Ko Lanta (Dienstag, 10. März)

Weil die Zeit in Thailand eine Stunde hinterhergeht, waren wir gestern früher müde und können trotz der frühen Aufstehzeit ausgeruht starten. Ein Rezeptionist mit extrem hoher Stimme (ich will nicht sagen, dass er Kreide geschluckt hat, aber das ist nicht normal) weist uns in den Frühstückssaal, der wie ein Ballsaal auf Wish bestellt ist. Einige runde Tische glänzen im weißen Rundherum, eine lange Büffettafel steht bereit. Der Geruch, der mir entgegenschlägt, erinnert aber eher an die Dusche, die ich mit Leid in El Nido beziehen musste, mit Leo und Lucas. Das Personal scheint sich dessen bewusst und stellt ziemlich genau hinter uns einen übergroßen Ventilator auf, ein paar Minuten später kann man tatsächlich normal atmen. Das Büffet ist übrigens komplett leer, stattdessen bringt man uns den Fraß, den wir uns gestern noch aussuchen durften. Das Wort zu verwenden, tut mir wirklich leid, aber es ist die Wahrheit. Blattnudeln, Grünkohl im vierten Aggregatszustand Brei, dazu dunkles Rührei, durchschnittlicher Tee und immerhin ein interessantes, als thailändisch Dessert. Dessert zum Frühstück? Man frage lieber nicht. Als härtere Götterspeise mit Traubenkernen würde ich es am ehesten beschreiben. Achja, und alle Stühle sind mit Klarsichtfolie überzogen. Es wäre ja wirklich unhandlich, die in die Waschmaschine zu stopfen.

Das Geisterhotel

Da wir gestern nicht endgültig fündig geworden sind, was Busse angeht, treten wir lieber früher als später den Weg an. Google hat uns spontan eine kürzere Route nach Ko Lanta angezeigt, allerdings nur mit zwei Luftlinien, Bus und Fähre. In angenehm tief stehenden Morgensonne queren wir die Straßen Hat Yai‘s und stellen wie gestern fest, dass es zumindest hier unfassbar viele Einbahnstraßen gibt, das hat System. Kein Gegenverkehr und an jeder Kreuzung nur zwei Abbiegemöglichkeiten reduzieren sicher auch das Verkehrschaos. Gott sei Dank finden wir uns dann 40 Minuten vor Abfahrt am Busbahnhof ein, denn man sagt uns schnell, dass der Bus nach Pak Bara nur von Terminal 2 abfährt, eine gute Stunde Fußweg von hier. Ich wusste einfach, dass so etwas kommt, ich wusste es ganz genau. Allein das Stichwort „Tuktuk“ versetzt ganze Heerscharen männliche Anbieter in Aufruhr, es dauert aber trotzdem, bis sich eine Gelegenheit findet. Deutlich angenehmer als auf Bohol setzen Julian und ich uns bei einer Frau in roter Uniform hinten rein, offene Seiten, offenes Heck. In knapp 20 Minuten bringt sie uns für 200 Baht (5,40€) zum richtigen Terminal, wo wir direkt in den entsprechenden Minibus einsteigen, der dann übrigens sofort ablegt. Alter, war das knapp. Besonders in Anbetracht dessen, dass es voraussichtlich nur eine Fähre am Tag gibt und wir die sonst verpassen würden.

Erstes Mal Tuktuk für Julian

Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden, bezahlt wird erst im Nachhinein. Vor dem Hafen von Pak Bara will uns eine Frau mit Kopftuch eine komplizierte Überfahrt andrehen, mit Übernacht auf einer anderen Insel. Dass wir höflich ablehnen und direkt zum Terminal marschieren, quittiert sie mit unausgesprochenen Flüchen. Bei ihr gäbe es alles billiger, wir werden ja sehen. Na klar. Tatsächlich gibt es keine direkte Fährfahrt, dafür aber einen schnelleren Weg. Ich finde, man muss im Gewusel solcher Orte immer sehr genau abwägen, wer einem etwas andrehen will und von wem man das richtige Ticket nun wirklich bekommt. Eine andere Kopftuchfrau jedenfalls führt uns in ein sehr offiziell aussehendes Büro und verlangt immerhin trotzdem 1500 Baht (etwas über 40€) für einen Papierschnipsel, der uns erneut per Van, dann per Schiff die Überfahrt sichert. Beim Warten auf den Minibus fällt mir mal wieder auf, wie omnipräsent die Königsfamilie ist. Schon auf der Fahrt habe ich unzählige Portraits einer mittelalten Frau gesehen, der König selbst wird am Hafen in einem überdimensionalen Rahmen präsentiert. Auch dass die Bevölkerung hier im Süden muslimisch ist, war mir nicht bewusst. Laut Julian gibt es im untouristischen Südosten (gar nicht so weit von Hat Yai entfernt!) sogar Dissidenzprovinzen, die von Zeit zu Zeit die Abspaltung anstreben und auch Terroranschläge nicht vermissen lassen. Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes soll es auch geben. „Das erzählst du mir jetzt?“ Naja, genau in den Gebieten waren wir ja auch nicht, also alles halb so wild.

