成功 Chenggong -> 花蓮 Hualien
Nicht einmal ansatzweise bin ich seit Tourbeginn so früh aufgestanden wie heute. Aber die Strecke fährt sich nicht von selbst, deshalb geht’s ab sechs Uhr auf die Socken. Draußen ist es lauwarm, jedenfalls friere ich in Unterhose nicht sofort ein. Auch ist es schon sehr hell, obwohl der Sonnenaufgang noch auf sich warten lässt. Still und heimlich verlasse ich das Gut und düse bis zur 三仙台橋 „Sānxiāntái qiáo“, der achtbogigen Brücke von gestern. Sie liegt am Ostzipfel des hiesigen Küstenabschnitts und führt auf eine unberührte grüne Insel. Von Sonne ist zwar keine Spur, aber die dunklen Wolken und die rübergehende Gischt erzeugen eine unheilvolle Spannung. Episch.

Die Brücke wurde laut einem Infoschild 1987 errichtet und ist ganze 344 Meter lang, kaum zu glauben. Es ist aber wirklich ein bisschen nervig, die Strecke hinter sich zu bringen, denn der stetige Wechsel aus Treppenstufen an den Stützen und bogigen Flächen über den Arkaden ist mir viel zu unrhythmisch. Theoretisch würden die 330 Tonnen etwa 1500 Menschen aushalten. Woher die kommen sollen, bleibt aber unklar.
Außer mir sind eine Handvoll weitere Schaulustige und drei Fischer in Ponchos bereit, die frühen Morgenstunden zu nutzen. Ich habe aber den größten Zeitdruck und eile daher vor allen anderen auf die Insel. Es ist nicht zu unterschätzen, wie weit man auch auf dieser noch laufen kann, ein Steg durch die Sträucher zieht sich in die Länge. Man soll keine Tiere füttern, denn das Ökosystem sei sehr empfindlich. Hinter dem ersten Felsen erscheinen weitere, und auf einen kann man sogar hinaufklettern. Von dort kann ich in viele Richtungen schauen, ebenfalls sehr beeindruckend. Den letzten Part zum Leuchtturm und den Klippen direkt am offenen Meer bestreite ich leider nicht, denn ich habe meine Regenjacke noch beim Fahrrad und will keine Volldurchnässung am Beginn der Tagestour riskieren.


Wirklich regnen tut es dann aber nicht, weshalb sich mein Rekord vorerst ausbaut. Die paar Tropfen nach Dawu zähle ich nicht. Dennis ist im Norden jetzt schon mehrfach ausgerutscht und auch Anna und Buggi schreiben Unerfreuliches aus Keelung. Mal schauen, ob ich gutes Wetter mitbringen kann, zumindest für Montag und Dienstag ist gutes Wetter vohergesagt.
Ohne Essen im Magen geht es also los. Diesige Horizontlinien warten hinter jeder Kurve und der Boden wird immer nasser, auch wenn es kaum regnet. Viel eher würde ich den Niederschlag als Niedersinken und den Regen als Sprühnebel aus einem Raumbefeuchter bezeichnen.

Der Hunger quält ein wenig, aber ich schalte „auf Modus“, wie Hasan empfohlen hat. Gerade an der Küste gibt es nicht viel Abwechslung, dafür umso mehr Strecke zurückzulegen. So gelange ich eine Stunde später nach 長濱 „Zhǎngbīn“, oder englisch Changbin, wo der vorerst letzte FamilyMart steht. Nach einem sattmachenden Frühstück decke ich mich ein, so gut es geht. Dabei schwirrt Hasans Horrorgeschichte in meinem Kopf. Er hatte sich nördlich von hier eine Unterkunft gebucht, ohne von der Flaute der convenience stores zu wissen, und musste folglich nach einem 95-Kilometer-Tag abends hungern. Umso größer meine Motivation, aus seinem Fehler zu lernen.


