臺北 Taipei -> 淡水 Tamsui
Da ich mein Fahrrad erst ab 11 Uhr abholen kann, muss ich die Route ganz anders planen, als ich es wahrscheinlich in den nächsten Tagen tun werde. Schließlich habe ich zum Ausleihzeitpunkt bereits gute viereinhalb Stunden Tageslicht hinter mir und am ersten Tag schon im Dunkeln fahren? Ich weiß ja nicht. Ich berechne definitiv Zeit fürs Packen der Fahrradtaschen ein und auch Pausen wollen gemacht werden, also komme ich voraussichtlich nicht weiter als bis Tamsui, das eigentlich noch zu Neu-Taipei gehört. Die erste Route führt um die Insel-Nordspitze herum, wo ich nicht nur den nördlichsten Punkt Taiwans, sondern auch schöne Küstenlandschaft mitnehmen möchte.
Soweit der Plan, so gut. Oder: „So far, so good“, wie ein Junge aus Bogenschießen immer gesagt und laut gelacht hat. So als ob es nicht weiter als bis zum jetzigen Punkt gehen würde. Jedenfalls gehe ich in Thermoklamotten aus dem Haus, plus die Tüte mit all meinem Hab und Gut. In einem 7/11 frühstücke ich und schlage die Zeit tot, denn um meine restlichen Erledigungen zu absolvieren, ist es leider noch zu früh.

Vor dem „Nanjing GIANT Store“ zähle ich die Sekunden, bis die Rolläden hochgefahren werden. Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht, die Motivation hat mich gepackt.

Eine Minute nach elf drückt der Betreiber die entsprechenden Knöpfe und unter der Jalousie sehe ich, wie er ein paar Sachen aufräumt und entspannt in den Tag startet. Da hat er wohl nicht mit mir gerechnet, der ich direkt reinspaziere und nach dem Fahrrad frage. Ein Reisepass-Check später stehe ich auch schon vor dem schwarzen Modell des „FastRoad SLR 2 – L“. Obwohl es sich um die mit Abstand billigste Variante handelt, sieht das Teil wertig aus und erfüllt alle Anforderungen. Zwei Räder, ein Sattel, ein Lenker, zwei Bremsen, was will man mehr? Na gut, die Gangschaltung, Gepäckträger und Fahrradtaschen sind auch ganz nett, vor allem für einen längeren Ausflug wie den meinen. Ich bin schon am Umpacken, da kommt ein Pärchen rein, das ebenfalls nach Reservierungen fragt. Ich spreche sie an und erfahre, dass die beiden aus den Vereinigten Staaten kommen. Gemeinsam haben sie eine mehrtägige Tour an der Ostküste geplant, bis nach Taitung. „And, which part in Germany are you from?“ „Berlin. Wait. How do you know I‘m German?“ Die Frau winkt ab und lacht. „Oh. Everyone is from Germany.“ Parallel packen wir unsere Taschen, wobei ich aus irgendeinem Grund deutlich größere bekomme. Gut so, denn allzu viel Platz ist am Ende nicht übrig. Klar, Jacke und Essen passt noch gut rein, wenn es die Situation erfordert, aber eine Jogginghose mehr und es sähe nicht mehr so einfach aus. Ich bin gespannt, wie Dennis sein Fahrrad packen wird, wo er dich vom ausreichenden Platz geschwärmt hatte. Meine beiden Gadjets vom Decathlon werden mit Hilfe der Mitarbeiter passend gemacht, am Ende blüht der Lenker nur so vor farbigen Gegenständen. Zwischen Bremsen, Gangschaltung und Licht gesellen sich also eine manuelle Hupe und ein Windrad, wie schön. Das Rad hat zwei Halterungen für kleine Trinkflaschen und ebenfalls zwei winzige Taschen unterm Lenker, die zur Aufbewahrung eines Allzweckwerkzeugs und sonstigem Krams dienen. Meine Bauchtasche kann ich ohne Probleme auf dem Gepäckträger festzurren, im schlimmsten Fall könnte ich auch einen Rucksack an die Stelle setzen. Mit fertigem Bike lasse ich mich freundlicherweise ablichten, unterschreibe noch zwei Punkte in einem Vertrag und dann geht’s auch schon auf die Straße.

