車城 Checheng -> 墾丁 Kenting
Obwohl ich alleine in meinem Zimmer bin, schaffe ich es, durch das Schnarchen eines anderen eine ungemütliche Nacht zu haben. Die Holzwände sind dünn wie Papier und der Mann nebenan könnte mit seinen Schlafgeräuschen Popcorn rösten. Naja, mit AirPods habe ich es irgendwie hinbekommen, bis zum Dauerklingeln seines Weckers durchzustehen. Das sind mir ja liebsten, tief und fest schlafen und dabei anderen möglichst doll auf die Nerven gehen, mit Schnarchen und Snoozen.
Eigentlich wollte ich von Kenting aus einen Abstecher nach 蘭嶼 „Lányǔ“ machen, denn die Insel sieht super spannend und idyllisch aus. Zwar kostet ein Fährticket schon 1.200$TD (knapp 33€) und die Fähre fährt nur einmal am Tag um sieben Uhr morgens, allerdings sind es vor allem die Unterkunftspreise, die mich davon abhalten sollen. Mindestens 2.000$TD (knapp 55€) pro Nacht gebe ich nur sehr ungern zusätzlich aus, besonders weil eine Nacht kaum reichen wird, um alles zu erkunden. Insofern muss ich mir einen Plan B überlegen, der natürlich spontan entsteht. Glücklicherweise gibt es im ‚richtigen‘ Kenting (weiter südlich) noch mehr halbwegs billige Hostels und baden wollte ich sowieso mindestens einmal, also ist heute dafür die perfekte Gelegenheit. Außerdem sind seit meinem letzten Pausetag schon wieder vier volle Powertage vergangen und wenn ich jetzt weiterfahren würde, wäre ich viel zu früh am Ende der Tour.
Um zehn gurke ich langsam los, nehme den längsmöglichen Weg entlang der Küste. Wohin genau es mich führt, weiß ich nicht, aber ein Frühstücksstopp bietet sich schnell an. Der Wind weht so stark, dass ich das Rad sicherheitshalber an dem Schild anschließe, das den Beginn einer Wanderroute markiert. Allerdings bedeutet Wanderroute hier nicht mehr als zehn Minuten laufen, die Hügel sind wirklich überschaubar hoch. Es ist leider einer dieser Wege, auf dem die grob in den Hang gezimmerten Stufen so große Abstände haben, dass man nicht so genau weiß, wie viele Schritte man am besten macht. Am ehesten funktionieren zwei pro Auftritt, allerdings belastet das erstens das eine Bein viel mehr und zweitens mich, der gerne etwas symmetrischer laufen würde. Aber die Buschzweige spenden angenehmen Schatten-Licht-Kontrast. Oben hat man die Auswahl zwischen mehreren Aussichtspunkten, von all denen man aufs Meer blickt.


Ich gelange an eine alte Ruine, auf deren Mauern es sich schön sitzen lässt. Während Familien mit Kindern vorbeikommen, lasse ich die Beine baumeln, verzehre meine Brötchen und denke darüber nach, wie viel kälter es gerade auf Grönland sein muss. Aber nicht nur dort, bereits auf Höhe von Hualien sieht es ab übermorgen eher grau und kalt aus. Ich habe noch Zeit und Taitung scheint nicht betroffen, trotzdem sorge ich mich ein wenig. Andererseits kann ich es auch nicht ändern, nur den Sonnenschein hier aufnehmen. Sonnencreme habe ich übrigens drauf, gerade weil ich den dritten Tag in Folge mit kurzen Sachen fahre. Laut einem Infoschild stammen die alten Mauern aus der Zeit der Japaner, die 1874 (Zeit der Ching-Dynastie) einen lokalen Stamm ‚übernommen‘ und daraufhin ihre militärische Präsenz in der Region ausgebaut hatten. In der vor mir liegenden Bucht steht ein großer Gebäudekomplex, der auf den ersten Blick nach Luxusressort aussieht, laut dem Schild aber ein Museum über Maritimbiologie ist.

Auf der anderen Bergseite finden sich kleine Militärtunnel, in die man sich bei Interesse hineinzwängen darf, und der Blick nach Norden. Dort bin ich gestern hergekommen, die Strecke sieht von hier oben ziemlich beeindruckend aus.