Um kurz vor zehn setze ich zum Hauptspurt an. Seit heute rastet mein neunter, also höchster Gang der rechten Seite durch, was aber wenig schlimm ist, weil der Gegenwind diesen eher selten erfordert. Mein rechtes Handgelenk, das gestern durch ein Ziehen auf sich aufmerksam gemacht hat (vermutlich aufgrund des stundenlangen Griffs und dem Hantieren an Handyhalterung und Gängen), fühlt sich besser an. Dafür spüre ich die Ermüdung meiner Muskeln umso mehr, die Steigung gestern war nicht ganz ohne. Nach Kurzem zeigt sich die erste Attraktion, wobei der Begriff immer mit Vorsicht zu genießen ist. Nicht alles Ausgeschilderte ist auch wirklich einen Blick wert. Die weiße Säule hier sieht unter der Wolkendecke aber wirklich ganz passend aus. Abgesehen davon, dass sie eigentlich die unsichtbare Wetterlinie markieren soll, die den meist sonnigen Inselsüdteil vom gegenteiligen Norden unterscheidet. Naja, es ist nicht ganz kalt.


Entlang der ewigen Küstenstraße gibt es mittlerweile sogar einen separat abgetrennten Radweg. Nur stellen sich regelmäßig Hunde der angrenzenden Grundstücke auf diesen und mir in den Weg, wenn sie mich nur schon von Weitem kommen sehen. Kein Biest kommt mir nahe, aber unnötig ist das Ganze trotzdem. Man hat doch eine Verantwortung als Herrchen, dass das eigene Haustür öffentlichen Raum nicht blockiert. Mir ist absolut unverständlich, wie man so asozial sein und dieser moralischen Pflicht nicht nachkommen kann und es macht mich sauer, aber es hilft ja nichts.

Eine kleine Nebenstory: Mein Hostel von letzter Woche in Pingtung, wo ich explizit aufgefordert wurde, das Geld unter mein Kopfkissen zu legen, hatte sich am Tag danach beschwert und gefragt, wo das Geld sei. Unter dem Kissen, war natürlich meine Antwort. Als es angeblich nicht aufgetaucht sei, konnte ich nur entgegen, dass die Hostelbesitzer nächstes Mal einen klügeren Ort raussuchen sollten, wenn sie kein Kopfkissen umdrehen können. Ein paar Tage ging es hin und her, jetzt schreibt mir der Manger: „We still no found, and I checked many days, but it’s okay. Free for you“. Was für eine Ironie, denn kostenlos ist es keinesfalls, ich habe ja bezahlt! Einen kleinen Verweis auf die Suchfähigkeiten des Personals kann ich mir nicht ersparen. Der Mangel wird zugegeben, mein Aufenthalt offiziell storniert, damit hat es sich wohl gegessen.
Auch wenn sich der Wind noch in Grenzen hält, strengt das Fahren außerordentlich an, denn flache Abschnitte sind rar. Dass die meisten Dörfer auf Anhöhen liegen, könnte auch mit Taifunprävention zusammenhängen, vermute ich. Oder man wollte kein Geld für Terraforming ausgeben, bestimmt ebenfalls ein valider Grund.
Einen convenience store gibt es dann sogar noch in 豐濱 „Fēngbīn“, wo ich weitere Kalorien eintanke. So wahnsinnig schlimm ist die Flaute gar nicht, wenn man erstens eine Übernachtung in der Region auslässt und zweitens einfach mal durchzieht. Um zwölf Uhr liegen bereits 63 Kilometer hinter mir, richtig gut fühlt sich das an.
Bis 石梯坪 „ Shítīpíng“ (ja, das heißt wirklich so) begegnen der Straße regelmäßig Dörfer im kleineren Format. Wegweiser deuten immer wieder auf angeblich coole Parks oder Aussichtspunkte hin, wobei mich das Interesse im Stich lässt. Die x-te „Baxian“-Höhle oder den millionsten Meerblick kann ich mir nun wirklich sparen. Erst recht, wenn es neue Höhenmeter bedeutet. Eine Motorradgang überholt mich wieder mehrfach, bis es nach dem Ort ruhiger wird. Ein idyllisch gelegener Hafen eröffnet eine Bucht, die die Welten austauscht. Bisher gab es wie gesagt keine größeren Hingucker und jede Menge Schabracken an der Seite, jetzt allerdings rücken die Berghänge so weit auf, dass kein Platz für irgendetwas anderes bleibt. Genau diese Einsamkeit habe ich gesucht, wie schön.


