Freitag, 26. September

Nach nur etwa 4 Stunden Schlaf schaffe ich es kaum, aufzustehen, aber der kühle schwarze Tee aus der Cafeteria hilft mir dabei. Ich will unbedingt bei dem KI-Kurs von Ihsan dabei sein, gerade seit meine anderen Kurse sich als so lahme Enten entpuppt haben. Meistens kann man sich einfach so mit reinsetzen, solange man sich als Student ausweisen kann.

Im Bus Richtung Jiangong-Campus fragt mich ein Mann hinter mir in sehr gutem Englisch, ob ich seinen Kopfhörer sehe, den er fallen gelassen hat. Ich schau mich gut um, aber sehe wirklich nichts. Daraufhin entschuldigt er sich unaufhörlich und sagt, „I don‘t want to bother you“, trotz meiner Beschwichtigung, dass das kein Problem sei. Er traut sich auch nicht aufzustehen Die Leute sind einfach zu zuvorkommend.

Ich bin schon zu spät, aber kein Problem, Ihsan genauso. Entspannt nehmen wir den Aufzug in den 5th floor, wo ein schmaler nach hinten gezogener Raum für den Unterricht genutzt wird. Für den Lehrer, ein junger Typ mit großer schwarzer Brille, ist es kein Problem, dass ich mich mit reinsetze. Er bittet uns auf die freien Plätze nach vorne, damit wir besser folgen können. Die Klimaanlage und der Deckenventilator sind dort leider so kräftig am Wedeln, dass ich die Erkältung schon spüren kann.

Mit großzügiger Verspätung beginnt der Unterricht, in dem der Lehrer Powerpoints zeigt, die zumindest teilweise vor Text nur so überquillen. Eine grundsätzliche Beobachtung: In den taiwanesischen Kursen werden die Studierenden wenig bis kaum in den Unterricht miteinbezogen. Ingo (der Deutschlehrer, den wir gestern in der Deutschen Küche kennengelernt haben) meinte das auch schon: Seine Studis sind meist ganz überrascht wenn ihnen eine Frage gestellt wird. Und auch in meinen anderen Kursen habe ich Leute beobachtet, die in der ersten Reihe schlafen, die ganze Zeit am Handy sind oder sich mit ihren Nachbarn unterhalten, als wüssten sie, dass sie gar keine Rolle ausfüllen.

Dadurch ist die Stunde ziemlich monoton, monotoner als sie durch den Inhalt sowieso ist, muss ich leider sagen. Auch der Kurs ist ja ein Masterkurs, irgendwas mit anwendungsbezogener KI, aber ständig fallen Fachwörter, die mir nichts sagen und der Lehrer erklärt eher die mathematischen Funktionsweisen und Formeln hinter den Theorien als tatsächliche Anwendungsbeispiele zu geben. Auch Ihsan scheint abgelenkt und scrollt durch seine Insta-Storys. Nach einer halben Stunde gibt es schon Pause. Ihsan holt sich Koffein in Schwarzteeinkarnation, damit er irgendwie klarkommt. Dass er so viel müde sei, liegt seiner Vermutung nach nicht an der Hitze, sondern der harten Matratze und er nimmt sich vor, eine weichere zu kaufen. Bevor es weitergehen soll, muss ich noch kurz auf Toilette und bekomme vom Urinal aus einen wunderbaren Ausblick geliefert.

In Ferne gucken beim Pissen, das nenne ich Freiheitsgefühl
Auch das Treppenhaus liegt wie quasi alle Erschließungswege an der frischen Luft

Die 10 Minuten sind eigentlich längst vorbei, aber der Unterricht geht noch nicht weiter. Wir setzen uns wieder nach ganz vorne und Ihsan fragt den Lehrer (seinem Anblick nach berechtigterweise), ob er müde sei, und er bejaht. Zu viel Stress in der Uni, Vorbereitung auf andere Kurse, Forschungsprojekte und so weiter. Ich glaub, der Arme hat letzte Nacht noch weniger geschlafen als ich…

Draufhin vergehen ein paar Minuten, und dann kündigt er eine weitere Anschlusspause an, die nochmal 20 Minuten geht.