Dann fahre ich langsam weiter, und bevor ich mich zu Tode langweile, entscheide ich mich kurzfristig dazu, dem Museum nebenan einen Besuch abzustatten. Fahrräder parken kostenlos, aber auch sonst ist der überdimensionale Parkplatz höchstens zu zehn Prozent ausgelastet. Es gibt Studentenrabatt, sodass mein Ticket statt 450$TD (12,20€) nur noch 250$TD (6,80€) kostet. Wie schön, dass mein Ausweis gar kein Datum vom Semester enthält, damit kann ich theoretisch den Rest meines Lebens ermäßigte Eintritte in Taiwan bekommen. Zumindest, solange ich halbwegs nach dem Bild darauf aussehe. Eines der großen Gebäude ist wohl nur für Eingangsprozesse und die Abfertigung der Massen gedacht, dahinter wartet ein riesiger, weitgehend leerer Hof, den man zum Hauptgebäude überqueren muss. Obwohl, zwei Dinge gibt es doch: ein leeres Wasserbecken mit Plastikfiguren von Tieren und einen coolen Springbrunnen mit Walstatuen. Ein wenn ich genau überlege, doch recht teures Softeis für 100$TD (2,70€) schmilzt innerhalb von Augenblicken, besser ist es in der richtigen Ausstellung.


Eine Haupthalle teilt die zwei Ausstellungsgänge und präsentiert sich selbst mit mobileartigen Fischen, die von der Decke hängen. Unterwegs sind mal wieder Senioren sowie junge Familien, deren Sprösslinge sich wahnsinnig für schwimmende Fische begeistern können.

Der erste Rundgang fängt mit mehreren zylinderförmigen Aquarien an, die vornehmlich Korallen und ihre diversen Ausprägungen zeigen. Die Texte sind zwar ausschließlich auf Chinesisch, aber man kann, etwas umständlich, und wenn man nicht sowieso alles mit Google übersetzt, einen QR-Code einscannen und alles auf Englisch bekommen. Auf jeden Fall gibt es ganz nette Formen und Farben, die „brain coral“ bspw. sieht wirklich sehr nach einem Gehirn aus. Durch das leicht vermilchte Glas sieht die gezeigte Unterwasserwelt leider so aus, als würde irgendwas gammeln und das Leben dort früher oder später verschwinden. Das deckt sich also mit einer Google-Rezension, die das Museum für die später kommende Wasserwelt lobt, die Anlagen generell aber als „verranzt“ beschreibt.


Das, was ich mir durchlese, ist eindeutig für Kinder oder Minderbemittelte geschrieben und geht wenig in die Tiefe. Das heißt nicht, dass ich alles schon wusste, im Gegenteil, aber schwer zu verstehen ist es auch nicht. Korallenriffe dienen vielen Meerespopulationen als Schutz vor starken Wellen und generell als Rückzugsort für den Vermehrungsprozess. Es folgt ein Riesenzylinder und mein inneres Kind kommt raus, das einfach nur Spaß hat, den Fischen beim Umhereiern zuzugucken und auf die Glubschaugen zu starren.

Das wenige Erklär-Englisch lässt stark zu wünschen übrig, so laufe ich vor allem durch die Gänge und gucke umso mehr. Highlight ist ein riesiges Becken, in dem unzählige verschiedene Arten schwimmen und an dessen Boden mehrere Glasgänge mit kreisförmigem Querschnitt haften. Obwohl das Glas alles andere als durchsichtig ist, reicht es, um die fetten Rochen, vielen Glubschaugen und sonstige Arten zu bestaunen. Besonders cool finde ich einen Rochen, der sich am Boden liegend mit Kies eingedeckt hat, allerdings offensichtlich atmet und leicht als lebend zu erkennend ist.

