An diesem Sonntag habe ich eine größere Tour geplant. Dafür stehe ich schon um kurz nach 6 auf und nehme in Kauf, mein Frühstück erst unterwegs zu besorgen. 20 Minuten Bus, 50 Minuten Metro, 50 Minuten Bus und ein kleines Stück laufen, dann erst bin ich an der Fähre.

Das Wetter verspricht bombastisch zu werden, bevor es unter der nächsten Woche stürmisch und regnerisch werden soll. Wobei man auf den hiesigen Wetterbericht nicht allzu viel geben sollte. Bei Höchsttemperaturen um die 32 Grad halte ich meine Serie, bislang in Taiwan ohne jegliches langärmlige Kleidungsstück ausgekommen zu sein, von einem Regenponcho mal abgesehen.
Der „Kenting-Express“ liefert mich in „Donggang“ ab, das wohl ein Vorort von Kaohsiung ist. Die Aufschrift des Busses macht deutlich, dass er unterwegs in die südlichste Spitze von Taiwan ist.


Am Fluss, der in den Dongganger Hafen mündet (und dem Google partout keinen Namen geben wil), werde ich von einer Frau auf Chinesisch angesprochen. Sie schiebt ein Fahrrad und hat auffallend keine sonderlich sichtbaren Zähne. Ich sage „Sorry?“ und bekomme ein „Okay! Okay!!“ zurück, dann schiebt sie weiter.
Gestern in Kaohsiung wurde ich auch schon von einem Bettler um Geld gefragt, dem ich mein restliches Kleingeld in die Hand gedrückt hatte. Er war mit mehreren Plastiktüten unterwegs und hatte sich sehr über die ungefähr 40$TD (1,20€) gefreut. Auch wenn es mir bisher nicht besonders aufgefallen war, gibt es auch in den hiesigen Stadtbildern immer mal wieder Obdachlose. In Taichung waren einige am Bahnhof, und ab und zu sieht man Menschen am Straßenrand liegen und schlafen; was i.d.R. aber gemütlich aussieht, anders als bei den Temperaturen in Berlin an der Hermannstraße.

Zeitlich bin ich knapp dran, und ich stelle mir eine Frage, die mich schon oft beschäftigt hat. Nimmt man in Kauf, dringend aufs Klo zu müssen und dafür seine Fahrt zu bekommen, oder erleichtert man sich lieber, muss dafür aber länger warten? Es erscheint mir irgendwie sinnlos, wegen einer 1-Minuten-Aktion den Zeitverlust in Kauf zu nehmen, aber ich entscheide mich für Letzteres. Gut so, denn die Fähre hält sich sowieso nicht an den Zeitplan von Google.
Der Kauf meines Tickets ist schon wieder toll. Von einer Verkäuferin am Straßenrand werde ich zum Counter geleitet. Dort bestelle ich das Ticket, zeige meinen Perso vor und bekomme das Ticket, während ich die Bezahlung mit der Frau von der Straße regele, die das Wechselgeld aus ihrer schmuddeligen Bauchtasche herauskramt. Two-Way ist billiger, für Hin- und Rückfahrt zahle ich ca. 13€. Nicht schlecht, die Fahrt dauert schließlich über 30 Minuten.
Ich steige in die Fähre und habe noch etwas Zeit. Die Kabine fühlt sich an wie ein großes Flugzeug, da die Anordnung sehr strikt gerastert ist. Eine asiatische Rentnergruppe unterhält sich lachend, auch sonst nur Taiwanesen. Nach und nach kommen glücklicherweise auch europäisch Aussehende rein. Das erleichtert mich schon, denn bei Asiaten muss ich davon ausgehen, dass Kommunikation nur mit Google möglich ist. Letztendlich setzen sich sogar vor und neben mir Europäer hin.

