台中 Taichung
Am Morgen meines Ruhetages werde ich im Badbereich von einem Europäer angesprochen. „How are you?“ fragt der Typ, der offensichtlich Italiener ist. Die dunkle Sichtsbehaarung, die extrem laute Stimme und natürlich der Akzent. „Good. Finally break day“ gebe ich zurück. Er befragt mich zur Fahrradtour und ich erfahre, dass er sechs Monate auf Weltreise fährt. Einen Monat in Japan hat er bereits hinter sich, aber „I didn’t like so much. It happens.“ Taiwan finde er viel besser, vor allem die Menschen. „I went out with locals!“ ruft er und grinst mit voller Breitseite. Woher ich komme? „Germany? I knew it! You have a German accent.“ Heute will Giuseppe, wie er sich vorstellt, zu den Gaomei Wetlands, wo ich im November war. Mal wieder kann ich einem Reisenden Tipps geben, auch für Kaohsiung. Dann muss ich aber auch schon los, und wir wünschen uns gute Reisen.

Mein Ziel ist das „Cycling Culture Museum“, das ich damals erfolglos zu erreichen versucht hatte. Heute soll es anders sein und passen tut es ja auch, zu meinem aktuellen Urlaub. Es liegt am westlichen Ende der Stadt und dazu auf einem ziemlichen Hügel. Alle convenience stores in der Gegend gehören allerdings zu den großen Fabriken von Tech-Firmen wie TSMC und sind daher nicht öffentlich zugänglich. Also muss ich ein ganzes Stück bergab und nach dem FamilyMart-Frühstück wieder hinauf, alles mit YouBike. Verrückt, wie ich sofort davon ausgehe, es mit einem kaputten Modell zu tun zu haben, einfach weil es so dermaßen unkomfortabel ist, verglichen mit dem Giant-Rad. Unfassbar, dass ich die letzten Monate täglich auf diesen Schrottmodellen mit den viel zu niedrigen Satteln Zeit verbracht habe. Es ist nebenbei bemerkt glühend heiß, Jacke und Fleece total überflüssig. Ich befinde mich mitten im 西屯區 „Xī tún qū“ Xitun District, wo sich neben bedeutender Industrie (also vor allem TSMC und ein paar kleinere Elektronik-Giganten) auch die Stadtregierung befindet. Das dürfte die unfassbar eng getaktete Flugüberwachung erklären. Kein Witz, mehrfach pro Minute fliegen Jet-Paare Bögen über die Fabriken, es vergeht kaum eine Sekunde ohne den Lärm der Tiefflieger. Wenn das mal kein systemrelevanter Standort ist…

Entsprechend ausgelegt ist der Verkehr. Ähnlich wie im Berliner Westend am Messegelände geht die Planung schlicht von kaum Fußgängern aus, diese müssen riesige Bögen machen, um auch nur auf der richtigen Straßenseite zu landen. Parkplätze und uneinladend große Eingangstore dominieren das Stadtbild. Das Museum klingt also fast, als wäre es falsch am Platz. Inhaltlich könnte das auch hinhauen, allerdings steht es in baulichem Verbund mit den „Giant Headquarters“, also dem Hauptsitz der Firma meines Tourbikes, die das Museum auch betreiben. Architektonisch hebt es sich von den umliegenden Fabriken ab, passt durch das dominierende Grau allerdings trotzdem irgendwie rein.