Den geringeren Einfluss von außen kontert mein Gehirn mit Gedanken, die endlich mal wieder etwas tiefer gehen. Ich denke über China, die Leute und meine Zeit in Taiwan nach, sowie, dass ich mir theoretisch vorstellen könnte, irgendwann mal in die Politik zu gehen. Selbstverständlich habe ich keinerlei Kontakte und tun würde ich es wohl auch nur dann, wenn sich eine günstige Gelegenheit und entsprechende Unterstützung böte. Die Branche (auch im Hintergrund zu arbeiten) interessiert mich aber immer mehr, wie ich merke.
Der Wind wird immer stärker und meine Durchhaltefähigkeit ist nicht mehr ausschließlich mental, sondern auch muskulär bestimmt. Zwei eingeschmissene Tüten „Pocari Sweat“ ändern das nicht gerade schnell, also muss ich mehr Pausen machen. Glücklicherweise habe ich mir einen Aussichtspunkt markiert, der neben einer Dorfschule liegt, in der gesungen wird. Beim Aufstieg spüre ich schnell ein Brennen in den Beinen und muss mehrfach stehenbleiben. Weit bin ich nicht mehr von meinem Zustand der Weihnachtswanderung entfernt. Ich passiere zwei Deutsche im Alter meiner Eltern, die sich erfreulicherweise viel Zeit zum Anschauen der Umgebung lassen und verhältnismäßig wenig Fotos schießen. Ich meine, warum so viel wert auf 2D-Erinnerungen legen, wenn man auch den Moment genießen kann? Ich dabei selbst mein größter Kritiker. Auf dem Gipfel lässt ein Taiwanese seine Drohne steigen und erkundet den Bereich hinter der Klippe. Guter Grund für einen Bildschirm hier.


Ich musste mich bereits im convenience store überwinden, einmal das „Red Bean Bred“ zu kaufen. Den Mittagssnack hinunter zu bekommen, ist allerdings eine ganz andere Herausforderung. Den herzhaften Geschmack der Bohne mit weichem Weißbrot und unfassbarer Süße kombiniert erzeugt das widerwärtige Produkt einfach nur einen Brechreiz. Ich sehe mich also Versuchskaninchen, damit sich ab jetzt niemand Informiertes mehr trauen muss. Man vertraue mir!
Nachdem ich zuletzt immer mehr der folgenden rasterartig betonierten Hänge entdeckt habe, werde ich endlich Zeuge eines sich im Bau befindlichen Exemplares. Was genau die Arbeiter am gesicherten Seil machen und vor allem, warum man den Hang erst so extrem befestigen muss, bleibt mir ein Rätsel. Erdeutschgefahr, vorherige Ausbeutung des Erdreichs oder doch Terraforming?
Knapp 30 Kilometer vor Hualien weicht die Straße ins Land ab, und dazu geht es stark aufwärts. Um keine Krämpfe oder Zerrungen zu provozieren, muss ich meistens den niedrigsten Gang fahren und trotzdem kämpfen. Die generelle Muskelermüdung zeigt sich in erster Linie dadurch, dass die Zeiten kürzer werden, bis die Stränge brennen, und zweitens die Zeiten länger werden, bis der Muskelschmerz nachlässt. Der Anstieg will einfach nicht enden, ein Blick auf die von Maps vorausgesagten 250 Meter machen es nicht besser. An einem Parkplatz kann ich weiter hinabschauen und spüre meine Stirn so sehr glühen, als hätte ich Fieber. Aber es hilft ja nichts, außerdem beginnt man in solchen Momenten ja erst, richtig zu leben. Alles rausquetschen, was möglich ist, das hat eine spaßige Seite. Nebenbei bin ich sehr dankbar, so früh aufgestanden zu sein. Ich dachte, ich hätte reichlich Zeit, aber nein, ganz so viel ist es dann doch nicht.

Gegen die Anstrengung fange ich irgendwann an, mir selbst Motivationsansprachen zu halten, laut. Das ist eher Automatismus als gewollt und hilft sogar. Zu viel Sascha Huber geschaut. Und Jeremy Fragrance. Täuschend echt darf ich kurz mit 50 Sachen runterjagen, nur damit es dann noch weiter nach oben geht. Hier wurden wahrlich Kosten gescheut, eine gerade Straße zu bauen.