Derjenige neben mir liest auf seinem Handy deutsche Zeitungen. Überall trifft man Deutsche! Und das Pärchen vor mir unterhält sich auch auf Deutsch, Wahnsinn.
Ich habe mir nach dem gestrigen Tag vorgenommen, mehr auf Leute zuzugehen, denn das Kennenlernen von neuen Leuten ist das, was mir beim Alleinreisen am meisten Spaß macht und was ich auch regelmäßig brauche, um nicht einzugehen wie die meisten Zimmerpflanzen, die ich jemals hatte. Da der Deutsche mit mehreren Leuten als Gruppe reist, frage ich irgendwann, ob „ihr auch einen Tagesausflug“ macht? Er seufzt, als hätte er schon erwartet, dass ich irgendwann etwas sage, antwortet dann, dass er mit Freunden seiner Uni eine Mehrtagestour nach Kaohsiung macht. Seine Uni liegt in „Hsinchu“ nahe Taipei, die Gruppe fährt jede Woche in einen anderen Teil des Landes. Er erzählt mir, dass er so wenig wie möglich Deutsch reden möchte, weshalb er sich seine Freunde nach Sprachkriterien ausgesucht hat; bzw. es sich glücklich so ergeben hat, dass die Gruppe aus je einem Deutschen, Ungarn, Israeli, Tschechen und Kanadier besteht. Es erklärt auch, warum er vielleicht keine Lust auf einen Deutschen wie mich hat, und ich versteh das auch ehrlich.
Die fünf wollen Schnorcheln gehen und die Insel per motorcycle erkunden. Ich erzähle, dass mein Plan ist, zu Fuß eine Umrundung hinzulegen. Beim genaueren Blick auf Google Maps sehen wir, dass das bestimmt 2-3 Stunden reiner Fußweg sind, aber was habe ich für eine Wahl. Außerdem bin ich ja bestimmt an die sieben Stunden da, weshalb es definitiv machbar sein sollte. Da ich bei der Gruppe mangels Führerschein sowieso raus bin, verabschieden wir uns nach Anlegen der Fähre auch direkt und wünschen einen tollen Tag.
Ich laufe vom Steg also erstmal auf die kleine Stadt zu, die sich ab hier eröffnet. Nach bestimmt nicht einmal drei Sekunden werde ich auch schon von einer Frau gerufen, die mich zu sich winkt und in ihren Laden lotsen will. Das Geschäft sieht stark nach Motorradverleih aus und ich rufe „no Druckers license“, aber sie versteht es nicht und winkt weiterhin. Weil ich offen für spontane Begegnungen/Storys sein will, gehe ich einfach mit, nen richtigen Plan habe ich ja eh nicht.

Innen ist es angenehm klimatisiert und ich versuche per Google, mit den beiden Mitarbeitern klarzukommen. Letztlich stellt sich sogar heraus, dass kein Führerschein egal ist, sie wollen nur eine ID (meinen Perso) sehen. Für 300$TD (8,50€) lässt sich die niedrigstufigste Variante der Scooter für den restlichen Tag ausleihen (bis 17 Uhr, da dann auch die letzte Fähre geht). Das ist so billig, dass ich nicht zweimal überlege, sondern direkt bezahle.

Der Kollege vom Dienst stellt mir sofort eines der Elektrofahrzeuge hin. Er zeigt einmal kurz auf die Bremsen, den Startknopf und die Gaskurbel am Lenkrad, sagt ein paar Dinge auf Chinesisch und lässt mich dann damit allein. Einen Tipp bekomme ich noch: Fahrzeug abfilmen, für den Fall von Kratzern zum Beispiel. Hätte ich garantiert vergessen. Ich schreibe kurz mit Ihsan, er ist der Meinung, dass das mit dem Ausleihen ohne Führerschein ein rechtlicher Grauzonenbereich ist, klingt plausibel für mich. Aber im Endeffekt könnte es sein, dass mir die Karre den Arsch rettet, wenn die Insel wirklich für Motorroller ausgelegt ist.

Ich, der ich außerhalb einer Fahrschule noch nie am Straßenverkehr mit einem motorisierten Fahrzeug teilgenommen habe (in Taiwan erst recht nicht), bin etwas überfordert. Den Helm bekomme ich noch aufgesetzt, auch wenn er alles andere als fest sitzt und nicht verstellbar ist. Ich schiebe den Roller ein paar Meter zur Seite, verbringe eindeutig zu lange mit dem Festbinden meines Beutels und noch viel länger damit, den Roller anzuschalten. Irgendwie klappt es nicht, obwohl ich den Knopf genauso drücke, wie der Typ das vorgemacht hat. Schließlich muss ich mitten auf der Hafenkreuzung wenden, zurückschieben und fragen. Als eine Mitarbeiterin runterkommt und den Schlüssel um ein Viertel dreht, würde ich am liebsten im Boden versinken. Schnell weg hier.