Zwischendurch lerne ich, dass dunkle Unterwasserhöhlen mehrheitlich von Peitschenkorallen („whip corals“) und Tassenkorallen („cup corals“) bevölkert wird. Sie bieten den Tieren Schutz, die nachtaktiv sind und das Tageslicht scheuen. Schluchtartige Tiefseecanyons haben einen ähnlichen Zweck, sie funktionieren außerdem hervorragend als vertikale Stadt der Meereswelt. Des Weiteren sind Aalschwärme zu sehen (ich habe ja gestern welche gegessen, insofern sehr interessant), die sich zu einer großen Kugel formieren, um Gegner abzuwehren. Moränen (bis jetzt wusste ich nicht einmal, wie diese Tiere aussehen) verstecken sich tagsüber in Spalten löchriger Felsformationen, wobei sie ihren Kopf rausgucken lassen, um ihr Territorium zu markieren. Junge verstecken sich hingegen gänzlich, sehr lustig anzusehen. Erst nachts trauen sie sich hinaus und fangen ihre Beute, also Garnelen und anderes Kleinvieh. Außerdem ist die Haut der Tiere so derart faltig und sie sind so derart massiv, dass sie mich sofort an einen berühmten Charakter aus Star Wars erinnern…


Das Dach über dem Show-Becken ist gut sichtbar und durch die unsauberen Scheiben sind Fotos nicht so gut, wie sie sein könnten, aber für den Preis beschwere ich mich nicht. Ich finde eher cool, wie mit dem scheinbar (verhältnismäßig) niedrigen Budget trotzdem vieles umgesetzt wurde. Beispielsweise verläuft der letzte der Tunnel in ein altes Schiffswrack hinein, das scheinbar wirklich mal irgendwo auf Grund gegangen ist. Praktisch, denn so wird auf „artificial reefs“ eingegangen. An altem Metall sammeln sich zuerst Seepocken und Muscheln en masse, bevor diese abfallen und nach und nach eine kalkhaltige Oberfläche entsteht, die wiederum Nährboden für jedes Riff ist. Hoffentlich habe ich das korrekt wiedergegeben. Hier finden besonders kleinere Organismen Schutz, die auf engem Raum einen Vorteil ihren großen Jägern gegenüber haben. Manche Arten gehen sogar Symbiosen ein, wie der Kronenfisch und die Seeanemone. Letztere bieten gemütliche Zufluchtsorte, während der erste sie vor der nächsthöheren Stufe in der Nahrungskette beschützen kann.


Danach folgt der obligatorische Hinweis auf das weltweite Korallensterben und dass bereits viel unternommen werde, um das zu verhindern. Aha, eine optimistische Botschaft also. Weitere Aquarien zeigen noch mehr interessante Fische, allerdings wird mir irgendwann schlecht. Die Glaswände sind entweder konkav oder konvex geformt, wenn man nicht gerade nach vorne durchschaut, verzerrt sich alles, so wie wenn man sich eine Brille mit falscher Stärke aufsetzt. Nachdem einige Skelette mittelgroßer Fische gezeigt werden, kommt die zweite Hauptattraktion: der Belugawal. Viele werden vor allem den nach ihm benannten Frachtflieger aus der Airbus-Werkstatt kennen, aber genau so sieht das Tier halt auch aus. In einem riesigen Becken, allerdings wirkt es ohne Dekorstion trist und karg, schwimmt der kleine Wal seine schnellen Runden. Jedes Passieren des Menschentunnels löst große „Ohh“s und „Ahh“s aus. Dass so ein spezielles Lebewesen hier aufwartet, überrascht mich ehrlich. Ein Mitarbeiter steht übrigens konstant im Tunnel und beobachtet, vermutlich das Verhalten des Tieres. Ich kann nur hoffen, dass es den Tieren gut geht, als Nicht-Zoologe ist das schwer zu beurteilen.

