Am Eingang des Dorms ist die Tür, die ich normalerweise nutze, mit einem Absperrband versehen. Die andere Tür, für die ich normalerweise zu faul bin, weil man dafür den Studentenausweis an ein Lesegerät halten muss (auch wenn sie näher liegt), wird stattdessen benutzt. Auf einem Stuhl draußen liegt ein kleines Megafon, das alle paar Sekunden dieselbe Ansage auf Chinesisch verlautet. Vermutlich hat es irgendwas mit den Zugangsvorschriften für das Gebäude zu tun (es dürfen ja keine Nichtstudenten und auch keine Studenten des anderen Geschlechts eintreten).
Für ein frühes Mittagessen gehe ich um kurz nach zwölf in die große Mensa, da Ashley mich gefragt hat, ob ich wieder mit ihr und ihren Freunden essen möchte. Diesmal sind zwei neue dabei, neben Lilly von letzter Woche ein Pärchen namens Luke und Catherine. Luke hat viele Fragen an mich, traut sich aber nicht so richtig, Englisch zu sprechen und übermittelt daher immer an Catherine oder Ashley. Nach und nach kommt er aber in den Gesprächsfluss und sagt sogar ein paar Phrasen auf Deutsch, die er kennt.
Die ganze Gruppe scheint wie viele hier ganz vernarrt in so einen Online-Test zu sein, der deine Persönlichkeit bestimmt, also angibt, ob man introvertiert oder extrovertiert ist usw. Mehr oder weniger werde ich zu einer Zusage gedrungen, den zuhause einmal durchzuklicken. Na gut, im schlimmsten Fall wirds langweilig.
Lilly, die letzte Woche noch von Problemen mit ihrem „future boyfriend“ gesprochen hatte, ist jetzt mit ihm zusammen, so schnell kann’s gehen. Das führt Ashley zur Frage, ob es wichtig ist, in Beziehungen das Datum des Zusammenkommens zu kennen, jeder muss antworten. Lilly ist es egal, Luke und Catherine befürworten es; ich sage diplomatisch, dass es ganz davon abhängt, wie die Partner es sehen. Catherine fragt Ashley nach ihrem entsprechenden Datum. Sie gibt demonstrativ von sich, das „anniversary date“ von ihrem Ex habe sie schon längst vergessen. Ich werde gefragt, ob ich in einer Beziehung bin, was ich verneine. Es wäre andernfalls immerhin unwahrscheinlicher, dass ich hier sitze. Über die Runde hinweg wird immer wieder Chinesisch gesprochen, dabei viel gelacht und auf Ashley gezeigt. Ich bekomme ein ungutes Gefühl, ich finde sie ja nett und freue mich, mit Taiwanesen zu chillen, aber das reicht mir in dem Fall auch. Ich lasse mir noch Tipps für Reisen in Taiwan geben. Größtenteils kenne ich die Ziele schon, abgesehen von einem Nationalfest am 10. Oktober, an dem die Unabhängigkeit gefeiert wird. Luke und Catherine fragen mich, ob ich heute Abend mit ihnen ein Baseball-Spiel (für 300$TD, 9€) sehen möchte, was ich dankend ablehne. Heute Abend will ich erstmal den Rest der Leichtathletikgruppe kennenlernen, auch wenn mich der Muskelkater von Montag noch so sehr knechtet, dass ich nicht viel werde machen können.
Die anderen müssen zum Unterricht und ich setze mich wie letzte Woche in das höchste Geschoss der Bibliothek, diesmal direkt an ein Fenster mit wunderschönem weitem Ausblick. Ich lese erst ein bisschen Zeitung und schließe kurz die Augen, dann zwinge ich mich, ein paar Chinesisch-Vokabeln zu lernen.

Den ganzen Tag fühle ich mich schon leicht schlapp, das kickt gerade voll rein. Obwohl ich mehr als genug Schlaf hatte, kann ich mich für wenig motivieren. Vielleicht bin ich einfach nur dehydriert, oder mir fehlt eine konkrete Aufgabe. Schwierig, ohne Kurse tagsüber.
Auf dem Weg ins Dorm treffe ich Hansen, den netten Indonesier, der es neulich geschafft hat, meinen Blog zu übersetzen. Er ist von seinen Kursen komplett fertig und will nur noch in sein Zimmer zum Chillen. Auch in der Cafeteria (wo ich mir sicherheitshalber ein Abendessen für später hole), sehe ich eins der indonesischen Mädchen. Sie ist ebenfalls ziemlich durch und frustriert vom Unialltag. Da habe ich ja echte Luxusprobleme. Tauschen wollen würde ich jedenfalls nicht!
