Radtour Tag 2 (Samstag, 10. Januar)

淡水 Tamsui -> 大溪 Daxi

Abgesehen von meinem Wecker werde ich heute auch durch Getröte auf der Straße geweckt, das mich klanglich stark an das Straßenfest in Tainan erinnert, wo ich vor ein paar Monaten mit Anna und Buggi war. Zum Glück hält es nicht lange an. Ein freundliches Guten Morgen bekomme ich von meinem Bettnachbarn, der eine lustige Art zu reden hat. Er ist immer ganz still, bis er an der Reihe ist, etwas zu sagen, und dann bricht gleich ein enthusiastisches Lachen aus ihm raus. Er erzählt, genau wie ich eine Inselrundtour zu machen, nur auf dem Motorrad. Dafür werde er heute mit dem Bus nach Kaohsiung fahren. Ob ich die Stadt kenne? Ja, vielleicht mal davon gehört. Im Ernst, er ist begeistert, dass ich dort studiert habe und lacht. Interessant übrigens, jetzt schon in der Vergangenheit davon zu sprechen, denn komplett realisiert habe ich das noch immer nicht. Aber ja, jeder Müll, der noch in die Gruppe des zweiten Stockwerks auf Line geschrieben wird, kann mir eigentlich egal sein. Ich unterdrücke das starke Bedürfnis, raushängen zu lassen, was ich von den Hausregeln und sowieso dem meisten dort halte.

Heute soll es von Tamsui nach Daxi gehen. Zumindest habe ich das mit meinen Buchungen beschlossen, nach Berücksichtigung der zwei Kriterien Preis und Lage. Eigentlich keine besonders weite Route, gerade wenn man früh genug losfährt. Allerdings würde diese nochmal durch Neu-Taipei führen, was definitiv kein Highlight wäre, und dazu hat Jessie (die ich aus Taichung kenne und die mittlerweile in Taoyuan lebt und arbeitet) mir geschrieben, dass sie gegen mittags kurz Zeit hätte, bevor sie ihren Umzug durchzieht. Also ist der Plan folgendermaßen: erst an die Küste, dann nach Taoyuan rein und zum Schluss runter nach Daxi, eine Art Außenbezirk der Stadt.

Also mache ich mich schnell fertig und komme um gut halb elf aus dem Haus. Natürlich ist das nicht früh, aber ich habe mir bewusst Schlaf gegönnt und trotzdem habe ich noch fast zwei Stunden mehr als gestern. Das Wetter ist wieder bombastisch, das samstägliche Tamsui mit seinen inländischen Touristen voll belebt. Um an der Küste fahren zu können, muss ich einen Umweg ins Inland nehmen, denn die große „Tamkang-Brücke“ wird leider erst nächsten März in Betrieb genommen. Das Fahren am Flussufer macht aber dennoch Spaß, gerade weil man eine Yogagruppe mit chinesischer Motivationsmusik nach der nächsten passiert und es mal wieder einen Fahrradweg gibt, der abseits der verkehrigen Straßen dahinidyllisiert. Geil, wie ich nicht einmal danach Ausschau halte und trotzdem immer wieder auf einen gelange. Nicht fehlen dürfen wieder die vielen Hochhäuser, die die sehr hohen Einwohnerzahlen von Taipei und Neu-Taipei erklären dürften (zusammengerechnet über 7 Millionen Einwohner).

Radweg zwischen Stadt und Dschungel

Der Radweg gleicht stellenweise einer einzigen Baustelle und verläuft ab und zu neben einer viel befahrenen Bahnstrecke, Wochenendspazierer hält das aber nicht ab. Schließlich kommt der Wendepunkt, eine mehrbögige Brücke über den breiten Fluss, die für unmotorisierte Passanten zum Glück eine eigene Passage hat. Wie manche Autos hier rüberdüsen, kann man eigentlich nicht mehr mit Berufsverkehr erklären, wir haben Samstag!

關渡大橋 „Guān dù dàqiáo“ Guandu-Brücke

Dahinter geht es auf einer scheinbar wohlhabenden Uferseite zurück in Richtung Meer. Vor den Häusern liegen perfekt grüne Wiesen, auf denen trotzdem gespielt wird. Das Ufer ist sandig, winzige Yachten liegen vor Anker. Irgendwie fühle ich mich an das Elbufer in Hamburg erinnert, nur dass der Fluss dort wesentlich tiefer sein dürfte als hier, und natürlich auch etwas breiter.