Auch Quallen darf man beim sphärischen Tauchgang zusehen. Der lila Hintergrund schafft eine Atmosphäre, die genauso gut der Weltraum sein könnte. An alten Kabelhörern kann man sich Delfingeräusche zuspielen lassen, außerdem finden sich jede Menge andere Spielzeuge für Kinder, die in meinen Augen keinen Sinn ergeben. Bspw. ein Wasserrad, das man um des Drehend willen drehen kann… Interessanter finde ich noch eine Grafik, die für ausgewählte Tiere und den Menschen jeweils das absolute Gehirngewicht und den Prozentsatz dessen am Gesamtgewicht bemisst. Kein Wunder, beim Menschen ist der Anteil mit niedrigen einstelligen Ziffern natürlich am höchsten. Am Ausgang darf das Restaurant-Menü nicht fehlen, angepriesen werden logischerweise Fischgerichte. Hoffentlich haben sich die Besucher noch nicht satt gesehen…
Der zweite Ausstellungsgang behandelt den Kreislauf des Wassers. Wie das Regenwasser ins Meer gelangt usw. dürften Allgemeinwissen sein. Interessant finde ich Mündungen in die Ozeane, die in tropischen Regionen ein eigenes Ökosystem darstellen. An diesen Stellen verlangsamt sich das Süßwasser und setzt Partikel ab, wodurch sich diejenigen Matschflächen ergeben, die man gemeinläufig als Mangrovensumpf bezeichnet. Je nach Jahreszeit sind diese teils sehr trocken und trotzdem schaffen einige Fische es, mit ihren Flossen darauf zu waten. Erwähnt werden auch die westtaiwanesischen Austernfarmen, die angeblich auf langer Tradition beruhen. Vielleicht waren es genau diese Teiche, die mich in den letzten Tagen zu Hauf begleitet haben.


Nach einer recht spannenden Fütterung, in der alle Akteure wie verrückt auf die kleinen ins Wasser geworfenen Snacks feiern und sich gegenseitig aus dem Weg rammen, habe ich alles Wichtige gesehen und chille mich noch etwas auf die Museumsterrasse. Hier gibt es jede Menge Speisemöglichkeiten und sogar Spielplätze für die mitgebrachten Kinder. Am schönsten ist für mich aber der Meeresblick, auf dem sich die stark reflektierende Mittagssonne zeigt. Außerdem sieht man den Gebäuden von außen klar an, wie alt sie wohl sein mögen.


Nach etwas mehr als anderthalb Stunden reicht es mir dann, soweit so gut. Es hat sich bestimmt gelohnt, denn ohne diesen Besuch wäre ich vermutlich nur länger in irgendeinem 7/11 geblieben. Außerdem war das jetzt schon mein sechster Museumsbesuch in Taiwan (nach der Kunstgalerie in Kaohsiung mit Aurora, dem Arbeitsmuseum in Kaohsiung mit Anna und Buggi, dem Naturmuseum in Taichung, dem Fahrradmuseum in Taichung und dem Palastmuseum in Taipei), kulturtechnisch habe ich meinen Mindestsold erfüllt.
Ich fahre eine ganze Weile an der Küste und passiere viele Bereiche, die erstaunlich untouristisch und eher lokal geprägt sind, obwohl man sicherlich gut mit Hotelburgen verdienen könnte. Autorastplätze, Privathöfe, wilder Dschungel, insgesamt eine ruhige Gegend. Am ersten richtigen Strand stelle ich mein Fahrrad ab und esse im nebenliegenden 7/11 zu Mittag. Dann raffe ich mich auf, mich auf der superengen Damentoilette (die Männertoilette hat nur ein Urinal hinter einem Vorhang ab Kniehöhe) umzuziehen und setze mich an den Strand. So richtig, richtig gebadet bin ich in Taiwan eigentlich noch gar nicht. Auf 小琉球 „Xiǎo liúqiú“ war das Wasser nicht einmal knietief und auf 綠島 „Lǜ dǎo“ war ich kaum länger als zwanzig Sekunden drin. Kaohsiung hat leider kaum einladende Strände und auch sonstwo bin ich nie dazu gekommen. Okay, ich gebe zu, meine allergrößte Priorität ist es auch nur gewesen, gerade nach der Seeigel-Erfahrung direkt am Anfang.