In der Nähe des 牛山 „Niúshān“, also des Kuhberges, ist der Höhepunkt endgültig erreicht und die Abfahrt beginnt. Zwar warnen Straßenschilder vor querenden Milchlieferanten der Natur, sie bleiben aber außer Sichtweite. Es folgt ein unfassbar langer Tunnel, dessen knapp drei Kilometer nur jeweils kurz unterbrochen werden. Den meinte Hasan also. Es geht recht steil bergab, gut für mich. In der Gegend sind aus irgendeinem Grund übermäßig viele Sportwägen unterwegs und sie überholen sich gegenseitig auf nicht ungefährliche Weise. Immerhin gegen meine Richtung, sodass ich rechtzeitig reagieren könnte.
Nach Ausfahrt geht es weiter wie gewohnt, gegen die Luftströmungen. Auf einer sauber gepflegten Wiese mit obskuren Skulpturen lege ich mich erschöpft ins Gras und verschlinge ein „Strawberry Danish“, mein neues Lieblingsbrötchen aus den FamilyMarts. Die erdbeerhafte Glasur und der weiche Blätterteig passen perfekt zueinander. Außerdem habe ich massig Hunger, mir würde gerade fast alles schmecken. Dabei ist die Durststrecke an Komfort-Läden beendet, ein neuer 7/11 taucht auf. Ein Ende ist in Sicht und zu meiner Überraschung schreibt Sebastian, dass er und Anna bereits in Hualien sind. Ich buche mich ins selbe Hostel ein und fahre fort. Dass Hualien näher rückt, erkennt man übrigens wie bei Taitung an den Ortsschildern, die auf die orthografisch korrekteren Pinyin-Bezeichnungen zurückgreifen. Statt „Hualien“ heißt es hier schon „Hualian“, was viel mehr der eigentlichen Betonung entspricht.


Allerdings entdecke ich ca. eine Stunde vor Fahrschluss, kurz vor dem Abbiegen ins Inland, noch einen wunderschönen Tempel. Der 花蓮壽豐和南寺 „Huālián shòu fēng hé nánsì“ Henan Temple, dessen Name auf die örtliche Situation im Landkreis Hualien anspielen dürfte, liegt am Hang und zieht mit einer ausgefallenen, goldenen Buddha-Statue Aufmerksamkeit an sich. Der palmengeschmückte Aufgang sowie die gelblich beige Akzentfarbe an den Dächern einiger Campusbauten gefällt mir richtig gut. Dazu wartet an der obersten Spitze noch meine heutige Buddha-Statue, mit der ich nun wirklich nicht mehr gerechnet habe. Diejenige am Eingang zählt nicht ganz, weil ihr Format ein anderes ist und das emotionale Grinsen nicht zu dem Stil aller bisherigen Varianten passt. Im Grund genommen ist das unfassbar geiles Geocaching! Bestimmt niemals mit der Intention erbaut worden, aber ich sammle die Dinger jetzt trotzdem. Wieviele Statuen es wohl noch gibt? Und ich meine wirklich nur die im fotografierten Format. Der Blick von ganz oben ist mal wieder super, unterscheidet sich von den bisherigen heutigen Sichten aber wenig, weshalb ich auf ein Bild getrost verzichten kann. Wenige Leute beten im Hauptgebäude, zwei Frauen haben eine scheinbar lange Unterhaltung neben der Statue und beginnen zu spazieren, als ich auftauche.



Woher auch immer, bekomme ich auf die letzten Meter noch einen Energieschub und kann mehr Kraft in die Pedalen stecken, als gedacht hätte, dass meine Oberschenkel es krampfmäßig zulassen. Vielleicht muss mein Kopf unbedingt die Durchschnittsgeschwindigkeit von 21 km/h halten, ein qualvolles, aber effektives Durchhalteinstrument. Bei der nächsten Tour muss ich auf jeden Fall mal weniger auf die Live-Daten schauen. Jedenfalls gibt Hualiens im horizontalen Dunst versunkene Skyline Motivation, und auch als ich den extrem breiten Fluss des Talausläufers überquere, weiß ich, es geht voran.

Hualien fängt ziemlich leer an. Breite Straße mit nicht allzu viel Bebauung an der Seite zeigen schnurgerade in die Stadt. Schön sind die ganzen gelben Straßenlaternen, die dem Stadtbild versuchen, einen Charakter zu geben, und beeindruckend ist der Stadthintergrund. Die meisten taiwanesischen Städte liegen in Sichtweite von Bergen, aber Hualien ist eine andere Hausnummer. Das, was da in den Wolken schlummert, ist mehr als nur ein paar kleine Hügel. Das sind richtige Bretter, die wuchtig in den Himmel schießen. Sehr cool.