Strahlender Samstag

Passend zur gehobenen Gegend gestaltet sich die Strecke vielseitig. Rentner auf YouBikes sind in den künstlichen Kurven zu erkennen, die umgebende Bewaldung wird von Schildern als Mangrovenpromenade bezeichnet. Gefrühstückt habe ich übrigens nicht, ich wollte dafür eine Pause einplanen, aber auch zu der kommt es wohl kaum mehr, wenn ich Jessie heute sehen will. Immerhin soll ich mir schonmal das Brunch-Menü aussuchen, damit sie ein bisschen früher hingehen und bestellen kann. Außerdem habe ich im Gegensatz zu gestern mal meine Radhose angezogen, sodass ich einen Vier-Schichter aus Unterwäsche, Thermohose, Radhose und kurzer Sporthose trage. Ein Tag auf hartem Sattel geht klar, aber heute weiß ich das Polster sehr zu schätzen. Dafür kann ich sowohl Windbreaker als auch Fleece weglassen, was für ein Luxus.

Mangrovenufer
Hingeguckt: Schon mal so einen Strommast gesehen?

Die große Tamkang-Brücke ist wie erwartet ziemlich groß, durch die große Entfernung vom Betrachter und nicht gerade bahnbrechend neue Konstruktionsweise muss ich aber sagen, dass man nicht allzu viel verpasst, wenn man sie meidet. Sowieso dürfte sie aus reinem Funktionsbedarf errichtet worden sein, so führt sie doch direkt den Flughafenverkehr aus Taoyuan sicher nach Taipei. Der Flughafen hier ist der größte der Region, die zwei Start- und Landebahnen bieten neben der erhöhten Kapazität auch Abgelegenheit von verdichteten Stadtzentren, wie das der eigentliche Taipeier Flughafen ganz und gar nicht tut. Wenn die Taiwanesen Glück haben, wird aus letzterem irgendwann mal eine Art Tempelhofer Feld. Mit Blick auf Taipei 101 und die Berge kann ich mir das persönlich jedenfalls gut vorstellen.

淡江大橋 „Dàn jiāng dàqiáo“ Tamkang Bridge

Schließlich biege ich ab, verlasse den Kiez, ab jetzt geht es südwestwärts. Ein langer Streckenabschnitt mit Industriebauten, teilweise kuriosen Anlagen wartet auf mich. Dabei darf ich bewundern, wie die Taiwanesen es trotz aller Grobheit im Straßenbild schaffen, eine gewisse Liebe zum Bauwerk einzubringen. Sei es Grafitti, ein schwungvoll gebogener Brückearm, ein farbig bemaltes Bauteil oder ein stilvoller Kanal unterhalb der Autobahn.

Noch nie eine so offensichtliche Elixierlager-Referenz gesehen. Sind das Gastanks aus Beton?
Industrielles Venedig
Drei Freunde beim Hafenangeln?

Nach einigem an Hafenstrecke habe ich plötzlich keine andere Option, als der Autobahn zu joinen. Kein Witz, der bisherige Radweg schreibt diesen Weg sogar aus. In regelmäßigen Abständen gibt es dort braune Hinweisschilder, zudem weißblaue Markierungen auf dem Boden. Tatsächlich muss das die richtige Strecke sein, denn die Spuren sind wie so oft in eine schnellere, mittlere und eine langsamere, rechte getrennt. Dort sind Fahrräder zugelassen, auch wenn der grundsätzliche Look mich fühlen lässt, als wäre ich ein illegaler Geisterfahrer. Ganz ungefährlich dürfte die Strecke auch nicht sein. Zwar ist es blitzehell und ich schaue mich regelmäßig um, aber auf Autobahnen ist man ja nie alleine in der Verantwortung um die eigene Gesundheit.

Hier führt eine Fahrradroute entlang??