Während Ihsan und ich uns über unsere täglichen Schritte unterhalten, kommt er um den Tisch rum und fragt uns, worum es geht und steigt interessiert ein. Bezüglich meiner Schritte vom Wanderurlaub hat er auf einmal eine Menge Tipps für Taiwan, die ich mir abspeichere. Wir unterhalten uns zu dritt auch ausführlich über KIs, ich hatte zuvor mit Ihsan einige Gedanken, was die Verlässlichkeit von ChatGPT & Co. angeht. Grob gesagt: der Lehrer pflichtet Ihsan bei, dass KI definitiv kein Googleersatz, sondern viel mehr ein zusätzliches Instrument sein kann. Im Gegenteil übrigens zu Henry, der mir weismachen wollte, die Halluzinationen ließen sich dadurch ausbügeln, dass man der KI sage, sie solle ihre Antworten mehrfach selbst überprüfen. Aber Henry lebt eh in seiner eigenen Welt, ChatGPT ist für ihn nicht nur ein Rechercheersatz, sondern ein Lebensbegleiter geworden, mit dem er über alles spricht. Das höre ich immer wieder raus, er schickt mir nämlich immer noch fast täglich irgendeinen Krams. Seit gestern ist er wieder in Deutschland und beschwert sich bitterlich darüber, durchaus verständlich.

Die übrigen ca. 15 Studierenden stört es anscheinend auch gar nicht, dass der Unterricht seit fast einer Stunde pausiert ist. Sie sitzen an ihren Plätzen und daddeln an den Endgeräten. Eieiei, was ist das nur für ein Bildungssystem?

Weil die AC drückt, setzen Ihsan und ich uns noch für zehn Minuten auf eine Bank im Laubengang des 5th floors und genießen die Aussicht. Er hatte mir vorhin noch gesagt, wie schwierig das Connecten mit anderen Schülern ist, weil die nicht aus sich selbst herauskommen und Ihsan bisher ebenfalls nicht aus seiner Komfortzone wollte, was mich angesichts seiner Extrovertiertheit wundert. Vermutlich ist es bei ihm dann eher die Faulheit. Da setzt sich eine Asiate neben mir auf die Bank, dreht sich zu uns, zeigt auf uns, und fragt in schlechtem Englisch, „you also from Germany?“ Ich bejahe, und er spricht dann an Ihsan gewandt das Offensichtliche aus. „But you don’t look German.“ Ihsan: „Yes, because my parents are from Türkiye, but I grew up in Germany and went there to school and so.“ „So you outside are Turkey but inside Germany?“ „Yes, my roots are in Türkiye, but I am a full German.“ „And… so you speak some Germany word?“ „Yes, I grew up there!“ Ihsan wirkt viel ruhiger als ich es bin. Checkt der nicht, was Ihsan sagt? Der Typ stellt sich als Vietnamese vor, und zwei seiner Freunde tauchen auf. Der eine kann deutlich besser Englisch reden und erklärt es seinem Kumpel nochmal. Auf einmal will der keinen äußerlichen Unterschied mehr zwischen Ihsan und mir erkennen und bemerkt, „for me, you look the same“. Sein Freund erklärt ihm, dass das so ist, weil er selbst Asiate ist und für die Europäer sei es andersrum genauso. Die Vietnamesen sind interessiert, ob wir einen Unterscheid zwischen den asiatischen Ethnien sehen. Manche Indonesier und Vietnamesen kann ich tatsächlich schon von den Chinesen unterscheiden, aber mehr auch nicht. Erst als sie es sagen, fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass sie, die Vietnamesen, kein oberes Augenlid haben. Angeblich gibt es in ihrer Heimat Personen, die sich Schönheitsoperationen unterziehen, um obere Augenlider zu erhalten. Irgendwie traurig, dass das Schönheitsideal nicht der eigene genetische Pool der Nation ist. Sie können zudem fast gar nicht glauben, dass ich sage, zwischen Engländern, Franzosen und Deutschen sei oft kein äußerlicher Unterschied zu erkennen.

