gesehen. Die meisten festen Türen funktionieren mit einem runden Türgriff, den man um ein Viertel dreht, um zu öffnen. Abschließen, besonders auf Klo, kann man, indem man von innen einen Nupsel in der Mitte der Kugel reindrückt; und öffnet anschließend einfach wieder durch Drehen der Kugel.

Im Zimmer treffe ich Mike (meinen vietnamesischen Mitbewohner), der das Thema der Air Condition aufbringt. Er hat sich in den letzten Tagen häufiger über die zu kühle Temperatur im Zimmer beschwert und hat es gerne ein bisschen wärmer als wir anderen. Zugegeben, auch ich musste heute früh irgendwann in den Schlafsack schlüpfen. Das Problem ist eher, dass wir alle noch nicht rausgefunden haben, wie man der AC einen Timer gibt.
Als Mike zur großen Mensa will, frage ich, ob ich ihm joinen kann, und wir laufen gemeinsam rüber. Das ist die Gelegenheit, ihn nach seinem Alter zu fragen. Ich weiß, dass Sky 18 Jahre alt ist und Heizo höchstwahrscheinlich auch unter 20. Mit Anna und Sebastian hatte ich Mike’s Alter getippt, die beiden anderen auf ca. 25, ich war mir sicher, dass er eher mein Alter ist, wenn überhaupt. Zu meiner Verteidigung, er hat keinerlei Bartwuchs, eine kleine Figur und studiert noch. Aber gut, Asiaten sind eher schwerer einzuschätzen aus europäischen Augen, ich hätte es wissen müssen, Mike ist nämlich schon 32. Er wiederum sagt, dass wir Europäer bzw. westlichen Leute in seinen Augen immer etwas älter aussehen; wenn er es nicht besser wüsste, würde er mich auch auf etwa 30 Jahre schätzen.
Es gibt im Hauptgebäude sogar zwei Mensen, die andere muss ich dann auch mal ausprobieren. Die ganz große ist aber auch so sehr entspannt, weil es hier die großen Metallschüsseln zum Selbst-Auftun gibt. Diese Kunst habe ich bereits in Berliner Mensen gemeistert, und Mike staunt nicht schlecht, wie ich in Tetris-Manier den Reis an die Seite quetsche, um mir danach umso mehr Tofu und in Öl gebadetes und frittiertes Gemüse aufzutun. So wie ich die Kasse letztes Mal verstanden hatte, zahlt man pro Hauptgericht (in meinem Fall fast immer Backfisch) und pro Beilage. Allerdings muss ich jetzt mehr zahlen als letztes Mal bei weniger unterschiedlichem Essen, und da ich auch keine Preistabelle finde (und ich hab wirklich alle Schilder abgescannt), gehe ich davon aus, dass hier einfach Pi mal Daumen abkassiert wird. Soll mir Recht sein, ist trotzdem extrem billig.


Wir suchen uns eine Bank, an deren Rand noch genug Platz ist, denn Mike hat wieder zwei Freundinnen gefragt, ob sie dazu kommen wollen.