Anscheinend findet heute eines der Events statt, für die ich mich letztens mit Ihsan habe überreden lassen, teilzunehmen. Schon am Morgen wird eine meiner vielen mysteriösen Line-Gruppen mit Schriftzeichen zugespammt. Ein bisschen wie ein Rentner komme ich mir vor, in ähnlichem Maße habe ich die Kontrolle über mein Handy (jedenfalls über meine Chats auf Line) verloren. Meine Apple-Version der App hat blöderweise auch keine Übersetzungsfunktion, dahingehend habe ich bereits alles ausgetestet und auch ChatGPT gefragt. Immerhin kann ich einen selbst erstellten Kurzbefehl nutzen, bei dem ich die Nachricht erst versenden muss, und dann statt einer App „Übersetzen“ auswähle. Bei zehn neuen Nachrichten in einer Stunde kommt die Methode aber auch an ihre Grenzen, deshalb bleibe ich lieber uninformiert als verschwenderisch mit meiner Lebenszeit. Dass diese Gruppe von heute aber mit mir zu tun hat, bekomme ich spätestens mit, nachdem am Morgen innerhalb einer Viertelstunde vier Anrufe eingegangen sind. Da lag ich noch im Bett, jetzt, am Nachmittag, kommen nochmal zwei bis drei plus eine SMS, dass ich mich ja angemeldet habe und ob alles klappt. Mein Gott, denke ich mir, da haben sich Dutzende angemeldet, unverbindlich, muss man da jedem hinterhertelefonieren? Die wissen ja auch dass wir damals von Stand zu Stand sind und uns für alles Mögliche haben überreden lassen. Jedenfalls bin ich auch deshalb nicht ans Telefon gegangen, weil mein Mobilfunkvertrag zumindest telefonisch begrenzt zu sein scheint, ich habe schon mehrfach die Nachricht bekommen, dass mein Telefonierguthaben fast aufgebraucht ist. Wie ich es auflade, habe ich nicht rausgefunden und hohe Gebühren will ich möglichst vermeiden. Ihsan hat sich übrigens krankgemeldet, ich ignoriere das Ganze erstmal. Er will sich heute Abend dafür mit irgendwelchen Leuten und evtl. mit Sidd treffen, hat mich gefragt, ob ich auch dabei bin.
Weil ich so müde bin, wäre ich fast nirgendwo hingegangen, aber letztlich treffe ich die einzig richtige Entscheidung und gehe nochmal zum Training. Mit YouBike zum Nanzih-Campus, 25 Minuten Fahrt durch den äußerst wilden Abendverkehr; viele schreiben auf Chinesisch, wenn sie zu spät oder gar nicht kommen, also kündige ich meine fünf Minuten Verspätung auch lieber an (auf Englisch).
Zum Glück hat aber noch niemand begonnen. Die Gruppe trifft sich heute (17:30 Uhr) auf der anderen Seite des Feldes, Ray holt mich in meiner Verwirrung ab und bringt mich zum Treffpunkt. An drei großen Fahnenmasten vor dem „Gymnasium“ lagern neben vielen Taschen auch ihre Inhaber, fast alle in schwarz gekleidet (diesen Dresscode halte ich auch ein). Größtenteils tragen sie Sport-Merch von der Uni. Etwa 15 Leute, schätze ich, davon zwei Mädchen, der Rest Jungs. Die Mädels sitzen genau in der Mitte, und als ich da bin und mich niemand direkt anspricht oder auf mich zukommt (die beiden Mädchen drehen sich sogar zur Seite, als wäre die Situation total peinlich), sage ich in die Runde herein „Hi, I am Leo“. Die eine schaut dann immerhin wieder und stellt sich als Momo vor. Das war’s aber auch, ich stelle meinen Beutel an die Seite und warte ab. Ich bin schon darauf gefasst, dass alle Chinesisch reden, und genauso ist es. Ein Typ reicht mir kurz die Hand, dann geht es zum Glück auch schon los.
Ein paar Runden schweigendes Einlaufen an der Seite von Ray. Ich schaue immer mal kurz zu Momo in der Hoffnung auf eine Konversation, aber schon Blickkontakt vermeidet sie. In der direkt anschließenden Trinkpause (auch als es dämmert, sind es bestimmt noch über 30 Grad) trifft sich mein Blick mit einem Jungen, der direkt rüberkommt und sich vorstellt. Byran heißt er (zumindest sein englischer Name) und nicht nur weil er es sagt, erkenne ich, dass er im Ausland war. Sein Englisch ist bestimmt eines der besten hier; sehr angenehm, jemanden zu haben, mit dem ich ein paar Sätze austauschen kann. Er war letztes Jahr sechs Monate in Wien zum Austausch und hat in seiner Zeit dort 16 europäische Länder besucht (die Kurse extra auf Mittwoch bis Freitag gelegt, sodass er jedes Mal ein verlängertes Wochenende zum Verreisen hatte). In Deutschland hat er das Oktoberfest und den Königssee besucht, wovon er schwärmt.