Vor dem Hauptgebäude fotografiert eine Frau das Firmenschild. Sie lächelt freundlich und ich frage, ob sie auch auf dem Weg zum Museum ist. Sie bejaht, und zusammen gehen wir in den ovalen Bau, der ansonsten keine anderen Besucher aufweist, dabei ist die Institution seit drei oder vier Stunden geöffnet. Sie will erst ihre Brotzeit essen und dann nachkommen. Die etwa fünf Mitarbeiter an der Rezeption lassen mich unterschreiben, den Eintrittspreis von 400$TD (knapp 11€) zahlen und erläutern mir die Regeln des Besuchs (kein Essen und Filmen verboten).
Zu Beginn wird der Besuchende durch Gänge mit Glasfenster gelotst, wobei die Geschichte des Fahrrads auf vergleichsweise wenigen Streckenmetern abgearbeitet wird. Die wesentlichen Innovationen werden per Modell gezeigt und mit kleinen Infotafeln am Boden erklärt (Chinesisch und Englisch). Folgerichtig geht es zuerst ums Europa des 19. Jahrhunderts, als der Sattel auf einer Art Ast befestigt und Pedalen noch ein Fremdwort war, sodass es sich vielmehr um ein großes Laufrad gehandelt hat. Von Federung ganz zu schweigen, wie auch, bei einer reinen Holzkonstruktion. Die fehlt auch in der nächsten Evolutionsstufe, wo man auf die schlaue Idee kam, eines der Räder enorm groß aufzuziehen. So konnten höhere Geschwindigkeiten ermöglicht werden, denn auch Schaltungen waren noch nicht erfunden. Zugegeben, diese verrückten Maschinen sehen schon sehr cool aus und mit einer von ihnen würde ich garantiert viel Aufmerksamkeit erregen, wenn nicht sogar auf höhere Geschwindigkeiten kommen als mit meinem jetzigen Rad. Weil die Leute so oft über den Lenker fielen, hat man dann übrigens darauf umgestellt, das kleinere Rad an die Front zu versetzen, nur um wenig später die Gangschaltung zu erfinden.



Genau deswegen konnte man auf gleich große Räder umstellen, was auch stabilere Rahmen als simple Holzbalken mit sich brachte. Wie ich finde, sind einige sehr stylische Produkte daraus hervorgegangen. Trotzdem bin ich umso froher darüber, ein so modernes Fahrrad zur Verfügung zu haben.

Nach Taiwan sind die ersten Fahrräder übrigens nach 1949 (aus Japan) gekommen. Rein praktische Anforderungen haben sie zu unterschiedlichen Designs geformt, prinzipiell in zwei Hauptrichtungen. Die „Elegant Bikes“ waren entweder für Frauen oder für die simple Personenbeförderung von Akademikern gedacht, also auf Leichtigkeit und Eleganz ausgelegt. Währenddessen waren die „Macho Bikes“ fast schon unmotorisierte Motorräder, deren Gepäckträger in Richtung Ladefläche ging und denen man die Robustheit von weitem ansehen konnte.

Des Weiteren macht das Museum im Allgemeinen Werbung für Fahrräder aus Taiwan, kein Wunder. Als in den 1970ern die Nachfrage und damit auch das Angebot aus dem Ausland wuchs, erwuchsen die beiden heutigen Fahrradriesen GIANT und Merida und taten sich sogar zusammen, um gegen die Import-Konkurrenz bestehen zu können. „We hope that Taiwan will be the brightest bicycle island in the world.“ Dass der Museumsbetreiber beide Firmen gleichwertig benennt, finde ich schon beeindruckend. Verständlicherweise geht es im Folgenden aber nur um Produkte der Hausmarke. Bspw. verließ das weltweit erste massenhaft produzierte Karbon-Fahrrad 1987 eine taiwanesische Giant-Fabrik. Viele weitere sollten folgen, wie anhand der Erfolge spanischer Rennsport-Teams dargestellt wird.


Dann gibt es eine Halle, die sich auf die Wissenschaften hinter Fahrrädern konzentriert. „Gyroscopic Effect und Caster Effect“ beschreiben die logischen Prinzipien, warum man beim Fahren nicht umfällt und sind entsprechend logisch, lassen sich aber nur kompliziert in Worte fassen. Es gibt Erklärfilmchen zu fast allem und leicht interaktive Maschinen. Z.B. kann ich mit einem Steuerrad den Streckenwinkel einstellen und die Gravitation berechnen lassen, Pedalen in Schwung versetzen oder unterschiedliche Materialien miteinander vergleichen wie in einem Videospiel oder Persönlichkeitstest. Es gibt eine Baustein-Bastelecke für Kinder und an einem Bildschirm kann man sich grob die Konstruktion eines persönlichen Fahrrads zusammenstellen. Giant benutzt für seine Fahrräder übrigens die 6011A-Legierung, das scheint sehr wichtig zu sein. Außerdem wird Taiwan als „Kingdom of Bicycles“ betitelt. Ich kenne Länder, die da bestimmt ein Wörtchen mitreden wollen würden.



