So richtig chillen kann ich jetzt nicht mehr, da sich vor einer (Ab-)Reise immer mehr Dinge aufdrängen, als man vorher erwartet hätte. Also ziehe ich mittags los, um mir endlich ein zweites Paar Schuhe zu kaufen. Passenderweise werde ich im einem Puma-Store in der „E Sky Mall“ fündig, sodass meine Socken und Schuhe endlich matchen. Unsicher, wie ich bei Kaufentscheidungen bin, muss ich vorher aber ewig umherlaufen und -joggen, um wirklich glauben zu können, dass Größe 44,5 passt. Die Verkäuferin steht währenddessen in taiwanesischer Service-Manier daneben und rührt sich nicht vom Fleck (Ich bin der einzige Kunde). Eine große Auswahl gibt es sowieso nicht, aber am Ekde entscheide ich mich für ein ziemlich weißes Paar, das bestimmt sehr schnell sehr dreckig wird. „Taiwan Dollars or EU Dollars?“ fragt die freundliche Dame. Lieber keine EU Dollars, das ist mir zu suspekt. Immerhin bekomme ich einen tax-refund-Zettel, mit dem ich ins unterste Stockwerk fahre. Obwohl ich keinen Reisepass dabei hab, bekomme ich die Mehrwertsteuer zurück. Auf einem kleinen Tablett präsentiert die Dame in Anzug einen Hunderterschein sowie einige kleine Münzen, darunter viermal einen Dollar. Dadurch kosten die Schuhe statt 112€ nur noch 107€.


Der Friseur nebenan ist leider voll belegt, also mache ich mich an andere Aufgaben. In der Wohnung schicke ich meinen Bachelor-Zulassungsantrag an die Berliner Studienverwaltung, schreibe und bemale eine Menge Postkarten und passe meine Bewerbungen noch weiter an.
Am späten Nachmittag reißen Anna und Buggi mich dann aus der Einsamkeit, sie haben ihre Fahrradtour im Uhrzeigersinn jetzt auch beendet. Wer ebenfalls durch ist, ist Dennis, der gestern übrigens exakt dieselbe Erfahrung mit Hunden am westlichsten Punkt gemacht hat wie ich. Natürlich tut es mir leid für ihn, aber es beruhigt mich auch, meine Ängste aus der ersten Tourwoche berechtigt zu sehen. Dennis wurde gleichsam zwischen den Wasserfeldern vor Tainan verfolgt, ein Hund habe ihm sogar in die Fahrradtasche gebissen.
Die beiden Bamberger jedenfalls werden mir bis Dienstag früh Gesellschaft leisten, dann verschwinden sie gänzlich aus Taiwan. Verängstigt fragen sie nach den Kakerlaken, aber keine Sorge, ich hab alles im Griff. Außer scheinbar das Staubsauger-Terrarium, welches mich am wenigsten stört. Schließlich entsorgen wir das Ungeziefer im Hausmüll. Ob das inhaltlich sinnvoll, bezweifle ich mal, genau dort fühlen sie sich am wohlsten, aber dafür hat die Wohnung erst einmal Ruhe. Ebenfalls entsorgen kann ich jetzt auch meine gottlos verhunzten New Balance, die wirklich mehr als fällig sind.

Wir bestellen indisches Abendbrot, anschließend spielen Buggi und ich noch einen letzten Abend Pickleball. Die Gegnerteams sind wechselhaft, es gestaltet sich schwierig, guten Spielfluss zu kreieren. Spaß macht es aber trotzdem, es ist eine willkommene Anstrengung. Die allermeisten Spielerinnen und Spieler outstraten mich, was Positionsspiel angeht, nette „Xièxie“s fliegen übers Netz. Am Ende traue ich mich sogar ein erstes direktes Duell, gegen Buggi, was ich einmal haushoch und einmal ehrerhaltend mit 7:11 verliere. Ich habe mich viel zu lernen und prinzipiell große Lust, das irgendwo anders weiterhin zu spielen. Mal schauen, ob es sich irgendwo ergibt.
Ich plane außerdem viel von der abschließenden Taiwan-Zeit mit Freunden und Familie. Wann, wohin, welche Unterkünfte, etc. Das ist gar nicht mal so wenig zu organisieren, wenn man derjenige ist, der am meisten im Land kennt. Zwischendurch ist aber auch noch Platz für ein, zwei Folgen Avatar. Klar ist die Serie für Kinder geschrieben, aber allein dass ich sie mir ohne Schmerzen ansehen kann, hebt sie von anderen Klassikern wie Pokémon ab, wo mir die Folgen viel zu repetitiv sind.
Eine im Sterben liegende Kakerlake entdecke ich abends dann doch noch, also kleide ich mein Bett und Zimmer wieder in Zedernholzschaum ein. Sicher ist sicher.
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