Ganz ungewohnt, stelle ich meine Füße nach vorne, wie bei einem Stuhl, und gebe ein bisschen Gas. Das Ding schnellt nach vorne, allerdings in sehr moderatem Tempo, es ist ja angeblich auf 25 km/h gedrosselt. Wie ich später herausfinden werde, lassen sich durchaus knapp 40 km/h erreichen. Zwischen den ganzen Zweirädern und schmalen Gasseneingängen ist die Situation ein bisschen unübersichtlich, aber ich wurschtel mich raus. Es geht steil bergauf, und bald komme ich auf die Landstraße, die die Insel am äußersten Rand umringt. Hier rasen ein paar Motorräder vorbei, bis zu 100 km/h können die fahren, weiß ich aus dem Laden. Ich komme dann auf den Trichter, dass ich auch einen Blinker besitze, aber das ist mir gerade zu viel und auch sonst halten sich die meisten Leute ja nicht an Verkehrsregeln. Als langsamster Verkehrsteilnehmer bin ich ja eh sehr vorsichtig, ich muss mich sogar daran gewöhnen, durch die kleinen Spiegel zu schauen, anstatt bei jedem Spurwechsel einen fetten Schulterblick durchzuführen.
Ich komme dann aber schnell in den Modus, mehr als die Linie halten kann ich auf der Landstraße sowieso nicht tun. Es macht richtig Spaß, sich in die kleinen Kurven zu legen, die Küste neben sich her ziehen zu sehen. Und recht bald sehe ich den ersten Parkplatz, an dessen gegenüberliegenden Seite einige Stände stehen und an der Seite ein kleiner Weg zu einer Aussichtsplattform führt.


Strand, wo man Schildkröten sieht, Personal das mich zurückpfeift, 3 Ungarn und ein Niederländer, Schmerz im Fuß, ich esse dort eine unbekannte Seefrucht, viele trinken Bier, später soll Sturm kommen, die Ungarn haben Tornado gesehen gestern
Es ist 11 Uhr und ich, ohne etwas im Magen, bin dankbar für jede Essgelegenheit. Ein Stand bewirbt aggressiv sein Produkt, das schildkrötenförmig in Truhen gelagert wird. Ich lese einen falschen Preis und bestelle eine, die statt 30$TD dann 80$TD kostet. Außerdem stelle ich zu spät fest, dass es kein Gebäck, sondern eine ockerfarbene Speiseeisschildkröte ist, die nach zwei Minuten komplett anfängt, zu siffen. Tolles Frühstück.
Der Ausblick von der Plattform ist aber toll. Viele Asiaten drängen sich um den besten Ausblick, aber auch vom Rand sieht das Meer wundervoll aus, so schön blau.

Mit Verweis auf diverse Höhlen zweigen an der Parkplatzstelle außerdem mehrere Wege ab. Die will ich natürlich auch mitnehmen und gehe einfach mal los. Allerdings will der Erlebnispfad nicht aufhören, ich kehre um. Auch hier wieder: durchaus ein paar Deutsche zu hören.



Der Zeitpunkt der letzten Fähre macht mir auf jeden Fall Druck, die ganze Insel zu sehen. Ich will zwar etwas essen, aber auch keinen schönen Strand verpassen. An jedem Abzweig Richtung Meer halte ich an und schaue auf Maps, ob der Abstecher sich lohnen könnte.
Der nächste Seitenweg sieht vielversprechend aus, eine glatte, aber leere Straße führt zu einem Parkplatz. An dessen Seite geht ein Feldweg ab, den ich einschlage.



Der Sandweg bringt mich schließlich an einen schmalen Küstenabschnitt, der ein bisschen nach 7vsWild aussieht. Rechts und links Felsen, hinter mir der Wald/Dschungel, vorne das tiefblaue Meer und mittendrin jede Menge angeschwemmter Plastikmüll, der mir potenziell als Werkzeug dienen könnte. Könnte. Oder aber er sieht einfach nur hässlich aus und ist schlecht für die Umwelt.

Dann tauchen doch zwei Asiaten auf, die meine Frage, ob man hier baden kann, verneinen, mit Verweis auf den Rettungsring, der an einer Seite hängt. Sie ziehen weiter und ich klettere auf die seitlichen Felsen, um mehr Ausblick zu ergattern. Die Ruhe hält an, bis aus einer Küstenrichtung zwei Männer und eine Frau immer näher kommen. Sie sprechen eine für mich nicht erkennbare Sprache. Ich spreche sie an, wieder meine Schwimmfrage. Die beiden Männer sind optimistischer, haben beide Badehosen an. Weil es nicht rutschig zu sein scheint, gehen sie auch direkt rein. Der eine mit einer GoPro, will sofort eine Schildkröte erkannt haben. Ich gehe den beiden nach; weiter als bis zum Oberschenkel kommt man aber nicht rein, weil der Untergrund hart und kantig ist und ich nichts riskieren will. So bekommt man aber bessere Blicke auf die Küste.