Er hatte mich am Mittwoch bei der Einführung für Internationals bereits einer sehr schüchternen Freundin aus Vietnam vorgestellt, die er vorher als stark an der englischen Sprache interessierte Person angekündigt hatte, mit dem Vorschlag, dass ich und/oder Sebastian uns ja mit ihr ja mal/regelmäßig zum Üben treffen könnten. Wir hatten da kurz mit ihr gesprochen; da sie aber kaum ein Wort herausgebracht hatte, gab es kein tieferes Gespräch und Bugi und ich sahen es beide als ein bisschen merkwürdig, dass Mike uns mehr oder weniger vermitteln wollte.
Bei den Freundinnen, die er jetzt angekündigt hat, verhält es sich ähnlich. Die eine ist tatsächlich wieder die eine von Mittwoch, und über die andere hatte Mike vorher schon erzählt, dass sie einen taiwanesischen Mann geheiratet hat und nicht nur gerne Englisch üben würde, sondern mir auch bei meinem Chinesisch helfen könnte. „Maybe you will get friends with her“… die beiden tauchen dann auf und setzen sich zu uns. Langsam, weil Englisch, kommen wir ins Gespräch, und die beiden sind auch sehr nett (die Namen habe ich leider vergessen, wie so oft). Über ein paar Basic-Fragen geht es aber nicht hinaus und ich merke auch, dass ich darauf eigentlich gar keine Lust habe. Freundschaften kann man nicht arrangieren, wenn dann ergibt es sich, wenn nicht dann nicht. Mike selbst hat sich ausgeschaltet und sucht an seinem Handy intensiv nach Flügen für nächstes Jahr (die wohl besonders im Februar teuer sind, weil da alle möglichen Leute fliegen bzgl. dem chinesischen Neujahr). Ich werde dann von hinten angetippt, es ist einer derjenigen, die wir am Montag als Teil des Deutsch-Fachbereichs kennengelernt haben. André, so stellt er sich nochmal vor (was bedeutet, dass ich einen der anderen vorher zu Unrecht so genannt habe), ist Deutsch-Professor, genau wie seine Frau. Die beiden sind schon 10 Jahre in Taiwan, aber an dieser Uni hat er auch gerade erst angefangen. Er wirkt sehr froh, einen anderen Deutschen zu treffen, denn auf Nachfrage gibt er zu, wenig bis kein Chinesisch zu sprechen. Das hört sich echt nach Wahnsinn an, ich stelle es mir sehr einsam vor, wenn man hier für längere Zeit lebt, ohne die einheimische Sprache zu lernen. André versichert sich noch, „wie sehen uns dann ja bestimmt mal bei Veranstaltungen oder so?“, dann muss er wohl los.

Auch ich muss dann mal los, ich wollte noch Sachen packen für das Wochenende und ganz dringend, Ohropax kaufen, denn ich werde die nächsten zwei Nächte mit James in einem Zimmer schlafen. Auch wenn ich es geschafft habe, zwei Unterkünfte mit separaten Betten zu buchen.
Im Dorm packe ich schnell ein paar Sachen für meinen ersten „Urlaub“ und den Chinesisch-Kurs heute Abend in den Wanderrucksack, dusche und rasiere mich, dann geht’s los. Einmal umkehren, um den Reisepass zu holen, dann steige ich aufs You-Bike. Das nehme ich jetzt immer, da es zuverlässiger als die Busse kommt, billiger ist und meistens sogar schneller.

Ich will einen Zwischenstopp in einer Shoppingmall einlegen, und gerade rechtzeitig komme ich an, denn zum ersten Mal, seit ich vor zwei Wochen in Taiwan angekommen bin, erfahre ich einen echten Regenschauer. Von innen sehe ich durch die Fensterscheiben, wie die Tropfen auf die Straße prasseln, und das Wasser hochspritzt, wann immer ein Gefährt durch die aus dem Nichts entstandenen Pfützen schießt.
Ich finde zum Glück schnell die dringend nötigen Ohrwuschel, und weil ich noch ein bisschen Zeit habe, schaue ich mich um. Das Untergeschoss des Kaufhauses ist fast ausschließlich mit Zockerläden gefüllt, ergänzt um eine Apotheke und einen Laden für Massagesessel, sehr geil.

Zum (schönen) Nanzih-Campus ist es zwar nicht mehr weit, aber es regnet immer noch ziemlich heftig. Da muss ich wohl durch. Mein Wanderrucksack hält zum Glück eine Menge Nässe ab. Das Feeling ist sehr unreal, weil der Regen so warm ist wie ein abgekühltes Mikrowellengericht. Er ist sogar ein kleines bisschen angenehm, auch wenn er vermutlich nicht die sauberste Flüssigkeit ist, denn sobald ein wenig davon in meine Augen kommt, fangen die an zu jucken. Ich fahre auf dem Fahrradstreifen über eine Brücke, und die Motorräder zischen an mir vorbei, als ob ich nicht da wäre. So langsam verstehe ich die hohen Todeszahlen im Straßenverkehr. Ich hole mein Handy auch erst wieder raus, als ich ganz sicher bin, dass hinter mir niemand mehr kommt.

