Der heutige Tag ist eine aufgepimpte Version des gestrigen. Weiterhin chille ich viel in der Wohnung, bin aber produktiver. Erst hole ich Annas und Buggis Blog auf und lese über die Orte ihrer Fahrradtour, an denen ich teilweise auch schon gewesen bin. Dann verschicke ich Bachelor-Zulassungsanträge, erweitere meinen Sparplan um die TSMC-Aktie und kümmere mich endlich um die Bewerbungen, die ich seit Monaten aufschiebe. Schlimm ist es nicht, den Bärenanteil habe ich mit Portfolio und Lebenslauf ja schon vor Ewigkeiten erledigt. Beim Anschreiben muss ich mich aber unangenehmen Fragen stellen. Wie stellt man sich halbwegs ehrlich vor, wenn die Jobbeschreibung bereits „herausragende Fähigkeiten in Entwurf, Modellbau und CAD/3D-Programmen“ verlangt? So wenig Blätter vor dem Mund wie im Blog kann ich mir wohl nicht erlauben. Nach einer Weile Rumtüfteln erschaffe ich aber etwas Brauchbares und widme mich der Bürorecherche selbst.
Kakerlaken sehe ich übrigens, wie schon gestern, tagsüber nicht. Die lichtscheuen Viecher kommen lieber nachts heraus und terrorisieren mein Wohlbefinden. In meine Falle ist leider noch nichts gegangen. Also rüste ich auf, am Nachmittag durchwühle ich das außerordentlich vielfältige PX-Mart-Sortiment und bekomme für gut 150$TD (4€) sechs kleine Aufstellfallen. Google übersetzt die Anweisungen eher schlecht als recht, es dürfte sich aber um ein für Menschen ziemlich ungefährliches Spielzeug handeln.


Netterweise schickt die NKUST mir auch noch eine Mail, mit warmen Verabschiedungsgrüßen und einem PDF, das mir endlich die Noten der Abschlussprüfungen gibt. In Chinesisch habe ich 97 Punkte, damit bin ich zufrieden. Im Bogenschießen sind es sogar volle 100, was ich mal nicht zu ernst nehme (auch wenn ich mich im Lauf des Semesters wirklich verbessert habe). Am lustigsten ist aber, dass mir „English in Foreign Affairs“ 51 Punkte gutschreibt, obwohl ich nach vier Wochen abgebrochen hatte. Habe ich eigentlich schonmal betont, wie sehr einem die Noten hinterhergeschmissen werden und wie das Bildungssystem zugrunde geht? Der erste Ingenieurskurs bringt dann immerhin verdiente null (ich war ja auch nur einmal da), was den Punkteschnitt auf 42 reduziert. Eigentlich ist das Dokument total egal, aber irgendwie bin ich auch froh, eine Chinesisch-Bescheinigung zu erhalten.

Abends suche ich endlich mal wieder ein nahes Restaurant auf, wo ich thailändische Reisnudelsuppe mit Seafood und unerwähntem pork (welches ich natürlich nicht esse) bekomme. Der Kellner spricht gutes Englisch, das Mahl sieht wirklich gut aus und schmeckt auch so. Ob es also am dauerrotzenden Gast einen Tisch weiter liegt (Bestell dir nächstes Mal halt etwas weniger Scharfes!) oder doch an der Mahlzeit selbst – die bekommt meinem Magen ganz und gar nicht.

Ich telefoniere noch kurz mit einer Freundin und stelle erfreut fest, dass auch nach Einbruch der Dunkelheit keine Kakerlaken aufgetaucht sind. Obwohl, eine neben dem Bett schon. Aber die ist schnell eingesaugt.
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