Ich finde es erstaunlich, wie dringend nötig bereits Ende Januar eine Klimaanlage wieder ist. Klar befindet sich die Jungs-WG im 28. Stock, aber selbst beim oberkörperfreien Rumlaufen schwitze ich mir den Allerwertesten ab. Die Anlage funktioniert zum Glück reibungslos, beherbergt bestimmt keine Mäuse und mit noch mehr Glück vertreibt sie sogar die Kakerlaken aus Fabis Zimmer. Auch die gestern aufgestellten Fallen dürften helfen, nach weniger Sichtungen gestern Abend sehe ich heute früh keine einzige.
Ich komme mir nur leicht blöd dabei vor, aber ich brauche einfach noch einen weiteren entspannten Tag. Schließlich trete ich bald die nächste alleinige Reise an und auf die folgt längerer Besuch, den ich wiederum mit Asien-Bereisen abschließen werde. Die nächsten zwei Monate werden also bestimmt voll, sodass ich mich guten Gewissens zurücklehne. Mir ist bewusst, dass es meine letzten Tage in Kaohsiung sind, und irgendwas will ich in den nächsten Tagen schon auch noch machen, aber um ehrlich zu sein, ist mein Interesse in Nachtmärkte über die Zeit etwas eingebrochen, genauso wie in das Shoppen und am Rand der Stadt wandern. Von fast allen Leuten habe ich mich längst verabschiedet, sozial ist die Stadt gerade eine Blackbox.
Also beschäftige ich mich mit einem Ranking aller convenience-store-Produkte, das bestimmt demnächst online geht. Außerdem rechne ich die Kosten der Fahrradtour zusammen. Alle Unterkünfte haben mich zusammen etwas über 11.000$TD (also 300€) gekostet, für drei Wochen Unterwegssein wirklich voll in Ordnung. Teurer war, wie unangenehm erwartet, das Essen. Die Restkosten belaufen sich auf 16.000$TD (430€), wobei zwar Sachen wie Museumsbesuche, Schmerzmittel, Rasierschaum und Öffis in Taichung eingerechnet sind, das Essen aber trotzdem den Bärenanteil stemmt. Convenience stores sind teuer, aber auch Besuche in richtigen Restaurants waren kaum billiger. Dass ich neben meinem generellen Appetit auch noch massiven Hunger auf der Strecke generiert habe, darf man mir bitte nicht vorwerfen. Das Lustige dabei: Vermutlich habe ich trotzdem abgenommen. Auf jeden Fall finde ich es sehr interessant, die Kosten einmal so vor mir zu haben. Die Ausrüstung ist übrigens noch gar nicht eingerechnet: 7.700$TD (ca. 205€) für das Fahrrad, zusätzlich ergeben Handyhalterung, Windrad, Tröte und Spannseil; Thermohose, Fleece und Longsleeve (die drei Sachen hatte ich wenigstens auch für die Weihnachtswanderung gekauft) sowie Regenhose, Radhose und Helm Kosten von ungefähr 4.000$TD (110€). Wenn ich streng rechne, kostet die Tour insgesamt also 1.000€, inklusive Ausrüstung, die ich teils anderweitig verwende.
Um doch noch etwas Luft zu schnappen, fahre ich für die letzte Tageslichtstunde an den Love River. So ein YouBike fühlt sich unfassbar komisch und auch kaputt an. Bänke gibt es am Fluss mehr als genug, leider stört der laute Verkehr etwas. Ein bisschen komme ich ins Denken, auch was der Abschied aus Kaohsiung/Taiwan wohl mit mir machen wird. Auf der Radtour habe ich erstaunlich wenig Zeit mit solchen Gedanken verbracht. Obwohl ich die allermeiste Zeit alleine war, gab es i.d.R. nur drei Modi: bergauf pacen und Landschaft reinziehen, geradeaus pacen und Landschaft reinziehen, bergab pacen und Landschaft reinziehen.


Auf dem Rückweg hole ich meine vom Hostel hinterhergeschickte Brille ab, die sie in Zip-Tütchen, Pappe und noch mehr Plastik eingewickelt haben. Dafür, dass es keine Hülle gab, wirklich gut, alles ist heil. Anschließend betreibe ich Urlaubsplanung mit meinem Vater und mit Julius, die ja u.a. im Februar anreisen werden. Außerdem beginne ich die Serie „Avatar – der Herr der Elemente“, weil es „Attack on Titan“ nur mit chinesischen oder japanischen Untertiteln gibt, die Audiospur sowieso.
Kakerlaken sehe ich überhaupt keine mehr (außer die im Staubsauger natürlich. So langsam kehren die Wohlfühlmechanismen zurück, sogar aufs Sofa setze ich mich kurzzeitig. Misstrauisch bin ich trotzdem und reibe meine Bettpfosten weiterhin mit Zedernholz-Shampoo ein, als wäre ich ein Äbergläubischer.
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