Die Frau vom Eingang ist mittlerweile auch in der Ausstellung und damit sind scheinbar genug Gäste da, um das VR-Event der Ausstellung stattfinden zu lassen. Der eine virtuelle Welt vorgaukelnde Helm stellt mein Sicht etwas unscharf, auch die Umgebung sieht eher nach Videospiel aus den Nullerjahren aus. Dafür können wir jetzt auf Steppern gegeneinander fahren, wobei eine Stimme die unterschiedlichen Skills des Rennsports erklärt. Am Ende geht es aber nur darum, Gas zu geben und ins Schwitzen zu kommen. Die zwei Mitarbeiterinnen stehen die ganze Zeit neben uns, man soll die Hand heben, wenn es einem schlecht geht, und nach den fünf Minuten Wettkampf werden wir nicht nur gefragt, ob alles in Ordnung sei, es gibt auch kaltes Wasser.


Die Frau, die übrigens perfektes Englisch spricht, zeigt sich beeindruckt von meinem Erdrutschsieg gegen sie. Also muss ich erzählen, woher mein unfairer Vorteil rührt, schließlich bin ich aktuell gut in Form. Sie hat den Rundtrip aber selbst einmal gemacht, mit einer geführten Tour vom Branchenprimus. Neun Tage dauert das Ganze dann, beeindruckend. Sie sei in Hsinchu aufgewachsen, wohne aber seit jeher in den USA und ist aktuell nur für Urlaub hier. Höflich bedankt sie sich für das Teilen meiner Erfahrungen und gibt mir den guten Tipp auf den Weg, wegen meinem Rücken vielleicht eine Massage aufzusuchen.
Durch die imposante Eingangshalle geht es ins zweite Stockwerk. Ein gelangweilter Mitarbeiter am Eingang bietet mir Hilfe bei einem Foto an und mir fällt auf, wie viel Aufwand in dieses Museum gesteckt wurde. Die blauen Fliesen und das generelle Farbdesign sind erkennbare Absicht, wo nötig, wurden keine Kosten gescheut. Sinnsprüche und sonstige Zitate auf Schildern werden nicht gescheut, am besten gefällt mir: „Although, it’ s not that easy, the challenge of going around Taiwan on a bicycle, is, truth be told, the best way to go around and experience the beauty of the country.“ Von Michael Vincent Manalo.


Oben wird das schöne Blau von Rot und Braun abgelöst, passend zu den nun behandelten Mountainbikes. Diese wurden in den 1970ern in Kalifornien erfunden und natürlich ebenfalls bis zum Gehtnichtmehr variiert. Es gibt einen Ruckel-Simulator, der aber nicht viel krasser ist als die Motorrad-Spielmaschine in Taitung, auf der ich gegen Ihsan gerast bin. Lustiger ist da schon ein Showroom mit Greenscreen, in dem ein Mountainbike steht. Sobald man den Prozess startet, werden alle drei Sekunden Bilder geschossen, letztlich entsteht eine downloadbare Fotomontage vor Bergkulisse. Mit meiner bin ich äußerst zufrieden.