Der Trainer Edward ist mittlerweile auch angekommen, ein netter Onkel mit einigen Kilos zu viel, wie so viele Trainer, in Berlin ist das ja nicht anders. Durch sein hellgrünes Shirt sticht er aus der schwarzen Masse total raus, ob das Absicht ist? Er drückt mir kurz die Hand und scheint sich über meine Anwesenheit zu freuen, eine gute Sache. Sein Englisch reicht aus, um zu verstehen, dass ich noch ziemliche Schmerzen in den Beinen habe, der Muskelkater von Montag. Normalerweise bin ich solche Trainings ja gewohnt, aber die knapp sechs Wochen Pause habe ich doch sehr unterschätzt. Abgesehen davon, dass ich die letzten drei Tage keinen Schritt ohne Wadenstich tun konnte, habe ich schon auf dem Hinweg die aufziehenden Krämpfe gespürt. Zum letzten so gefühlt wie jetzt habe ich mich in der neunten Klasse, als ich von jetzt auf gleich in das Leistungstraining der LG Süd Berlin eingestiegen bin und nach drei oder vier Trainings innerhalb einer Woche auf der Tartanbahn zusammengebrochen bin, weil meine Beine das nicht bedingungslos mitmachen wollten. Ich verfluche mich selber dafür, dass ich mein Magnesium im Zimmer gelassen habe, denn ohne wirds heute ganz schwierig. Drei Leute inklusive Trainer haben auf Nachfrage keines dabei, also muss ich mit meinem Blackroll-Duoball auskommen, mit dem ich wenigstens etwas massieren kann.
Wir bilden einen Dehnkreis und machen ähnliche Übungen wie am Montag. So ganz einverstanden bin ich damit nicht, ein paar Bereiche kommen mir zu kurz und außerdem halten die meiner Meinung nach viel zu lange in den einzelnen Positionen. Statisches Dehnen sehe ich eher am Ende des Trainings, also wippe ich in den Dehnposen jeweils vor- und zurück. Ansonsten ist das Training aber tausend Mal professioneller aufgestellt als meins in Berlin, was wirklich kein Kunstwerk ist. Es gibt einen großen Ordner, auf den ich verwiesen werde, als ich nach dem heutigen Programm frage. Ein paar Leute schauen gemeinsam rein, alles auf Chinesisch, aber wir machen sowieso alles zusammen. Wieder das hiesige Lauf-ABC, dann zwei Steigerungen, bei denen mein Oberschenkel schon quasi dicht macht. Der Coach hat Verständnis und sagt, „better slow“. Schlecht für mein Ego (gerade beim ersten Training in großer Gruppe würde ich gerne zeigen, was ich kann), aber gut für meine Gesundheit. Mit Verletzungen hatte ich in den letzten zwei Jahren schließlich genug Erfahrungen.
Als Nächstes stellen wir Hürden für Koordinationsübungen auf. Beim Rübertragen frage ich Momo und einen Jungen etwas zu den Hürden, bekomme aber kaum eine Antwort. Die Übungen selber machen Spaß, koordinativ kann ich easy mithalten und meine Beine machen alles mit. Danach sollen wir mehrfach im 3-Schritt- bzw. 5-Schritt-Rhythmus über mehrere Hürden gehen. Das habe ich vor Corona das letzte Mal gemacht und entsprechend gut klappt es, aber es macht Spaß und erinnert mich an die ganz alten Zeiten, als ich wie diese Gruppe hier auch noch für Zehnkampf trainiert habe.
In der Pause gibt es palettenweise isotonische Sportgetränke (in denen hoffentlich Magnesium ist) und mutmaßliche Proteinriegel, alles von Edward, dem Trainer gestellt. Byran erzählt mir, dass die Riegel, die übrigens steinhart sind (aber absichtlich, vermutlich damit die Schokolade nicht so schnell schmilzt), für ihn eine nostalgische Kindheitserinnerung sind. So wie es für meine Eltern vielleicht Raider gewesen ist.

