Noch bevor mich mein Wecker um neun Uhr wecken kann, tut es tatsächlich Skys Schnarchen. Ich kann nicht sicher sagen, ob ich es mir einbilde, aber das muss doch schlimmer geworden sein! Das grunzende Geräusch ist m.E. viel lauter und störender als zu Anfang des Semesters, jedenfalls nervt es mich tierisch. Ich benutze Hasans alten Trick und tippe den Störenfried leicht an, damit er kurzzeitig aufhört, nur um fünf Minuten später wieder von vorne zu starten. Beim dritten Antippen schreckt er kurz hoch und sieht mich an, fängt nach erstaunlich kurzer Zeit aber wieder komplett von vorne an. So kann man doch nicht als 18-jähriger klingen, ist das wirklich normal? Dylan und Darren schlafen selbst noch, außerdem sind sie damals ja auch mit dem Endgegner James klargekommen.
Weil die Cafeteria sonntags kein Frühstück ausliefert (also nicht ausgibt), spare ich es mir und warte bis zum Mittagessen. Sky wacht erst gegen zwölf auf und fängt an zu kochen. Obwohl bald die harten (und für ihn definitiv nicht selbstverständlich zu bestehenden) Prüfungen anstehen, macht er sich, wie Hasan es schön auf den Punkt gebracht hat, einen indonesischen Tag. Sprich Kopfhörer rein, kochen, sich ins Bett fläzen, Reels scrollen und ab und zu ein Lebenszeichen von sich geben, indem er sich vor Lachen rund kugelt. Nicht dass ich besser wäre, weiter als bis zur Essenstheke verlasse ich den Gebäudekomplex auch nicht. Immerhin spüre ich dabei massiven Muskelkater in meinen Oberschenkeln, der sich gestern noch gar nicht gezeigt hatte. Wenn ich bestimmte Gym-Sessions außen vor lasse, ist das bestimmt einer der härtesten posthumen Muskelschmerzen, die ich jemals fühlen durfte.
Eigentlich wollte ich heute mit Dylan und Sky unser gemeinsames Foto machen, aber die beiden haben es irgendwie vercheckt. „Today??“ fragen sie ganz erstaunt. Also planen wir es lieber für nächste Woche und versuchen schonmal, den Ort zu entscheiden. Ich bin immer noch für Strand, aber Dylan stellt sich bei großen Entfernungen quer. Statt dem in knapp 50 Minuten mit YouBike erreichbaren Strand im Westen von Nanzih wird nur Cijin Beach akzeptiert, weil das mit angenehmeren Transportmitteln erreichbar ist: etwa anderthalb Stunden mit kostenpflichtiger MRT. Ein interessantes Detail fällt mir bei der Suche in Google Maps auf: Die ziemlich große Baustellenregion nördlich des First Campus in Form eines Viertelkreises, die in der Satellitenansicht zu Beginn meiner Zeit hier immer sehr gelb war, hat sich in Teilen grün gefärbt und sticht längst nicht mehr so hervor wie damals. Ich weiß, dass dort u.a. Regierungsbauten entstehen, scheinbar tut sich also etwas. Währenddessen stehen die Hochhausbaustellen neben dem BBQ-Gelände (wo wir Ende September mit dem OIA waren) genauso still und in wehende Gerüste geweiht, wie sie das seit jeher tun.
Tagsüber wechsle ich mich ab mit dem Nachholen der Blogeinträge vom Wandern (was ich dort wegen Akkuknappheit nicht tun konnte) zu diversen Synthwave-Sets und dem Schauen von sehr interessanten Videos über Technik und Wirtschaft, während mein Handy lädt.

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