Wir gehen wieder rein und der Lehrer, der laut Ihsan bereits mit irgendwelchen Preisen ausgezeichnet wurde und echt krass sein soll, zwingt sich, die letzten Folien durchzugehen. So wie das hier der Standard ist, spricht er sein Seminar/seine Vorlesung in ein Mikrofon rein, was bei der kleinen Raumgröße wirklich surreal erscheint. Dabei steht er nicht mehr wie vorhin, sondern sitzt am Lehrerpult einen Meter vor uns, starrt auf den dort schräg angebrachten Bildschirm und klickt sich durch die Folien. Seine Augenlider klappen zu, während er spricht, teils über zehn Sekunden hinweg. Der geht auch mit no fucks given durch sein Leben. Nach höchstens zwanzig Minuten ist er durch und fragt, „Okay, that was it. Any questions, no? Okay then see you next week! Bye!“ Dass es in taiwanesischen Unis weder akademisches Klopfen noch Applaus gibt, macht mich mental irgendwie fertig. Stattdessen stehen alle sofort auf und gehen, ohne dem Professor in irgendeiner Weise den obligatorischen Respekt zu zollen. In meinem Kurs am Montag wurde ich sogar schon fürs Klopfen schräg angeschaut. Aber was soll’s, andere Länder, andere Sitten.

Müder Teacher schafft die Stunde nur im Sitzen zuende.

Auch wenn ich kaum etwas mitgenommen habe und der Stoff echt trocken erscheint, frage ich, ob ich nächste Woche nochmal kommen kann. Immerhin bin ich zu einer normalen Uhrzeit aufgestanden, habe neue Leute kennengelernt und sogar vom Lehrer Urlaubstipps bekommen. Die Chance, dass der Unterricht noch spannender wird, besteht außerdem. Der Lehrer scheint sich darüber sogar zu freuen. Bevor wir gehen, möchte er, was für eine verrückte Welt, noch ein Foto von sich mit Ihsan und mir machen und fragt, ob es okay ist, wenn er das postet. Klar. Eine Schülerin nimmt sein iPhone und macht ein paar Schnappschüsse, für die er extra seine Brille ablegt. Er schickt uns eins der Bilder per AirDrop und die Stunde ist vorbei.

Ein Foto mit den exchange students

Bis zur nächsten Stunde (Chinesisch) sind es noch einige Stunden, deshalb hänge ich mich für den Rest des Tags an Ihsan ran. Heute ist Freitag, also fahren wir mit YouBike zum Freitagsgebet der Moschee, die er hier regelmäßig besucht. Eigentlich sollte der Haupt-Muezzinruf um 11:15 Uhr stattfinden, aber diese Moschee veranstaltet ihn eine Stunde später. Wir setzen uns kurz rein, nachdem wir auf Socken leise reingeschlichen sind und haben dann noch eine Menge Zeit, wofür wir wieder rausgehen.

Zwischen den Bäumen versteckte Rückseite der Moschee
Vor dem Muezzinruf

Ihsan erzählt mir (auf Nachfragen) eine Menge über seine Religion und die Bräuche, die er zelebriert. Während Ramadan trinkt er tagsüber nicht einmal Wasser, seinen streng eingeschränkten Fleischkonsum hatte ich ja schon einmal erwähnt und er spricht über weitere Gebote wie dass Muslime z.B. keine Zinsen erheben sollen. Für ihn ist die Moschee ein Safe Space, an den er auch gehen kann, wenn er Langeweile hat oder sich alleine fühlt. Hier hat er schon einige Menschen kennengelernt, auch Türken, wie ich an den vielen Grüßen erkenne, die er mit anderen Besuchern austauscht. Er schaue sich dann beim Gebet einfach mal um, und spreche Leute an, die so aussehen würden, als ob er sich gut mit ihnen verstehen würde. Sogar einen Professor von sich und Sebastian trifft er. Mir fällt auf, dass die meisten wirklich äußerst nett und rücksichtsvoll ihren Mitmenschen gegenüber sind, man grüßt sich freundlich, hält sich die Tür auf und die Grundstimmung ist einfach erkennbar positiv. Mir ist vieles an der Religion suspekt, nicht zuletzt die strengen Regeln über die weltlichen Dinge wie Alkohol, Geschlechtertrennung und -rollen in Moschee und Familie, Enthaltsamkeit oder Fleischverzehr; aber diesem Gemeinschaftsgefühl und auch den vielen positiven Werten, die man sich gegenseitig vermittelt (wie bspw. das mit den Zinsen, die große Wertschätzung für die Familie, Freundlichkeit usw.), kann ich schon etwas abgewinnen. Ihsan lebt für mein Gefühl zwar relativ streng nach dem Koran, wie andere Muslime diesen auslegen, interessiert ihn aber nicht, das sei deren Gewissensvereinbarung. Sehr interessant.