Langsam finden sich doch ein paar andere Fahrradinteressierte ein, vorrangig Rentner, wer auch sonst. Ich wusste ja von James, dass das Museum interaktiv ist, aber hier gibt es fast nichts, das es nicht ist! Dort, wo die Gesundheit des Zweiradsports hervorgehoben wird und die Beteiligung sämtlicher Körpermuskulatur erklärt wird, gibt es Test, um die Ziehkraft der eigenen Finger, die Rumpfstabilität bei Bremsvorgängen oder verschiedene Sattelmaterialien auszutesten. Mit einem simplen Test bezüglich Körpergröße und anderer Parameter findet man sein perfektes Fahrrad und nebenbei werden weitere Prachtstücke der Ingenieurskunst auf glänzenden Silberflächen ausgestellt, als wären es Limousinen.
Interaktive Wände (bezüglich der Jahreszahlen) gehen auf die weltweite Luftberschmutzung ein, u.a. hat eine Studie wohl herausgefunden, dass Kaohsiung die Stadt mit dem meisten Stau ist. Sinnvolle Statistiken über E-Bikes, etwa dass 74% aller Nutzer nach einer elektrischen Fahrt keine Dusche nehmen, kommen dazu. Eine winzige Teststrecke für ausgestellte YouBikes lässt sich gerade nicht nutzen. Dahinter steht ein Modell mit Fahrradwegen durch einen Kiez und es werden die angeblich fahrradfreundlichsten Städte der Welt vorgestellt: neben Amsterdam und Kopenhagen scheinbar auch Portland, Tokyo und natürlich Taipei. So viel Patriotismus muss wohl sein, auch wenn ich die Stadt eher im Mittelfeld sehe. Laut Infowand ist es übrigens auch ein Ding, die Nord-Süd-Route, also Taipei nach Kaohsiung, am Stück zu bestreiten. 380 Kilometer in erwarteten 24 Stunden, alle Achtung. Das muss ich direkt Philipp schicken, der ja behauptet, genau das von 0 bis 0 Uhr schaffen zu können. Ich würds lieben, wenn er es versuchen würde.
Den letzten Raum vervollständigen typische Imagefilme von Leuten in Afrika, die ihrer Familie nur deshalb ein besseres Leben ermöglichen können, weil sie gelernt haben, Fahrräder zu reparieren und für den nebenbei erwähnten Sponsor von Dorf zu Dorf ziehen. Es gibt Fahrradpostkarten zum Ausmalen und als Allerletztes wartet ein „movie room“. Neben tollen Bildern aus Taiwan wird der Gründer von Giant gezeigt, 劉金標 „Liújīnbiāo“ King Liu, der auf seine 91 Jahre und darauf hinweist, dass er wegen Fahrradfahrens im jungen Alter keinen Rollator benötige. Er sieht wirklich sportlich aus und ist garantiert derjenige, der so viel Geld in das wenig besuchte Museum (na gut, es ist Dienstag Nachmittag) gesteckt hat. Abseits der allgegenwärtigen Eigenwerbung habe ich trotzdem großen Respekt vor seiner Lebensleistung, so scheint er auch an der Entwicklung vieler Fahrräder beteiligt und damit nicht nur ein Manager gewesen zu sein. Einen schlauen Spruch hat auch er auf Lager: „Driving is too fast, walking is too slow, riding is the best way to enjoy the most beautiful scenery in life.“

Mit der freundlichen US-Amerikanerin besuche ich noch den Museums-Shop, der erwartet teuer ist, selbst mit „25% discount“ und einem Mitarbeiter, der zu jedem Produkt etwas erzählen kann. Leider gibt es weder Portemonnaies (meins geht langsam zu Bruch) noch EasyCards in Fahrraddesign (was wahnsinnig cool wäre), dafür jede Menge anderen unnötigen Krams. Darunter hunderte Anstecker mit Fahrradmotiven, Holzformen als Wanddekoration, Fahrradhelme in Drachenkopfform, Brotdosen in Walfischform (für die Umwelt), Kugelschreiber mit Museumslogo oder ein Handtuch mit Zeichentricklandschaft, das meine Bekanntschaft sich kauft. Mehr Auswahl gebe es aber im flagship store von Giang, der sich natürlich auch in Taichung befinde, im Stadtzentrum. Lustigerweise will sie später auch noch zum 春水堂 創始店 „Chūnshuǐ táng chuàngshǐ diàn“ The Original Store of Chun Shui Tang. Dort wurde der Bubble in Taichung erfunden und ich denke, man muss einfach einmal dort gewesen sein. Vielleicht trifft man sich dort, vielleicht auch nicht. So lockere Begegnungen machen mir richtig Spaß, jeder zieht sein Ding durch, ohne Zwänge.

Dennis, der gestern seinen ersten Tourtag (ab Kaohsiung) hatte, informiert bzw. fragt mich regelmäßig zu seinen Erfahrungen, immerhin hat er noch nie eine Fahrradtour gemacht, schon gar keine dreiwöchige mit Zelt. Am ersten Tag ist er 40 Kilometer weit gekommen und hat sich Dornen aus den Dünen eingefangen, weshalb er tierische Angst vor einem Platten hat, allerdings etliche Kilometer vom nächsten Store entfernt ist. Das alles ist noch halb so schlimm, denn gerade schickt er mir ein Bild, auf dem eine abgebrochene Speiche zu sehen ist, versehen mit der lustigen Bemerkung: „Hinterrad eiert ganz schön, aber bin weit von Taitung Store weg.“