Beim Losfahren bemerke ich direkt den riesigen Unterschied zu allen YouBikes, mit denen ich bisher Vorlieb nehmen musste. Erst einmal ist das Fahrrad leicht wie eine Feder, nur die Taschen wiegen merklich viel und verlagern alles Gewicht nach hinten. Trotzdem ist man auf Anhieb ziemlich schnell, ich ziehe noch viel geschwindiger an anderen YouBike-Nutzern vorbei als sonst. Die Gangschaltung dürfte 24 Gänge haben, von den der höchste der rechten acht leider durchrastet und der niedrige auf der linken Seite manchmal gar nicht erst einrastet. Alle anderen Zahnradspuren funktionieren aber hervorragend, das zarte Geräusch vom klickenden Wechsel klingt qualitativ und teuer. Ich muss mich zurückhalten, nicht wie sonst immer Vollgas zu geben, denn ausnahmsweise liegt eine längere Tour vor mir, außerdem bremsen die Ampelphasen am Ende sowieso aus. Genau genommen fängt die Tour sogar erst später an, denn ich fahre noch einen kleinen Umweg. Ein überdimensioniertes Einkaufszentrum hat laut einem Mitarbeiter weder Stative noch Handyhalterungen, also muss ich wohl darauf verzichten. Einen Decathlonbesuch, wo ich eine Mütze besorgen wollte, lasse ich dann auch bleiben, ich habe einfach keine Zeit mehr. Um 12:20 Uhr starte ich dann richtig und werde erstmal durch den üblen Stadtverkehr ausgebremst. Sebastian hat mir schon empfohlen, nach Keelung einen Zug zu nehmen, aber das kann ich nicht mit mir vereinbaren. Keine Schönheitsfehler, erst recht nicht schon am ersten Tag! Außerdem bin ich schon so weit im Osten, dass der Zug kaum schneller wäre. Wir stimmen überein, dass es schwierig werden könnte, Tamsui im Hellen zu erreichen, aber dann ist das halt so.

Das östliche Taipei hat zwar auch jede Menge rücksichtslos hochgezogener Gebäude zu bieten, aber irgendwie passt es hier besser. Okay, eventuell hat das absurd gute Wetter auch Einfluss, aber vieles ist halbwegs innovativ geformt und macht die Landschaft nicht zu einer Stadt der grauen Männer. Auch wenn die ewig grauen Brücken für MRT und Autobahn trotzdem nicht verschwinden. Nach vielen Ampeln und gefährlichen Überholmanövern leitet Google Maps (übrigens nicht der allerbeste Tourguide für Fahrradausflüge) mich auf einen richtigen Fahrradweg. Der „Keelung River“ hat auf gleich tiefer Höhe ein großzügiges Angebot für sportbewusste Menschen errichtet, da kann man langdüsen, wie man will. Es windet ziemlich stark, aber besser als die Straßen und aus Versehen auf der Autobahn zu landen, ist das allemal.


An einer imposant asymmetrischen Brücke beginnt ein ausgeschriebener Fahrradweg, der allerdings reichlich Verwirrung mit sich bringt. „Walk Your Bike Do Not Ride“ steht es auf einem roten Schild, das sich mindestens alle 100 Meter wiederholt. Gleichzeitig gibt es dauernd weiße Fahrradmarkierungen auf dem Boden und die Strecke sieht prinzipiell auch so aus, als wäre sie für Zweiräder erfunden worden. Die wenigen Fußgänger beschweren sich nicht, also ignoriere ich die penetranten Meldungen.


Ich komme echt nicht zu schnell voran und mache mir zunehmend Sorgen, wie lange ich heute im Dunkeln fahren muss. Die 7/11-Snacks müssen übrigens ausreichen, denn groß Pause machen werde ich wohl kaum können. Je weiter ich komme, desto schöner wird es. Der Fahrradweg scheint ein richtig guter zu sein, am Wegesrand finde ich immer wieder Tafeln, die illustratorisch beschreiben, wie man nach Keelung kommt. Grüne Wegesrandbüsche wechseln sich ab mit Stufenhängen am Flussufer, Abstechern ins Seitenland und toll aussehenden Industrieanlagen (inklusive Bahnhöfe, Gruben, Förderbänder) am Wegesrand.