Eine Toilette findet sich im angrenzenden Haus. Im Untergeschoss muss ich durch den Laubengang eines riesigen Schwimmbeckens, um dorthin zu gelangen.

Edward spricht mich auf den Stabhochsprung an. Dass ungefähr 4,20m mein Bestes sei (eigentlich 4,15m, aber das wird oft schnell als 4,50m verstanden), findet er klasse und zeigt den hier -> 👌. Byrans PB liegt bei etwa 3,20m, zum Glück, sonst wäre ich für das Team bestimmt unterqualifiziert (wäre bestimmt lustig geworden, wenn ich mit Stabhochsprung als Steckenpferd ankomme, alle bewundernd fragen und am Ende gleich hoch oder höher springen). Ich habe schon gehört, dass freitags Stab stattfinden soll, und Edward fragt mich, ob ich teilnehmen werde. Morgen noch nicht, das muss ich erst mit meiner Chinesischlehrerin absprechen, aber ich hätte Lust! Ray meinte letztens, dass es am anderen Ende der Stadt ist, aber Edward spricht irgendwie von hier vor Ort. Eine Anlage sehe ich nicht, aber er meint, sie stellen einfach eine normale Hochsprungsanlage an den Einstichkasten. Heilige Scheisse, in dem Fall bin ich vielleicht doch raus. Aber er meint auch, bis drei Meter Höhe geht das, mehr nicht. Stolz wird mir außerdem ein einzelner Stab präsentiert, den er aus irgendeinem Lager rausgekramt hat. Ich schätze ihn auf maximal 4,30m, 150 LBS. Das könnte funktionieren, aber definitiv nicht für mehr als acht Schritte, eher weniger. Naja, ich schaue einfach mal, was nächste Woche auf mich zukommt, so wie immer.
Die letzten Programmpunkte sind viele Starts aus dem Startblock, auch etwas, von dem ich vergessen hatte, dass ich es vermisse. Bestimmt acht Mal darf jeder ran, auf Kommando wie im Wettkampf starten und dabei nimmt immer jemand ein Video auf. Ich finde richtig cool, dass alles dokumentiert wird, nicht nur als Neu-Blogschreiber, sondern einfach für den Lerneffekt vom Training. Davon hätte ich gerne mehr in Berlin. Klar, die Chatgruppe wird von den Videos geradezu überflutet, aber dafür ist sie ja auch da. Die Starts machen Spaß, aber ich merke schnell, dass mehr als meine Reaktionszeit testen nicht drin ist. Genauso der abschließende 200m-Lauf, den lasse ich ohne zu zögern aus.
Der Junge, der die Starts abgibt, heißt Ryan. Er spricht auch Englisch, kommt von der NSYSU, der Uni mit den vielen Internationals. Mir gibt er Gay-Vibes, aber vielleicht täusche ich mich auch. Jedenfalls redet er viel, mit starkem Akzent, und erklärt mir ein paar Dinge, die die anderen sagen. Ryan wundert sich, als er Zigarettenrauch vernimmt, der mir gar nicht aufgefallen ist. Dass in Deutschland mein Trainer am Spielfeldrand raucht, scheint hier komplett undenkbar zu sein. Generell ist Rauchen an vielen Stellen, am Unicampus aber generell verboten.
Während die Gruppe ihr restlicher Training absolviert, stehe ich zwar nebenbei, kann aber mit niemandem richtig reden. Trotz mehrerer Ansprechversuche, die vermutlich am Englisch der anderen scheitern. Etwas ab vom Schuss fühle ich mich da schon, ich probiere ja schon mein Bestes… Im Stadion sind mittlerweile viele andere; eine Inderin, die ich vom BBQ kenne, winkt mir aus der Ferne zu und ich sehe einen Frisbeekurs, der einen bestimmten Wurf übt. Wie cool! Auf der Tribüne mit dem coolen Dach übt ein Hobby-Blasorchester freiluftmäßig eine Aufführung. Den „Hobby“-Zusatz erkennt man auch als Laie sofort, wirklich professionell klingt das nicht.

Mit Byran, der die 200m wegen einer Leistenverletzung nicht mitmachen kann, mache ich mit meiner mitgebrachten Frisbee ein paar Würfe. Dass er entsprechende Kurse in „high school“ belegt hat, beweist seine Wurftechnik. Ein Taiwanese stößt dazu, er ist schnell frustriert von seinen schlechten Würfen und flucht und macht absurde Bewegungen, was aber sehr lustig ist.