Entsprechend froh bin ich, als Google mich endlich runterschickt. Wie schon entlang der gesamten Küste erwartet mich eine fast dystopische Landschaft, und das meine ich ausdrücklich positiv. Während vorher noch ab und zu Segelsurfer und Angler zu sehen waren, sind hier nur noch Letztere anzutreffen, neben wenigen Bauarbeitern. Der Ort wird von Sandbergen und einigen Windrädern dominiert. Der Wind weht heftig und ich muss sogar kurz schieben, um nicht auszurutschen. Ein türkiser Kran vor meinen Augen und bemalte Industrietanks im Hintergrund geben eine wirklich tolle Kulisse ab.

Wo bin ich denn hier gelandet?

Unter der Autobahnbrücke durch, geht es weiter ins Inland. Auf einem Platz, dessen Beteerung massenhaft aufbröckelt, stehen Zementmischer und andere Lastwagen. Ein Typ ist gerade dabei, diese tiefblau anzustreichen, ein anderer sortiert Paletten. Dahinter führt eine steile Straße an einem Tempel vorbei, der warum auch immer bestimmt seine Daseinsberechtigung hat. Hauptsache, keine Hunde, dann nehme ich die Anstrengung gerne auf mich. Weiter oben bekomme ich aber ein Problem: Google schickt mich in eine Sackgasse, alternativ soll die nächste Straße nicht besonders weit bergauf liegen. Blöd nur, dass dazwischen ein Wanderweg liegt, der selbst ohne Gepäck eine Herausforderung sein könnte. Ich beginne schon, das schwere Rad hochzuschieben, bis ich auf den Trichter komme, erst einmal nachzusehen. Tatsächlich scheint kein Ende in Sicht und ganz schnell setzt die Erkenntnis ein, dass mein Vorhaben nicht möglich sein wird. Na gut, solche Pannen gehören wohl dazu, wenn man sich blind auf den Kartendienst des Vertrauens verlässt. Fluchen darf man aber trotzdem, dann geht’s zurück.

Kletterwand für Fahrräder

Der Kartendienst erweist sich weiterhin als nicht der beste, denn kaum zehn Minuten später treibt er mich in eine Hundefalle. Die ‚Abkürzung‘ an der Seite führt zwischen privaten Hallen durch, und einer der drei Köter kommt sogar auf mich zugerannt, nachdem ich bereits gewendet habe. Dieser Abschnitt, den die meisten Leute wohl als extrem unangenehm empfinden würde, findet ein Ende und ab der „Haihu Industrial Zone“ beginnt Taoyuan. Das, was ich aber als erstes mitbekomme, gleicht weiterhin einem Industriezirkus. Offene Lagerhallen am Wegesrand, kaum befahrene Straßen (und wenn, dann nur von Logistikfahrzeugen) und nicht zuletzt aufsteigende Flugzeuge direkt über meinem Kopf. Die Flugschneise liegt nicht weit entfernt, und wie erwähnt ist der Betrieb auf hohem Niveau. Danach wird es zwar besser, z.B. mit Radwegen auf Holzplanken, die zwischen alte Schienen gesetzt wurden, insgesamt bleibt aber das Gefühl eines unvollständigen Ortes. Ich nehme einfach mal an, dass man vor allem deshalb in die Stadt zieht, um hier zu arbeiten. TSMC und die Luftfahrtbranche sowie mir unbekannte Faktoren X machen‘s möglich. Wenn einem die Region gefällt, kann man schließlich auch nach Taipei ziehen. Obwohl, vielleicht wohnen hier auch Leute, denen die Hauptstadt schlicht zu teuer ist. So oder so keine Merkmale einer lebenswerten Stadt.