Vor dem Gebet müssen die Muslime sich waschen, die Moschee hat dafür extra einen großen Bereich mit Waschbecken, Duschen und Bidets. Laut Ihsan ist es Pflicht, dreimal das Gesicht, die Arme bis zu den Ellenbogen und die Füße zu waschen, wofür er sich verrenkt und die Füße nacheinander unter den Wasserhahn hält (der u.a. genau dafür da ist), sowie einen Spritzer auf den Kopf zu geben. Bis auf die Füße mache ich es ihm nach, was Freude auszulösen scheint. Einen kalten Schlag Wasser ins Gesicht habe ich sowieso gebraucht und ich muss ihm Recht geben, der Islam legt wirklich viel Wert auf Hygiene, sehr sympathisch. Erklärt vielleicht auch, warum Ihsan sich so sehr vor den Mäusen geekelt hat. Wenn man vorher gepupst hat, ist man übrigens auch unrein, weshalb er sich für gewöhnlich damit bis nach dem Gebet zurückhält, sofern er denn muss. Andernfalls müsste er sich vorher noch einmal waschen. Der Prophet (Mohammed) habe sich sogar noch intensiver, etwa die Ohren mehrfach ausgewaschen. Ich solle mal beim Duschen hinter mein Ohr fassen, angeblich sammelt sich dort viel Fett.

Ein junger, großer Europäer mit arabischen Gesichtszügen findet uns und stellt sich mir als Kaan vor. Er ist einer der zwei verbleibenden deutschen Austauschstudenten an der Uni, kommt aus München (mit Wurzeln in der Türkei) und studiert auch irgendwas mit Managment und Finanzen, sodass er Kurse mit Sebastian und Ihsan hat. Ich verneine, dass ich zum Beten gekommen sei, aber er freut sich sehr, dass ich mir das Ganze mal anschauen möchte. Kurz vor 12:15 Uhr füllt sich der Gebetsraum, die Gläubigen stellen sich in vielen Reihen hintereinander auf. Mitbeten darf ich wohl nicht, aber selbst wenn, hätte ich mich als Außenstehender bestimmt nicht wohlgefühlt. Selbst ganz hinten im Raum weiß ich nicht ganz, wie ich mich verhalten und ob ich zusammen mit den Betenden aufstehen und wieder hinsetzen soll. Fotos machen ist wohl kein Problem, komisch fühle ich mich dabei trotzdem.

Voller Raum zum Freitagsgebet

Zwischen den Phrasen des Geistlichen Taiwanesen ist es total still, nur ein kleines Kind und tatsächlich mehrere Rülpser des Predigers sind zu vernehmen. Etwa fünf Minuten dauert die Predigt, danach leert sich der Raum ganz schnell.

Die Uniformität ist besonders beeindruckend

Ihsan und Kaan bleiben ein wenig länger und beten noch, wobei sie abwechselnd stehen und sich auf dem Teppich nach vorne verneigen. Danach gehen wir gemeinsam raus, die beiden grüßen einige Freunde und wir verabschieden uns von Kaan.

Für Ihsan und mich geht’s wieder mit dem YouBike durch die Stadt, er muss noch seinen Studentenausweis abholen. Die Fahrt durch die wilden Straßen erinnert mich stark an die paar Tage Paris, die ich Ende April diesen Jahres hatte. Dort hatten wir auch immer die öffentlichen Fahrräder benutzt, statt ÖPNV zu fahren, und diese Erfahrung ist so stark in meinem Gedächtnis geblieben, weil man im Flow des Berufsverkehrs so viel Stadtidentität gesehen hat. Genauso ist es hier in Kaohsiung und am besten ist, dass ich mit meinem neuen Studi-Ausweis die YouBikes die ersten 30 Minuten gratis nutzen kann.

Cruisen durch die Gassen

Die Suche nach etwas Essbarem treibt uns dann schon in Richtung Nanzih, wo später der Chinesischkurs ist. Problematisch sind mal wieder die kruden Öffnungszeiten der meisten Restaurants, die eine ganz unangenehme Mittagspause vollziehen und teilweise erst gegen 17 Uhr wieder öffnen. Diese Tatsache führt uns in den 7/11 vor den Campustoren und bringt uns zwei Fertiggerichte ein, die wir im kühlenden Schatten der Palmen zu uns nehmen.