Der Strand in Kenting ist aber traumhaft, es gibt rein gar nichts auszusetzen. Er war ja bereits Ende Oktober ziemlich leer, und auch jetzt verteilen sich vielleicht zwanzig Leute über die Gesamtbreite, inklusive Strandpersonal auf Mini-Traktoren. Mit einem Wasser und einem ‚Honigbrot‘ setze ich mich an die natürliche Uferkante und schaue erst einmal lange zu, wie die Wellen Näherkommen und smooth wieder abziehen. Von einem Mitarbeiter lasse ich mir sagen, dass die eine Zone zwischen zwei Fahnen wirklich fürs Schwimmen gesperrt ist, warum auch immer, und setze mich weiter nach rechts. Die Sonne scheint einem ins Gesicht, auch mit Sonnenbrille noch ziemlich hell. Für den Untergang habe ich mir vorgenommen, nochmal nach Maobitou hochzufahren, wo ich im Oktober mit Verena war und den auch Dennis mir stark ans Herz gelegt hat, also gehe ich vorher ins Wasser. Um Wertsachen brauche ich mir keine Gedanken machen, die Teile rührt hier niemand an. Die Fahrradtaschen sind sowieso noch am Bike, das vor dem 7/11 steht, es könnte aber genauso gut in der nächsten Ortschaft stehen.
Das Wasser ist super warm, der Sand super weich. Noch mehr Superlative? Der Wellengang ist super angenehm, nicht zu hoch, nicht zu langweilig flach. Das Wasser ist super salzig, die Sonne super warm, kurzgesagt, hier zu baden fühlt sich super an. Obwohl ich ausschließlich auf den weichen Boden einer Sandbank trete, lässt mich der Respekt vor Seeigeln nicht los und ich walte vorsichtig. Als Wasserangsthase schwimme ich außerdem nicht weit raus, sondern lasse mich hin- und hertreiben, mache den toten Mann, hüpfe über die Wellen. Und ich beobachte die Landschaft. Im Süden sieht man vor allem Berge des Regenwalds und zwei farbige Häuserkomplexe, im Westen erstreckt sich die Landzunge, auf der der angesprochene Park liegt, außerdem besteht die Küste dort aus vielen Felsen.

Trocknen tue ich im Wind sehr schnell. Rechtzeitig erreiche ich eine halbe Stunde später den 貓鼻頭公園 „Māo bítóu gōngyuán“, übersetzt den Katzennasenpark. Dem Namen alle Ehre machend, findet man natürlich jede Menge Katzen sowie eine große Katzenstatue. Landschaftsbilder von dort habe ich bereits Ende Oktober gepostet, wunderschön ist es immer noch. Besonders befreiend ist die Panoramasicht in fast jede Richtung, denn der Berg ist der höchste im Kollektiv der Landzungenhügel.




Der Preis für diese Perspektiven ist die Heimfahrt im Dunkeln. Heimfahrt ist aber übertrieben, die Hostelbuchung ist gerade einmal zwei Stunden alt. Mit Lichtern komme ich aber gut durch, nur ein Hund auf einem benachbarten Motorrad fühlt sich verpflichtet, mich zu erschrecken. Der Wind nervt ebenso, aber daran werde ich mich ab jetzt wohl gewöhnen müssen. Im Süden der Insel sowieso, wo der Wind macht, was er will. Aber auch danach soll es tendenziell von Nordosten her wehen. Kein Problem, ich habe Zeit, viel Zeit.
Zwar war die Route nicht besonders lang, trotzdem habe ich sie aufgezeichnet: hier der Komoot-Link. Das Hostel liegt direkt am Night Market, wie praktisch. „My Home“ heißt mich freundlich willkommen, nach Hinweisen auf Speise- und Raucherverbot bekomme ich auch schon den Zimmerschlüssel. Der Schlafsaal ist nicht nur in mit Wänden getrennte Kojen gegliedert, er fühlt sich geradezu an wie ein Tresor. Passend zu meinem Elternhaus bekomme ich die Nummer 12D und schließe mich zum Auspacken erst einmal ein. Die Wände sind mit historischem Zeitungspapier bedruckt und es gibt sogar einen Smart-TV und Lüftung. Für 400$TD (knapp 11€) gar nicht so schlecht.


Ich vernehme die Stimmen anderer Westlicher, bin aber mit mir selbst beschäftigt und habe wenig Lust, mit Leuten mit Ballermann-Mentalität abzuhängen. Genau das dürfte Kenting nämlich für viele sein. Der Night Market, auf dem ich mir mein Abendessen (Fried Squid und Bubble Tea) hole, hat ein außergewöhnlich touristisches Alkoholangebot, spielt überrreizende Sauflieder und bewirbt seine Produkte aggressiv. Ich telefoniere dann noch länger mit einem Freund in Berlin und stelle mich mental auf morgen ein. Der anstrengendste Abschnitt mit fast einem Kilometer Höhensteigung wartet auf mich, und dabei schreien meine Oberschenkel eigentlich nach noch viel mehr Pause. Egal, wer was Schönes sehen will, muss leiden.
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