An der nächsten Kreuzung gucke ich mich um und sehe alle Rollerfahrer mit bunten Ponchos, anscheinend gehören die zum Standard-Repertoire für den Notfall. Ich werde zwar ziemlich nass, weiß aber auch, dass ich mich im Gebäude schnell wieder trocken bekomme. Der Unterricht findet im 4. Stock in einem Raum statt, der wieder wie ein Konferenzraum aufgebaut ist. Jeder Tisch hat ein Mikrofon mit Meldetaste, und die Rollstühle an jedem Platz sind so angenehm, man kann sich bis fast in die Waagerechte zurücklehnen.


Bugi und ich sind von allen Teilnehmern die einzigen, die auch schon um Dienstagskurs dabei waren. Trotzdem sei es sehr sinnvoll für uns, beide Kurse zu besuchen, da verschiedene Themen. Anna traut sich gar nicht erst rein, aber die Lehrerin (dieselbe wie dienstags) bietet später an, sie auch zu unterrichten (vermutlich, weil sehr wenig Leute am Kurs teilnehmen und die Kapazität definitiv frei ist).
Heute geht es um etwas praktischere Sachen: wir lernen, wie man sich selber und andere vorstellt und nach entsprechenden Antworten fragt, und vor allem legt die Lehrerin viel Wert auf unsere Aussprache. Sie sorgt dafür, dass jeder eine Pinyin-Tastatur aufs Handy bekommt (mit der man mithilfe von lateinischen Buchstaben schnell und einfach die traditionellen Schriftzeichen eingeben kann), und so kann ich endlich meinen chinesischen Namen schreiben: 雷柏恩 (Aussprache: Léi Bó ēn). Dabei ist Léi aber der Familienname, den man auf Chinesisch immer zuerst nennt.
Zuletzt behandeln wir besonders häufige Schriftzeichen noch detaillierter. Wir schauen uns jeweils in Einzelarbeit YouTube-Videos an und erklären danach den anderen den Inhalt (auf Englisch). Ich z.B. bringe den anderen die Bedeutung und Herkunft des Schriftzeichens „nǐ“ bei (Bedeutung: du. Auch bekannt aus „Nǐ hǎo“, was in etwa „Du gut?“ bedeutet ). Es besteht aus zwei zusammengesetzten Einzelteilen, wobei das erste Teilzeichen eine stehende Person symbolisiert und das zweite ein dem Leser zugewandtes Gesicht (jedenfalls mit viel Fantasie), sodass man sich die Bedeutung theoretisch so erschließen könnte: Eine Person + guckt auf: Dich!

Nach der Stunde gehen Bugi, Anna und ich noch auf einen Night Market in der Nähe, da mein Zug mit James erst um 21:05 Uhr geht. Wir sehen mal wieder eine Menge Glückspielstände, aber auch Hosen, die vor Ort genäht werden und offene „Aquarien“, in denen nicht nur Fische, sondern auch winzige Schildkröten gehalten werden.






Essen darf natürlich auch nicht fehlen, bei großer fleischlastiger Auswahl werden wir fündig an einem Stand, der „panfried noodles“ als Grundlage anbietet, dazu bei mir „Cattle Fish“. Noch kochend wird die Speise serviert, eine Maissuppe und so viel gesüßten grünen Tee wie man möchte gibt es gratis dazu.

Dann fahre ich zur Zuoying Station, von der unser High Speed Train (HSR) abfährt. Die (Fern-)Bahnhofshalle ist echt beeindruckend, besonders die baumartigen Stützstrukturen machen Eindruck.