Ich quatsche ein bisschen mit den dreien, sie ist Local und die beiden kommen aus der Slowakei. Für einen Businesstrip sind sie hier, der Rückflug geht bereits heute Abend. Was das Business ist, verraten sie nicht, es scheint aber lustig zu sein, dass sie es nicht aussprechen. Ich erzähle von meiner Wanderung in der niederen Tatra, die beiden Männer zollen mir dafür Anerkennung, und ich bekomme Wandertipps für Taiwan. Auch für den Yushan, den höchsten Berg, bei dem man sich sehr früh anmelden muss. Als Ausländer hätte ich aber eine höhere Chance, die Genehmigung zu bekommen, denn unter Einheimischen wird diese in einer Lotterie verlost. Lustiges System, alles hat mit Glücksspiel zu tun, sogar staatliche Genehmigungen. Die drei hauen dann ab und ich bin wieder allein.
Auf meinem weiteren Weg komme ich an vielen interessanten Bauten vorbei. Moderne Ferienhäuser, lustig aufgebaute Aussichtsplattformen, und ein im Umbau befindlicher Tempel.



Generell begegnen mir auf Liuqiu Tempel in unfassbarer Menge, kein Ort bisher konnte da mithalten. Alle paar Ecken oder häufiger sieht man die typisch an den Rändern nach oben gewölbten orangenen Dächer, dazu bunte Verzierungen und manchmal auch Reklametafeln mit Leuchtschrift innen drin. Im Folgenden nur eine sehr kleine Auswahl dessen, was ich auf meinem Rundweg gesehen habe:





Der nächste Strand ist der „Venice Beach“, und er ist besser besucht und offizieller als die letzte Bucht. Am Eingang werdenich von lauter Musik und einem stark anwerbenden Mann empfangen, der mir unbedingt etwas verkaufen will. Außer Würstchen hat er noch eine Meeresfrucht im Angebot, die ich nicht kenne, aber bestelle. Eine taiwanesische Frau empfiehlt mir ungefragt, Bier zu kaufen und zu schnorcheln. Ich sehe ein paar Europäer, u.a. zwei Mädchen, die auch Bier bestellen.

Ich lehne mich erst einmal gegen einen Felsen, um den wenigen Fisch zu verspeisen (der aber ganz gut schmeckt), da kommt ein Typ auf mich zu, der zu den Mädchen von vorhin gehört. Er hat ein Bier in der Hand, ist mit Badehose und Sonnenbrille ausgestattet. Er fragt mich, ob ich schon die Schildkröten gesehen habe und will, dass ich sie unbedingt auch sehe. Also gehe ich ins Wasser, wate mich langsam vor und vor. Nachdem ich an einer kleinen Boje vorbei bin, höre ich ein sehr lautes Trillern einer Pfeife. Ein Küstenguard hat mich zurückbeordert, verbotenes Gebiet zu verlassen. Beim Umdrehen trete ich auf etwas Spitzes, will aber schnell zurückgehen. Vermutlich Seeigel oder so etwas, jedenfalls schimmert es spitz und dunkel unter der Wasseroberfläche. Der Typ von davor entschuldigt sich, dass er mich nicht gewarnt hat. Er stellt sich als Vili vor, er ist mit zwei Mädels und einem Jungen da, alle vier Austauschstudenten in Kaohsiung. Was auch sonst. Er und die Mädchen Ungarn, der andere Niederländer. Gemeinsam suchen wir am Strand nach Schildkröten, was nicht schwer ist, weil in dem Fall sofort alle Kameras darauf gerichtet sind. Der Niederländer leiht mir seine Taucherbrille, und ich kann die (erstaunlich große) Schildkröte von ganz nah betrachten. Die Panzertiere scheinen sich kein bisschen um die Menschen zu kümmern, gefährlich sind sie auch nicht, eher andersrum. Deshalb soll man auch Abstand halten, die Küstenguards sind nur für die Sicherheit der Schildkröten da.