Zum Schluss will der Trainer, dass ich für alle auf Deutsch bis zehn zähle. Mache ich gerne, die Runde spricht es mir nach. Für einzelne Wörter bekomme ich Fragen, wie sie genau ausgesprochen werden. Außerdem werden mir chinesische Sätze beigebracht. Ich lerne, wie ich „Ich will alles haben!“ und „Ich habe Hunger!“ sagen kann. Außerdem einen Satz, der fast nur Lachen auslöst. Edward gibt am Ende noch Mondkuchen aus, vermutlich anlässlich des Mondfests nächsten Montag. Dann ist es aber wirklich vorbei.

Es scheint normal, dass zumindest ein Teil der Gruppe nach dem Training essen geht. Schließlich haben die meisten Leute auch keine Küche zuhause und müssten andernfalls etwas bestellen. Einige verabschieden sich (auch die wort- und blickscheuen Kolleginnen und Kollegen verabschieden sich interessanterweise aufrichtig und mit Lächeln), dann geht eine Art Kerntruppe von 7-8 Leuten los. Byran nimmt mich in seinem Auto mit, und wir fahren ein paar Minuten, bis wir neben einem Motorradhändler ein dunkles Treppenhaus hinauflaufen.

Das Restaurant bietet die berühmten Hot Pods an, an jedem Tisch befindet sich so eine Vorrichtung mit Gasschalter am Tischrand. In der Mitte des Ladens steht eine Foodinsel, die komplett all you can eat/drink ist. Hauptsächlich Getränke, aber auch unbegrenzt Speiseeis, Reis, Gewürzpasten und Instant-Nudeln für das Restwasser im Hot Pod stehen bereit. Das reinste Paradies, aus Deutschland kennt man sowas ja eher weniger. Der billigste Hot Pod kostet nur um die 150$TD (4,30€), ein richtiges Schnäppchen. Dazu ist der Laden total leer, angeblich gibt es sehr viele ähnliche Orte, sagt Byran.
Das Abendessen läuft deutlich smoother ab als am Montag. Weil Byran, Ryan und Ray Englisch können, übersetzen sie alles, was nötig ist. Von den ersten beiden lasse ich mich informieren über verschiedenste Taiwan-Themen: Erdbeben, Taifune (von denen bestimmt noch einer kommt diesen Herbst), die öffentlichen Verkehrsmittel, Taipei (wo Ryan herkommt) und die klimatischen Unterschiede im Land (den nordischen „Winter“ mit 12 bis 15 Grad beschreibt Ryan als unfassbar kalt, auch weil die extreme Luftfeuchtigkeit die Temperaturen niedriger wirken lässt). Von meiner geplanten Fahrradtour um die Insel sind sie zwar begeistert, aber sie warnen mich auch vor besonders gefährlichen Abschnitten an der Ostküste; ich solle lieber nicht alleine fahren, auch wegen Kommunikationsproblemen in Krankenhäusern, sollte man im Ernstfall darauf angewiesen sein.
In nächster Zeit gibt es wohl viele Feiertage, da lohnen sich längere Ausflüge besonders. Byran bietet sogar an, mich bei Gelegenheit einmal nach Tainan mit dem Auto zu fahren. Das Essen dort soll außerordentlich gut schmecken. Weil er keine Kurse belegt und unter der Woche nur arbeiten muss, hat er an den Wochenenden im Gegensatz zu den meisten anderen Taiwanesen auch frei. Ryan ist mit seinem Startup, das Software für das automatische Ergebniserfassen von Bogenschieß- oder Leichtathletikwettbewerben entwickelt, viel beschäftigt.

Von Byran werde ich vor die Haustür gebracht. Eventuell können wir Tainan dieses Wochenende machen, nachdem Sidd seine Reisepläne wegen hoher Arbeitslast am Wochenende canceln musste.
Brian hatte mir heute bzgl. eines Wanderclubs geschrieben, der zweimal die Woche abends joggen geht. Ob ich da mal teilnehmen will? Ja bestimmt, einmal vorbeischauen ist bestimmt gut, aber eher wannanders. So langsam bekomme ich die volle Breite des Club-Angebots ab, es gibt so viele Möglichkeiten. Der Frau, die mich heute mit Anrufen penetriert hat, schreibe ich übrigens auch noch und entschuldige mich mit einer Notlüge, dass ich mich nicht gemeldet hatte. Nicht, dass sie am Ende die Polizei verständigt, weil sie denkt, mir wäre etwas passiert.
Mein To-Go-Abendessen aus der Cafeteria esse ich nachts um 2 Uhr im Gemeinschaftsraum, in unserem Zimmer hätte ich mich nicht mehr getraut, die Box mit dem Geruch zu öffnen.
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