So verlasse ich nach gut dreieinhalb Stunden das Museum, das war es wohl wert. In der Nähe liegt die „Luce Memorial Chapel“, eine elegant geformte Kirche, die ich vor ein paar Monaten auf Google Maps entdeckt hatte. Dafür muss ich nur den Park eines Unigeländes betreten, und tada, auf einer freien Wiese steht sie. Wenige andere sind genauso begeistert wie ich und schießen Fotos in der Abendsonne, gehen rein, setzen sich auf eine der Bänke. Faszinierend finde ich die von außen nicht so erwartete Beton-Kassetten-Wandstruktur. Mit dem Holz der Möbel ergänzt sie sich zwar gut, noch besser fände ich aber eine Bemalung. Vielleicht in dunkelrot oder zumindest einem einheitlichen Grau. Unter Architekten werde ich mir damit kaum Freunde machen, aber ich springe auf den Sichtbetonhype halt nicht so sehr an. Europäische Klaviermusik schafft ein ungewohntes Ambiente, sehr relaxend.


Auf dem Heimweg fällt mir erst so richtig auf, wie schräg die gesamte Stadt ist. Das beschränkt sich nicht nur auf den einen gestern gefahrenen Abschnitt oder den hügeligen Anstieg zum Museum, aus dem Bus heraus nehme ich eine kuhlenförmige Stadtordnung wahr, in der sich von Westen und von Norden aus alles abneigt. Im Lebensalltag bestimmt ziemlich unangenehm und für YouBike-Fahrer wahrlich keine Motivation. Eine weitere Bemerkung muss ich mir gestatten, denn ziemlich sicher verläuft der Müllabfuhr-Äquator durch Taichung (in Anlehnung an den Aldi-Äquator in Deutschland). Zum ersten Mal vernehme ich sowohl die „Für Elise“-Melodie als auch diejenige aus dem Landessüden, wie verwirrend!
Zu meinem Glück gibt es am Bubble-Tea-Ursprungsladen keine Schlange, trotzdem werden die wenigen Gäste wie im Bürgeramt aufgerufen, mit dreiziffriger Nummer und einer minimal übersteuerten Ansage. Ich will einfach nur das Hauptprodukt probieren, mit 90$TD (2,50€) für einen Bubble Tea teuer genug, da kann ich auf das Abendessen verzichten. Er schmeckt, nun ja, wie ein milk pearl tea. Das Eis ist gut gecrusht und die Perlen sind irgendwie deutlich kleiner als normal, ansonsten aber eindeutig nichts besonderes. Gut, 1983 wurde genau dieses Rezept erfunden. Das ist wirklich nicht soo lange her, wenn man mal darüber nachdenkt. Okay, abgehakt.

Bleibt noch der berühmte „Miyahara“-Eisladen, der ebenfalls um die Ecke meines Hostels liegt. Auch hier keine Schlange und das Eis wird sehr ähnlich dem von gestern Abend serviert. Gewellte Waffel, Kugeln meiner Wahl, ausgewählte Toppings wie pineapple cake, cranberries oder Kekse. Geschmacklich gut, aber nicht atemberaubend. Dafür ganz schön teuer, aber man bezahlt halt auch für das Image. Jetzt kann ich jedem erzählen, dass ich in den beiden Läden war.

Wie erhört, wartet Giuseppe von heute Morgen am Fahrstuhl und muss nach meinem Bericht direkt zum Bubble-Tea-Laden. Als er zurückkommt, zieht er ein langes Gesicht. Ups, vielleicht hätte ich ihm auch meine Bewertung erzählen sollen…
Ein kleines Tagesfazit: Entgegen meiner eigenen Erwartung habe ich das Zeitfenster irgendwie sinnvoll gefüllt und habe mich an keinem Punkt so gefühlt wie letzte Woche in Taipei. Wenn man unterwegs ist, hat man nämlich sowieso kaum Zeit für Unterhaltungen oder Aktionen mit Fremden, weshalb der Tag viel schnelllebiger wirkt und man vielmehr das Gefühl hat, sich mit mehr Zeit vor Ort auch hätte beschäftigen können. In Taipei ging es mir genau umgekehrt, ich habe mich alleine und ohne Plan gefühlt, weil die Stadt ihrem Alltag nachgegangen ist und ich ziellos unhergetingelt bin (obwohl ich im Museum war und andere Sachen gesehen habe). Taichung war diesmal aber anders, ich hatte von vornherein einiges zu entdecken und kurze Begegnungen mit anderen haben sich so günstig ergeben, wie sonst auf der Fahrradtour selbst.
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