Flieger in der Sonne

Auch Jessies Gegend fügt sich ins Bild. Wir kommen fast gleichzeitig an, lächeln schon aus der Ferne. Damit nicht dieser unangenehme Wartemoment entsteht, schließe ich schonmal das Fahrrad an. „Leo“ ruft sie, als hätte ich sie noch nicht entdeckt. Klassiker. „You are before the time“. Ja, zum Glück, auf der Autobahn hatte ich daran wirklich gezweifelt. Wir gehen rein ins Frühstückslokal, das sie unbedingt mal ausprobieren will. Jessie fragt nach einem Platz, bestellt für uns beide und bezahlt. Wie praktisch, mit Locals an der Seite. Die knappe Stunde tauschen wir uns aus, danach erwartet sie ihre Eltern, die für den Umzug extra aus Taichung anreisen. Ihre Mitbewohnerin ist nämlich „crazy“, sie habe Jessie in allen erdenklichen Situationen Stress gemacht. Mehr als zweimal pro Woche die Küche benutzen? Kommt gar nicht infrage. Sowieso, was gibt’s denn so im Kühlschrank? Inklusive seien außerdem ein paar aktive Auseinandersetzungen gewesen. Und das, obwohl Jessie schon auf Arbeit jede Menge Herausforderungen hat. Ich erinnere mich, sie hatte ihren Bürojob in Taichung gekündigt, um eine Ausbildung zur Flugbegleiterin zu machen. Bei China Airlines, übrigens eine taiwanesische Fluggesellschaft, zieht sie aktuell einen Monat zum Azubigehalt durch und darf, wenn alles gut läuft, ab Mitte Februar richtig arbeiten. Vorher werden sie und ihre Mitstreiterinnen aber aufs Härteste gedrillt. Besonders wichtig sei das Make-up, welches dreimal täglich kontrolliert werde, obwohl die Mädels bereits eine Stunde jeden Morgen darin investieren. Zum Beweis darf ich mir ein Gruppenbild anschauen: Ja, das sieht wirklich nach viel Gesichtspolitur aus. Ein poliertes Essen bekommen wir zwar nichts für die erste Mahlzeit des Tages um 14 Uhr bin ich aber trotzdem äußerst dankbar. Mein „mushroom omlette“ schmeckt köstlich, dazu gibt es grünen Tee.

Brunchen in Taoyuan

„Do you still write your journal?“ werde ich gefragt. Bei dem Begriff muss ich schmunzeln, sie hat ja Recht. „I do.“ „Can I see?“ Joa, warum nicht? Ich gebe ihr mein Handy. Nach einer bisschen Scrollen darf ich auch noch den Link hergeben und bekomme Lob: „You write a lot. I can use to practise German.“ Stimmt, das war’s. Der Flugbegleiterjob soll ihr erst einmal eine berufliche Basis sichern, damit sie in drei Jahren nach Europa (Wien oder Berlin) ziehen kann, um dort als Tänzerin Karriere zu machen.

Ich lasse mich dann noch davon überzeugen, dass Chiayi nicht die allerhässlichste Stadt ist, denn Jessie hat dort studiert und ihre Uni soll für die farbenfrohen Bäume berühmt sein. Ich komme ja in Chiayi noch vorbei, also kann ich mich auf etwas freuen. Dazu empfiehlt Jessie mir den Sealife-Park „Xpark“, der direkt neben uns liegt, dafür habe ich nun aber wirklich keine Zeit. Ich lasse mir an der Kasse Geld tauschen, zahle mein Essen aus, dann gehen wir vor die Tür und verabschieden uns schon, müssen aber noch ein Foto machen. Etliche Versuche später ist Jessie soweit zufrieden, dass das Foto in mein digitales Tagebuch darf. „Taking pictures is a science itself“, sage ich. Sie stimmt zu und fotografiert mein kleines Windrad, dann bin ich weg. Gerade mal zwei Stunden bis Sonnenuntergang, jetzt muss ich mich sogar ein wenig spurten.

Grüße aus Taoyuan

Der letzte Teil des zweiten Tages ist ein bisschen enttäuschend, wenn auch so erwartet. Es geht ausschließlich durch das langgezogene Stadtgebiet mit mal mehr, mal weniger Ampeln. Ein Zementmischer mischt den Verkehr auf, viele Transporter unterwegs. Viel geradeaus, viel Wind, viel provisorische Bauwerke am Straßenrand. Die Taiwanesen haben verdammtes Glück, in so geiler Natur zu leben, ohne diese sähe vieles dermaßen beschissen aus. Die Büsche wuchern aber überall und so bekommt auch alles einen tropischen Touch.