Auch einen langen Tunnel sowie zahlreiche Brückenunterquerungen (der reguläre Verkehr darf ja nicht gestört werden) finde ich. Einmal sehe ich zwei Frauen mit eigenen Fahrrädern, ansonsten mehrheitlich YouBikes oder Spaziergänger. Mein Fahrrad ist nicht nur leicht, sondern auch spitzenmäßig ausbalanciert, sodass freihändig fahren kein Problem ist. Ich erinnere mich an Dennis Aussage, dass er den Lenker gerne hochgestellt hat, weil er darauf acht gibt, seinen Rücken gerade zu halten. Ich bin nach wie vor gespannt, wie er drei Wochen lang mit senkrechtem Rücken eine Inselrundtour bestreitet.


Je näher ich Keelung komme, desto mehr schwindet die reine Natur und menschliche Kuriositäten legen sich darüber. Mehr hässliche Hochhäuser und ein Stadtverkehr, der wieder vermehrt anläuft. Wenigstens freuen sich ein paar Leute über meine Hupe, ein rauchendes Mädchen lacht sich einen ab. Danke Hasan, diese Schnapsidee war Gold wert. Auch Motorradfahrer schauen ab und zu verstohlen hinüber, wenn wir an der Ampel stehen, wobei die größte Aufmerksamkeit meinem Windrad vorne gebührt, das sich auch im Stehen unaufhörlich weiterdreht. Leider wirft der Wind es öfters nach hinten sodass es horizontal liegt. Im Endeffekt ist der Übergang von Taipei zu Keelung ähnlich dem von Berlin nach Potsdam, sogar noch verkürzter. Man denkt, man verlässt die Stadt, bekommt auch eine kurze Grünphase, nur damit die Gebäude dann wieder zunehmen und in einer kleineren Variante der Hauptstadt enden.



Insgesamt ist die Route nach Keelung wirklich gut und ich bin froh, sie nicht ausgelassen zu haben. Ich merke, wie seit dem Losradeln mein Dopamin freischießt und komme auf einen merkwürdigen Vergleich. Zumindest hört er sich erst einmal so an, aber let me talk. Tiktok & Co. machen meines Wissen nach so sehr süchtig, weil dem Benutzer in Sekundenschnelle neue Inhalte, neue Grafiken präsentiert werden. Was daran ist jetzt am Fahrradfahren so viel anders? Klar muss ich mich dafür sportlich anstrengen, aber der Effekt bleibt doch derselbe. Alle paar Sekunden bin ich von neuen Szenerien umgeben, es bleibt gar nicht genügend Zeit, sich alles im Detail anzuschauen. Das merke ich auch daran, dass ich kaum Kapazität habe, Gedanken an andere Themen zu verschwenden. Meine volle Aufmerksamkeit ist auf die Umgebung gelenkt, hinter jeder Biegung kann eine neue Aussicht warten. Nur dieser eine Metagedanke kommt mir.
In Keelung geht es durch einen Bergtunnel und dann einige Höhenmeter hinab, bis ich an dem Hafen lande, den ich letzten Monat mit Sidd besucht habe. Ein Kreuzfahrtschiff liegt ebenfalls vor Anker, es ist tatsächlich noch dasselbe. Nicht mehr weit, und es geht schon an die Küste. Die wenigen Häuser am Stadtrand sind mehrheitlich weiß gehalten und einige weisen blaue Bemalung auf, ein typisches Zeichen für Städte am Meer (warum auch immer). Eine Landstraße führt das Ufer entlang, nur ein Fußgängerweg trennt diese von den Wellenbrechern einige Meter abwärts. Der Wind hält sich zum Glück in Grenzen, denn ich habe den Großteil der Strecke noch vor mir und nur knapp drei Stunden bis Sonnenuntergang. Naja, was willste machen. Genießen. Durch die gerade Strecke geht es bestimmt viel schneller als davor, und das stimmt. Keelung Island, das erstaunlich hoch aus dem Wasser aufragt, verschwindet schnell in der Ferne, während ich die ebene Küstenstraße durchpowere.


Außer winzigen Ortschaften und ganz vielen Aussichtspavillons begegnet man hier nur der Straße selbst. Und ein paar Hunden, die aber zum Glück scheu sind. Ich bin mir trotzdem sicher, im Laufe der Reise meine Probleme mit den Viechern zu bekommen. Spätestens an der Ostküste… In einem Hafendorf finde ich einen FamilyMart, der sich zwischen Fischerständen versteckt. Ich sehe bestimmt sehr verschwitzt und erledigt aus, wie ich mir zwei Wasserflaschen und zwei Snickers kaufe, die meisten Leute lächeln mir aufmunternd zu. Noch habe ich nichts gegessen, nur getrunken. Mein Hungergefühl ist unbeschreiblich, nicht weil ich es gar nicht mehr aushalte, sondern weil ich merke, wie schön das Verlangen nach Essen sein kann. Egal, was ich als Nächstes essen werde, es wird mir schmecken. Und ich werde mir dabei denken, wie lecker kann das eigentlich sein. Diese Gewissheit treibt mich noch weiter an, ich kann die Mahlzeit schon vor der Einnahme so ziemlich wertschätzen.