Dringendes verspätetes Mittagessen

Der Sprachkurs ist mittlerweile auf einem Niveau angekommen, an dem ich merke, dass meine Mühen nicht nur aus Motivation, sondern auch Notwendigkeit heraus passieren müssen. Die Lehrerin spricht bewusst schnelle Sätze mit allen möglichen neuen Vokabeln und frisch gelernten Anwendungen, da fällt es schwer, mitzuhalten. Ihsan, der vermutlich kein einziges Mal in die Vokabelliste geschaut hat, ist quasi direkt raus und hängt die Stunde über nur in seinem Stuhl.

Wir lernen heute einige Vokabeln für den Night Market, mit besonderem Fokus auf Fleisch. Ich kann jetzt fragen, wer welche Art von Fleisch isst und ob ich entsprechend nicht für alle bestellen sollte. Auch die Trinkvokabeln für Limo, aber vor allem Kaffee und Tee bekommen wir. Boah, so langsam geht das Klotzen richtig los, ich sehe eine Menge Arbeit auf mich zukommen.

Die Lehrerin zeigt uns, was wir nächsten Montag (Feiertag der Lehrer respektive Geburtstag des Konfuzius) unseren Lehrern per Line wünschen dürfen
Ein neues Minigame darf nicht fehlen: „Character-Bingo“

Sascha hat bezüglich des gestrigen Abends in der Deutschen Küche noch interessante Details. Der Stammtisch von einigen Deutschen, der von André und Ingo erwähnt wurde, findet wohl nicht mehr so statt. Es gab in der Gruppe wohl von Anfang an eine Absprache, nicht über Politik zu reden, die anscheinend irgendwann gebrochen wurde. Aus diesem Zwist gingen zwei Gruppen hervor, eine mit AfD-Sympathisanten und eine mit eindeutigen Ablehnern der Partei. Sascha bemerkt zu Recht: Warum trifft man sich überhaupt miteinander, wenn man schon Sprachverbote einrichten muss, weil man die anderen so schwer ertragen kann? Und zweitens: Gerade als dauerhaft im Ausland lebende Deutsche sollte die deutsche Politik doch vielleicht etwas weiter in die Ferne rücken? Das jedenfalls könnte auch ein Grund sein, warum André so sehr auf der Suche nach neuen Freunden ist. Sascha bekommt das voll und ganz ab: Als Lehrerkollegen verbringen die beiden schon aus beruflichen Gründen auch mal die Pausen miteinander. André ist genauso wie Sascha neu an der Uni, benimmt sich aber laut ihm wie ein Mentor gegenüber seinem Padawan. Sascha hat schon eigens für ihn ausgedruckte Listen mit Namen von allen möglichen Kontaktpersonen erhalten, inklusive Sebastian und mir, anscheinend, um sie sich besser merken zu können. Das ist aber wohl eher ein Problem Andrés, der Sascha fragen musste, ob er überhaupt mit Sebastian oder mir schreibt, denn er sehe ja nur die Profilbilder in klein und unsere Nummern statt den Namen… Dass Sascha jetzt schon langsam die Schnauze voll hat, ist etwas, das mit breitem Grinsen aufnehmen, und sowieso schon herausgehört haben. Ein Detail an Sascha fällt mir noch auf: Aus Rumspinnerei schwadroniere ich, dass ich letzte Woche mit André im Technoclub feiern war. Die (für mich) offensichtliche Ironie greift aber nicht, ich muss den Joke klarstellen.

Anschließend gehen wir mal nicht auf den Ruifeng-, sondern auch den Liuhe Night Market an der Formosa Boulevard Station. Dort sieht man viele Europäer, mehrheitlich Austauschstudierende der NSYSU, wie ich vermute. Ich probiere zum ersten Mal Krabben, vorerst die ganz kleinen, denn die großen sehen schon gut lebendig aus mit ihren Scheren und so. Tatsächlich sind die das billigste Seafood, eine kleine Box kostet nur 60$TD (1,70€). Sie schmecken mir so gut, ich hole mir einen Stand weiter gleich die nächste Box.

First time Krabben

Kaan hatte uns eigentlich noch zu einer Feier auf Cijin Island eingeladen, ich muss aber nicht nur wegen dem letzten Bus nach Hause, sondern auch, um Schlaf nachzuholen. Gerade weil wir morgen eine fette Kennenlernparty aller Internationals haben werden und die Nacht auf Sonntag auch kurz werden könnte.

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