In Bahnhofsnähe endet also meine bisher anstrengendste Tour, hier der Komoot-Link. Zwar hatte ich sowohl längere als auch angsteinflößendere Tage, den heutigen Grad der totalen Zerstörung, wie Sascha Huber sagen würde, habe ich bis dato aber noch nicht erreicht. Das „A Good Man‘s Hostel“ ist mal wieder eines mit Betrieb aus dem Off. Im Flur sehe ich bereits zwei mir bekannte Räder stehen. In dem Moment werde ich dann storniert, das kann doch nicht wahr sein. Anscheinend hilft meine unterschwellige Kritik („Not cool. I just arrived. Please get your business working“), der Betreiber scheint seine Meinung zu ändern. In einem aufwändigen Video soll ich belegen, 520$TD (14€) durch einen Briefkastenschlitz zu schieben, dann bekomme ich meine Codes. Mangels Alternativen ist das Zimmer für zwei Personen vorgesehen, so weit so gut. Die Matratze füllt den gesamten Raum aus und es gibt Regeln der ganz besonderen Art. Der Raum sei ausschließlich zum Schlafen gedacht und es werde Verhalten wie nackig zu sein, zu furzen oder laut zu sein nicht toleriert. Interessant: Sowohl für das Einsschließen des Schlüssels als auch für dessen Verlust werden nur 100$TD (2,70€) als Strafe veranlasst. Wer hingegen die Toilette verstopft, muss 10.000$TD (270€) blechen. Apropos Toilette. Die Dusche, die ich nehme, verbreitet kaum mehr als einige Tropfen pro Quadratmeter, gefühlt brauche ich ewig, um mich fertig zu waschen.

Im Gemeinschaftsraum treffe ich dann, irgendwie ja ziemlich spontan, Anna und Buggi. Ich denke, wir freuen uns alle, dass das Treffen glückt. Wir tauschen uns kurz über unsere bisherigen Touren aus. Die beiden hatten weniger Glück als ich und haben im Inselnorden vor allem Regen abbekommen. Heute früh in Keelung haben sie dem Wetter eine sehr kurze Chance gegeben und sich dann für den Zug nach Hualien entschieden. Irgendwo aber verständlich. Als Nächstes wollen sie ins Inland radeln. Sie sind von meiner heutigen brutalen Tour also nicht betroffen und können den Rückenwind hoffentlich nutzen, um ins gute Wetter zu gelangen.
Während ich meine ganz dringend zu reinigende Wäsche in einem gänzlich leeren Salon drapiere, suchen wir uns ein geeignetes Restaurant. Die meisten sind allerdings geschlossen oder würden uns allzu lange auf einen Sitzplatz warten lassen. So landen wir in einer stark bebilderten Stube, die Amerika- und Burger-Vibes gibt. Letztere werden nicht angeboten, dafür gute Pommes und wenige Kroketten, die mich keineswegs sättigen. Für solche Fälle gibt es zum Glück immer noch den 7/11 von gegenüber, in dem ich mir ein zweites Abendbrot einkaufe. Zurück im Hostel bereden wir den Plan für morgen, es soll definitiv ein (ruhiger) Pausetag werden. Eine Bustour durch ausgewählte Abschnitte des ansonsten gesperrten Taroko-Nationalparks klingt zwar verlockend, der absurde Preis von etwa 100€ schreckt dann aber doch ab. Die eine Randwanderung fällt wegen erhöhtem Regenaufkommen ebenfalls raus. Immerhin klettert morgen früh ein Extremsportler auf den Taipei 101, das kann man gemütlich auf Netflix verfolgen. Wieso nicht…
Die Abendstunden verbringen wir mit meinem in Taipei erworbenen Kartenspiel, das eigentlich ein ganz normales ist. Wobei, es hat jede Menge Joker, in Annas Welt steht das „J“ der Buben nämlich genau dafür. Beim Zocken wird sich schön hin und her gebasht, so mag ich das. Man muss einfach nur 100% seines Gehirns benutzen, so und ähnlich werden die Tipps untereinander geteilt.
Nach Mitternacht muss ich für die Wäsche leider nochmal losziehen und stelle ermüdet fest, dass es gar nicht fünf, sechs separate Trockengänge benötigt. Man kann einfach mehr Geld einschmeißen als nötig.

Das Einschlafen wird durch einen Genossen zwei Zimmer weiter getrübt, dessen Schnarch-Apnoe sich stark nach der von James anhört, wenngleich etwas leiser. Dummerweise sind die Zimmer so gebaut, dass an der Decke eine breite Öffnung zum Flur platziert ist. Im Grunde ist es also ein großer Schlafsaal, getarnt durch Wände aus dünnster Pappe.

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