Anschließend unterhalte ich mich noch kurz mit Vili und Frida (eine der beiden Ungarinnen), bevor die Gruppe ihrer Wege zieht. Sie fragen, wo ich studiere, wo ich herkomme, und ob ich manchmal ins Gym gehe. Wir stellen fest, dass wir bereits in in derselben WhatsApp Gruppe sind. Die drei Ungarn studieren nämlich an der NSYSU (der Niederländer ist der Freund von einem der Mädchen, er folgt dem Modell von Anna), in deren 200-Leute-Gruppe ich Mitte letzter Woche hinzugefügt wurde.
Ich bin dann wieder allein unterwegs, allerdings treffe ich an einem Parkplatz kurz darauf wieder den Deutschen von der Fähre. Er wundert sich, dass ich es geschafft habe, einen Roller zu bekommen. Seine Gruppe macht den Rundweg um die Insel in die andere Richtung, wir sind jetzt fast am südlichsten Punkt. Als wir da so stehen, kommt ein Taiwanese auf uns zu und sagt drei, vier Mal etwas, bis wir es als „Guten Tag“ verstehen. Er begründet: seine deutsche Freundin hat ihn zum Üben rübergeschickt.
Auf der Suche nach Nahrung geht’s für mich erstmal landeinwärts, wobei ich nach einer Minute bereits an der gegenüberliegenden Küste bin. Auf einer Erhöhung finde ich ein ausnahmsweise mal nicht touristisches Restaurant, in dem nur ein Junge zu Gast ist, der ein Video auf seinem Handy guckt. Die Bedienung wirkt unzufrieden, aber sie akzeptiert meine Bestellung. Eine Nudelsuppe mit Ei gibt mir wieder gut Energie. Trotzdem muss ich danach noch zu einem 7/11 fahren, um die erprobten Kalorienbrötchen einzusacken.


Mit dem ungesunden Convenience-Store-Fraß setze ich mich auf eine Treppe an einer Mole der unteren Küste, wo viele einheimische junge Angler chillen.

Anschließend mache ich immer mal wieder Halt, finde aber leider keinen Strand mehr, an dem ich baden könnte.




Das E-Motorrad gebe ich zeitig zurück, ich bin auch so erledigt, dass ich viel mehr nicht geschafft hätte. Ein bisschen laufe ich noch herum, probiere u.a. bei einem Obststand an der Straße die Preise aus, die (oh Wunder) viel besser sind als in den Mini-Markets 7/11 und FamilyMart.

In der Fähre, die ich gerade noch bekomme, setzt sich, was für ein Zufall, der Deutsche vom Anfang neben mich. Jetzt stellen wir uns auch vor und er wirkt mir deutlich sympathischer als noch am Anfang. Er heißt Jonas und ist 24, kommt aus Ostfriesland, studiert Maschinenbau in Aachen, hat zu einigen Themen eine Meinung, aber ich merke, dass er sich in den Fällen trotzdem sachlich damit auseinandersetzt. Wir bonden über unseren Blick als Deutsche auf Taiwan, u.a. was die Ernährung angeht (Jonas ist Vegetarier) oder den immensen Plastikverbrauch.
Zurück in Donggong, laufen wir mit seinen Freunden gemeinsam zum Bus, die fünf müssen wie ich ins Zentrum von Kaohsiung. Der Tscheche unter ihnen, Richard, ist besonders erpicht auf die Taucherei und hat schon die nächsten paar Inseln/Spots zum Tauchen rausgesucht, dabei eine Insel ganz südöstlich von Taiwan.

Genau für diese südöstliche Insel geht jetzt auch schon die erste Taifunwarnung raus, dort ist angeblich mit Windböen bis zu 100 km/h und 6-7 Meter hohen Wellen zu rechnen. Kein Grund zur Sorge, wir sind erst morgen dran, und sehr wahrscheinlich auch in schwächerem Ausmaß.
Sicherheitshalber decke ich mich auf dem Weg nach Hause trotzdem noch wie vom Dorm Staff empfohlen mit jeder Menge Instant-Nudeln ein.

Einmal die Kosten des heutigen Tages betrachtet: Für Verkehr (mit Abstand am meisten), Essen und Komfort gingen für mich heute ca. 40€ drauf. Das ist schon viel, es hat sich aber nach noch wesentlich mehr angefühlt, bei den hohen Zahlen in der hiesigen Einheit.
Im Dorm merke ich, wie stark meine Füße mittlerweile schmerzen. Mehrere kleine schwarze Stachel haben sich in meine (Horn-)Haut gebohrt. Mit meiner Zeckenzange bewirke ich nichts, und als auch keiner meiner Bekannten im Dorm eine Nadel oder Pincette hat, frage ich beim Dorm Staff nach. Was ich von denen bekomme, grenzt mal wieder an Frechheit: Ich bekomme einen einzelnen Zahnstocher aus Holz in die Finger gedrückt. Damit bekomme ich gar nichts raus, also muss ich wohl morgen (hoffentlich vor dem Sturm) noch in einen Laden gehen.
Ich rufe noch meine Mutter an, die heute Geburtstag hat, und gehe danach schlafen.
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