Recht bald erreiche ich eine Halbinsel, die den „Yehliu Geopark“ beherbergt. Dort soll es verrückte Felsformationen geben, wie ich mir schon vor Längerem von Taiwanesen habe sagen lassen. Bevor diese irgendwann zerbrechen, sei es an Erdbeben oder an Menschen gelegen, solle ich mir diese unbedingt anschauen. De Abstecher dahin zeigt schonmal, wie beliebt diese Attraktion ist, denn auf mehreren Parkplätzen tummeln sich hunderte Leute, dabei haben wir immer noch Freitag. Mein Fahrrad parke ich unauffällig zwischen Motorrädern und hoffe einfach, dass aus den Taschen nichts gestohlen wird. Dass es Geld kostet, sich ein paar Felsen anzuschauen, macht mich wirklich sauer und ich bin gerade dabei, umzukehren, als ich mich dann doch dafür entscheide. 120$TD (3,20€) sind dann doch nicht so teuer und außerdem komme ich nie wieder hierher. Die Uhr im Blick, schreite ich flotten Schrittes durch die Reisegruppen und besichtige das Naturschauspiel im Schnelldurchlauf. Tatsächlich gibt es neben dem berühmten „Queen‘s Head“ noch viel weitere Gesteine, die entweder nach Pilzen oder anderen Royalitäten benannt sind, in jedem Fall aber in die Höhe schießen.

In der Nähe der Hauptattraktion schwärmen nicht nur Unmengen an Besuchern, vor dem „Queen‘s Head“ steht zudem eine lange Schlange an Fotowilligen. Mehr als eines von der Seite bekomme ich nicht hin, das reicht mir aber auch. Allzu beeindruckend finde ich das Teil nicht, auch wenn es wirklich ein bisschen wie der Kopf einer Königin ausschaut. Cooler sind fast die waldartig formierten Felsen in Form von Pilzköpfen, zwischen denen einige sich schlängeln.


Beim Durchlaufen der Naturausstellung verschlinge ich mein Mittagessen, wie erwartet, es schmeckt köstlich. Ich höre mal wieder viel Koreanisch und sehe Gruppen junger Menschen, die mir zulächeln. Zu schade, dass ich wirklich weitermuss. Auf den geraden Straßen erreiche ich immer wieder höhere Geschwindigkeiten im Mitt-30er-Bereich, der Tacho zeigt‘s an. Rechts von mir ziehen immer wieder sowohl kleine Häfen als auch Bushaltestellen vorbei, bei denen ich mich jeweils frage, von wem sie in dieser Einöde denn genutzt werden sollen. Die Häfen vielleicht vom Militär, aber Öffis machen hier eigentlich nur für Touristen Sinn. Apropos, ich erinnere mich an eine berühmte Haltestelle, die Hasan mir empfohlen hatte, obwohl er selbst nie da war. Sie befindet sich am Straßenrand direkt vor der Meereskulisse, auf der mal Tanker und Küstenwache, mal überhaupt niemand vorbeizieht. Genau dafür wollte ich mir eigentlich ein Stativ holen, aber ich habe Glück, eine Gruppe junger Taiwanesen macht gerade selbst Fotos und posiert mit einem Motorrad vor dem Wartehäuschen. Ich stehe geduldig an der Seite, bis sie fertig sind und frage dann nach Hilfe bei meinem eigenen Foto. „Ok!“ sagt erst einer, dann allen anderen auch. Drei Mädels übernehmen den Job, versuchen, in der Schräge sowohl mich als auch das Meer einzufangen. Die Haltestelle ist zwar nicht ganz drauf, aber schön ist das Bild trotzdem. „Handsome, handsome!“ rufen die drei außerdem und lachen, als ob es ihnen gleichzeitig peinlich wäre. Das gibt ein Danke meinerseits, dann muss ich auch schon weiter.


