Donnerstag, 29. Januar

Auf die Anstrengung der letzten Wochen reagiere ich mit einem unspektakulären Tag sondergleichen. Die allermeiste Zeit verbringe ich im Bett, gammle vor mich hin und schaue aus Fabis Fenster auf die Kaohsiunger Skyline. Auch eine Art, die Stadt zu genießen, oder? Fürs Frühstück zur Mittagszeit stehe ich aber doch auf und besorge mir endlich mal Müsli-Zutaten im lokalen PX Mart, dessen Haferflocken und Granola spottbillig sind.

Neben dem Schauen der neuen Rick&Morty-Staffel und YouTube-Videos zu verschiedenen Industriethemen lasse ich auch die Radtour Revue passieren. Auf Komoot füge ich (mit einem Probeabo) alle Tourenabschnitte zusammen, was mir beeindruckende Statistiken beschert. In 18 Fahrtagen (was Komoot aber nur 77:25 Stunden Bewegungszeit entspricht), komme ich auf 1.568 Kilometer und 11.680 Höhenmeter, das entspricht einem Höhenmeter alle 134 Meter Strecke. Eigentlich gar nicht so viel, auch wenn die Meter nach unten nicht eingerechnet sind.

Danke, Komoot

Für eine schöne Kartenübersicht muss man leider mehr Aufwand investieren. Komoot bietet zwar eine, jedoch mit einer Viezahl an nervigen Symbolen, sowie schlechter Auflösung. Recherche bringt mich letztlich dazu, alle GPX-Dateien einzeln zu exportieren, zusammenzufügen und mit dem Google-Tool „MyMaps“ zu einem ansehnlichen Endprodukt zu verarbeiten. Die Druckfunktion ist auch hier abenteuerlich schlecht, weshalb ein Screenshot mit besserer Qualität herauskommt:

„Leo‘s Taiwan Tour“ – Januar 2026

Als es am Nachmittag dunkler wird und man weniger in den Räumen sieht, kommt passenderweise die erste Kakerlake hervor. Ich hatte mich schon gewundert, als ob ich die alle gestern vertrieben habe… Blöderweise kommt sie beim Öffnen der Tür darunter durchgerannt und verschwindet schnell wie der Blitz unterm Bett. Die finde ich nicht wieder. Halb so wild, mit einer einzelnen komme ich ja irgendwie klar. Aber die Nacht scheint das Herrschaftsgebiet der kleinen Plage zu sein. In den nächsten ein bis zwei Stunden fische ich bestimmt zehn weitere mit dem Staubsauger von Wand, Boden und Gegenständen wie meiner Tasche. Lecker. Fabian meinte, dass er in seinem Zimmer noch keine gesehen hätte – Ist der blind? Irgendwann stationiere ich das Sauggerät einfach neben dem Bett, ist leichter so. Gemütlich hinpflanzen kann ich mich schon nicht mehr, so habe ich wenigstens eine Waffe. Ich frage Gemini (ich tendiere mehr und mehr zur Google-KI) nach Tipps, allerdings habe ich nicht zufällig Natron oder Zitronensaft da, um tolle Fallen zu basteln. Die Wohnung steht praktisch leer, als würden die drei Jungs hier auch nur temporär wohnen. Ah, Moment, das tun sie ja.

Fabians Zimmer: Blick auf die Kaohsiunger Skyline

Bestimmt war es nicht Fabians klügster Moment, den Staubsauger nach jedem Fang einfach ins Kabuff zu stellen. Eine Vielzahl von ekligen braunen Käfern sieht man in der durchsichtigen Hülle herumkrabbeln, aber wer weiß, wie viele schon entschlüpft sind. Ich kann das Gehäuse nicht nach jeder erlegten Miniaturbestie leeren (allein schon, weil die Mülltonne 28 Stockwerke unter mir liegt), daher lautet meine Strategie, Kreppapier in den Saugkopf zu stecken. Fertig ist das abartige Terrarium, das die widerwärtigen Kreaturen nur einen Meter neben meinem Bett beherbergt.

Ich bekomme sogar eine primitive Falle gebaut. Weil die Jungs kein Schneidebrett haben, trenne ich den Flaschenhals einer PET-Flasche mit einem Küchemesser in der Luft. Die obere Innenseite schmiere ich mit Olivenöl ein, am Boden wird eine Messerspitze Nutella platziert. Klebeband an der Außenseite sorgt dafür, dass die Kakerlaken einen angenehmen Weg ins Verderben haben.

Leider ist auch nach zwei Stunden Abwesenheit, in der ich mein Abendbrot im nächsten FamilyMart gegessen habe, kein Vieh darauf reingefallen. Dafür hocken gleich mehrere an den Wänden in Fabians Zimmer. Mein Glück, dass mir im Bad das passende Heilmittel begegnet. Es ist zwar nicht ganz so perfekt wie etwas Zitroniges, soll aber ausreichen. Shampoo-Schaum mit Zedernduft heißt die spontane Lösung. In dem Fall nehme ich mal keine Rücksicht auf die Eigentumsverhältnisse des hoffentlichen Gegengifts und verschmiere den Schaum an Bettpfosten, Türzarge und dusche mich gleich damit. Wenn die Jungs wiederkommen, sollten sie echt die Hausverwaltung informieren oder wenigstens selbst einen Kammerjäger rufen. Das ist ja fast schlimmer als mit den Ameisen in Manzhou…

Durch den Abwehrschaum fühle ich mich aber halbwegs sicher und telefoniere noch kurz mit einem Freund, bevor ich mich schlafen lege. Für morgen nehme ich mir vor, ein bisschen was zu schaffen.

Hinterlasse einen Kommentar