Auf dem Gleis steht bereits der Hochgeschwindigkeitszug, dessen Technologie mit den Shinkansen-Zügen aus Japan übereinstimmt, Man darf allerdings noch nicht einsteigen, weil die Züge vor jeder Fahrt einmal gereinigt werden. Durch die Fenster kann man zusehen, wie das Personal die Wagons abläuft und nicht nur den Müll leert, sondern jeden einzelnen Tisch abwischt und unter die Sitze guckt. Also laufe ich einmal an das Zugende, um die berühmte Nase zu sehen. Sehr lang geformt, in einem sehr flachen Winkel für die Windschnittigkeit (glaube ich zumindest) verleiht sie dem Zug einen futuristischen Look. Und auch die Fenster tun ihr Übriges, sie erinnern mich an Raumschiffdarstellungen.

Sehr interessant: Zum Einsteigen (der Boden im Zug ist genau auf Bahnsteigebene, das hat in Deutschland quasi kein ICE) muss man sich in einer Schlange anstellen, alles hat hier seine Ordnung. Vor uns steht ein Pärchen, der Typ hat einen raumschiffartig anmutenden Rucksack auf, der ein Fenster für das arme Haustier lässt, das dadrin ausharren muss.

Als sehr positiv empfinde ich innen übrigens auch die massive Beinfreiheit, die einem garantiert wird. Ich brauche meinen Rucksack nicht einmal auf die Gepäckablage oder an den Wagonanfang zu stellen, er steht einfach vor mir, während ich meine Beine trotzdem noch ausstrecken kann. Besonders schmackhaft: Wir haben die Tickets durch irgendeinen Rabatt bekommen, sodass mich die Fahrt nur ungefähr 10€ kostet, die im Endeffekt auch nur ca. 55 Minuten dauert.

Und dann düsen wir los. Nach ungefähr 10 Minuten halten wir schon wieder, in Tainan. Danach aber heizen wir für längere Zeit zwischen Feldern und Dörfern hindurch, trotz der Dunkelheit lässt sich erahnen, wie schnell wir sind.
Schwuppdiwupps sind wir in Taichung, und haben mehr als die Hälfte des Landes durchquert. Die drittgrößte Stadt des Landes heißt uns willkommen, und mit einem Regionalzug kommen wir schnell zum Hauptbahnhof, an dem unser Hotel liegt. Auch der Bahnhof hier ist tragwerkstechnisch sehr eindrucksvoll, bei Tag morgen soll er noch schöner aussehen.

Wir checken schnell in das Hotel ein, und gehen dann auf die Suche nach Essen. Erstaunlicherweise hat um ca. 22:30 Uhr an einem Freitagabend nichts mehr offen… nach einer Viertelstunde geben wir es auf und holen uns bei 7/11 jeweils ein Mikrowellengericht.

Das Hotel kostet uns ebenfalls jeden einen Zehner für die Nacht, und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt mich froh. Zwar haben wir kein Fenster, aber alles ist sauber, in der Dusche gibt es Shampoo und wir haben sogar jeder ein einzelnes Bett. Die Lage ist sowieso spitze.



Lief doch spitze, der Tag, oder? Bisher ja. James schläft leider sehr schnell ein und ich habe komplett unterschätzt, wie unfassbar laut er schnarcht. Meine neuen Ohropax bringen ungefähr gar nichts, und meine Over-Ear-Kopfhörer liegen in Kaohsiung im Dormitory… Allein James‘ Gesundheit wegen muss ich ihn morgen mal darauf ansprechen, alle paar Sekunden gibt er Laute von sich, die nach qualvollem Tod klingen. Dabei stöhnt er auch noch, was es nicht unbedingt besser macht, haha. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich heute werde schlafen können, da ich darauf sehr schreckhaft reagiere. Eventuell lässt sich das nächste Nacht so regeln, dass er früher schlafen geht und ich später, oder dass er statt auf dem Rücken mal auf der Seite schläft (meines Wissens nach kann man nämlich nur bei Rückenlage schnarchen).
Ich schreibe das gerade um 3:20 Uhr, also stay tuned!
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