Ab hier fahre ich wieder viel auf der Straße, den Fahrradweg gibt es plötzlich nicht mehr. Wenige Autos ziehen zum Glück mit ordentlich Sicherheitsabstand vorbei, es geht über hohe Brücken und an Bergen vorbei. Die Sonne sinkt immer tiefer und mittlerweile fahre ich fast gen Westen, sodass ich dem Stern am Himmel entgegenfahre. Um halb fünf erreiche ich dann den nördlichsten Punkt der Insel. Ein Schotterweg und eine Treppe bringen mich dazu, das Fahrrad stehen zu lassen und das restliche Stück zu Fuß hinzulegen.


Trotz der schönen Abendstimmung ist fast nichts los, eine Frau steht am Wegesrand und macht ununterbrochen Aufnahmen der Sonne. Der Blick nach hinten zeigt nicht nur die Berge des „Yangmingshan National Park“, den ich gerade umrunde, sondern auch zwei nahegelegene große Kugeln auf den Hügeln, die aber doch keine Felsen, sondern eher menschliche Radargeräte oder so ähnlich sein könnten. Eine Jungsgruppe auf dem Leuchtturm erklärt sich bereit, ein Foto von mir zu machen. Sie kommen aus Taipei, wie ich erfrage. Sie finden, dass es neben vielen Koreanern auch viele Japaner im Land gibt, mehr erfahre ich aber nicht.


Kurz danach begegnet mir ein westliches Paar. „Nǐ hǎo“ ruft mir der Mann zu, und: „Not too fast!“ Bestimmt Deutsche. Ich bin mittlerweile auf einem viel markierten Radweg, Kennzeichen ist ein durchgehend blauer Streifen am Straßenrand, so als würden eigene Verkehrsregeln dafür gelten. Es geht steil hoch, aber auch steil runter. Bei einer schnellen Abfahrt fällt mir leider das Handy aus der Hosentasche, es bleiben sehr starke Kratzer. Immerhin funktioniert es noch. Auf holzbeplankten Wegen sieht man nur ab und zu Rentner, die meiste Zeit bin ich für mich alleine.
An den Stränden zu meiner Seite wäre ich gern länger geblieben, andererseits bin ich auch erschöpft. Nicht mehr lange, dann verschwindet die Sonne (wie immer) hinter dem Dunst am Horizont, obwohl es ansonsten kaum Wolken zu beobachten gibt. Außerdem gelange ich wieder auf die vielbefahrene Landstraße, das Ziel ist nicht mehr fern. Mir fällt auf, dass die Beetlenut-Verkäufer teilweise mit runden LEDs werben statt mit den klassischen fächerförmigen. Die vielen Ampeln geben mir Verschnaufpausen, denn steile Abschnitte gibt’s auch auf der immerzu gerade Straße. An der vermutlich schnellsten Stelle des Tages misst der Tacho satte 51,0 km/h.

Erst in den letzten 20-30 Minuten muss ich mein Licht anschalten, damit habe ich viel besser performt als ursprünglich gedacht. Ich komme an der Taipeier Metro vorbei und lande schließlich eine Minute vor 18 Uhr an meinem Hostel. Hier ist übrigens der Link zur Komoot-Tour. Die Rezeptionistin interessiert sich für meine Uni in Kaohsiung und das Sportshirt, das ich trage. Mein Fahrrad darf ich netterweise in die Lobby stellen, vermutlich wegen dem süßen Windrad, aber: „Let’s settle first.“ 699$TD (19€) bezahle ich für die eine Nacht, für ein Wochenende wahrscheinlich noch billig. Immerhin handelt es sich wieder um einen Schlafsaal, auch wenn er deutlich angenehmer und sauberer ist als der letzte. Gerade das Bad im 5. Stock und der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss, angenehme Orte. Die wenigen anderen Gäste scheinen freundlich zu sein. Für das Handtuch muss ich extra bezahlen, komisches Konzept.


Nachdem das taiwanesische Restaurant nebenan ausschließlich Fleischgerichte anbietet, gehe ich doch lieber zum 7/11 und hole mir Abendessen in den Gemeinschaftsraum. Am liebsten hätte ich jetzt einen Schopskasalat mit ordentlich Feta, aber man kann nicht alles haben. Auf dem großen Fernseher laufen Nachrichten und die Rezeptionistin schaut gebannt auf den Bildschirm. Tatsächlich habe es in meiner Uni, der NKUST eine Explosion gegeben, nachdem in einem Laborexperiment eine Batterie hochgegangen sei. Die Fernsehbilder zeigen nur Rauch und Flure.

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