Irgendwie macht mich das total glücklich
Ich kenne ein Land, in dem man für so etwas gelyncht worden wäre…
Ehrlicher Firmenname

Im südlichen Taoyuan befindet sich der 八德區 „Bā dé qū“ Bade District und noch einmal mehr Hochhäuser. Anders gesagt, ich sehe kein einziges Bauwerk mit weniger als 20 Stockwerken, das ist schon crazy. Ich weiß, ich habe allein jetzt schon so viel darüber geredet, aber das Thema fasziniert mich einfach ungemein. Wie selbstverständlich das hier ist. Und es muss doch auch ziemlich teuer sein, so viele Wohntürme zu errichten… Außerdem interessant: In Taoyuan wird wohl eine neue MRT-Strecke gebaut. Bisher dachte ich immer, diese Prozesse seien gänzlich abgeschlossen worden, weil die meisten großen Städte bereits viel zu verdichtet seien und das unterirdische Graben mit wesentlich größeren Anstrengungen verbunden sei als das simple Errichten von Betonpfeilern. Hier hat man aber wohl ein Gebiet gefunden, in dem sich letzteres noch lohnt. Bravo.

Taoyuaner Metro?

Einmal lasse ich mich noch von einem Hund verscheuchen, Abkürzungen sind nun mal gefährlich. Zum Schluss geht es eine Weile steil bergab, ins Tal nach Daxi. Der Ortsteil reiht sich zwischen Felder und Berge, wunderschön. In der Mitte befindet sich die Old Street, wo es laut Bobby berühmtes dried tofu geben soll. Um kurz vor fünf bin ich dann an der Unterkunft (hier die Komoot-Route des heutigen Tages), die sich gar nicht so leicht finden lässt. Eine äußerst schmale Gasse führt zwischen zwei Häuserblocks, nach Klingeln werde ich erhört. „What is your name?“ lautet die erste Frage. Dann: „You have a bike?“ Netterweise darf ich drinnen abstellen, ansonsten gibt es jede Menge Regeln. Wo man Schuhe tragen darf, welche Uhrzeiten für welches Verhalten gelten, keine Freunde reinbringen, und und und. Wäre ich später als 19 Uhr angekommen, wäre meine Buchung übrigens storniert worden, wie ich später auf Booking erfahre. Der Schlafsaal ist gemütlich, jeder hat eine Koje aus Sperrholz zur selben Richtung.

Blick auf 大溪 „Dà xī“ Daxi
Hostel in der Gasse
Das ist mal eine Idee! Integrierter Wasserhahn

Auf Empfehlung der Rezeptionistin begebe ich mich noch vor 19 Uhr zur Old Street. „Oh, you didn’t dry your head?“ fragt sie, als ich mich aufmache. „Nope. I think it will work out“ gebe ich zurück. Dabei hätte ich sehr gerne ein Handtuch benutzt. Allerdings meint das Hostel wohl, die Umwelt zu retten, indem es keine Einweghandtücher, und dann grundsätzlich keine Leihhandtücher anbietet. Man soll sein eigenes mitbringen, oder einfach eines kaufen. Ohne mich, mir ist kompaktes Gepäck wichtiger. „In our culture, we say you get headache“ sagt sie daraufhin. „I‘ll take the risk!“ Sie lacht.

Tatsächlich fangen in der Old Street die ersten Geschäfte bereits an zu schließen, obwohl es kaum halb sieben ist. Zum Glück finde ich noch einen Stand mit dem berühmten Tofu, für viel anderes ist es zu spät. Also hole ich mir die weiteren Gänge in einem 7/11 und setze mich mit allem in den Gemeinschaftsraum des Hostels. Ein Typ wechselt sich ab, sich zu räuspern und unglaublich laut seine Nudeln zu schlürfen, here we go again…

„Daxi Okd Street“
Abendessen in der Hostelküche

Leider verschärft sich im Laufe des Abends eine Verspannung in meinem Rücken, die sich seit gestern Abend aufgebaut hat. In den letzten Stunden des Tages wird es aber so schlimm, dass ich weder meinen Kopf richtig bewegen noch ohne Schmerzen aufrecht sitzen kann. Ich schmeiße meine letzte Paracetamol ein und bin froh, noch kein Hostel für morgen gebucht zu haben. Zwar werde ich hier wohl kaum bleiben, aber eventuell findet sich eine frühere Unterkunft. Die Verspannung kommt eindeutig von der Haltung auf dem Fahrrad. Die ganze Zeit nach links und rechts schauen, während ich in Lehnpose fahre, ist halt keine Bewegung, auf die ein Alltag mich gut vorbereiten würde. Ich mache alles davon abhängig, wie es mir morgen früh geht.

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