Verkaufsstände am Port von Pak Bara
Gepriesen sei… und so weiter

Unsere zweite Fahrt startet also um 11:30 Uhr und dauert diesmal eine halbe Ewigkeit. Avatar habe ich mittlerweile zuende geguckt, bin vom Heile-Welt-Ende ein wenig enttäuscht, wenn auch nicht überrascht. Mir bleiben letzte Snacks aus Malaysia, Online-Zeitungen und Dösen, Julian macht es vor. Zwei Stunden später werden wir schon wieder abgesetzt, sind jetzt in Trang angekommen. Weiter geht es erst in zwei weiteren Stunden, die Zeit verbringen wir also im Schatten des Busbahnhofdaches. Ich besorge Mittagessen bei einem 7/11 in der schottergeprägten Umgebung, nutze den Hotspot einer Mitarbeiterin für Netflix-Downloads aus und bemitleide sowohl herumliegende Hunde als auch herumsitzende Verkäuferinnen und Verkäufer. Letztere müssen einen echt langweiligen Job haben, wenn ich so darüber nachdenke. An jedem Bushalteplatz, also vielleicht 16 insgesamt, sitzt eine Person am Tisch, vor einer kleinen Kasse und einigen Zetteln. Busse fahren aber kaum öfter als alle ein bis zwei Stunden ab, und in der Zwischenzeit gibt es wenig zu tun. Die meisten Fahrgäste sind nur zum Umsteigen da, haben bereits ein Ticket. Also wird Zeit natürlich für Reels und sonstiges Doomscrolling genutzt… Wenn ich mir vorstelle, wie alt die Leute sind und wie sehr sie vermutlich mitten im Leben stehen, dann graut mir auch vor der Vorstellung eines solchen Alltags. Dabei ist das genau genommen ein ziemliches Luxusproblem, Arbeit ist bei diesen Leuten vermutlich einfach fest als Einnahmequelle einkalkuliert, und nicht als erfüllende Lebensaufgabe. Trotzdem krass.

Wenn nicht zu viel los ist, bleibt genug Raum für Mittagsschläfchen
Busbahnhof Trang

Und dann steigen wir in den dritten Linienbus, dessen Aufschrift übrigens klar angibt, zwischen welchen zwei Zielen er verkehrt. Ungünstig, falls er mal woanders Abhilfe schaffen soll, aber was weiß ich, vermutlich gibt es mehr als genug von ihnen. Jeder ‚Bus‘ ist übrigens kaum mehr als ein Van, i.d.R. gibt es vier oder fünf Reihen, definitiv nicht für große Menschen wie Julian und mich gebaut, aber mit halbwegs gut gepolsterten Sitzen. Je später es wird, desto eher kann ich wegdösen, Reisetage sind eben auch anstrengend. Eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit gelangen wir schließlich an eine Autofähre, die nur gut anderthalb Kilometer Wasser überbrücken muss. Anstatt einer richtigen Fährverbindung sind wir jetzt komplett auf dem Landweg vorangekommen, sogar mit Umweg über Pak Bara. So leichtfertig vertraue ich Google Maps nicht nochmal, auch wenn alles gut gegangen ist. Vom Ort im Norden laufen wir eine gute halbe Stunde, unsere Beine genießen die Bewegung. Dabei gucken wir uns bereits das Straßenbild an, jede Menge europäische Touristen, Rowdys auf dem Highway, im Vergleich zu Hat Yai teure Massagesalons und genauso viele Restaurants.

Benzin in Flaschen – kein Speiseöl!

Unsere Unterkunft für die nächsten Tage ist das „Banana Beach Resort“, eine Anlage mit Restaurant, Motorradverleih, Unterkünften, Pool, Strandbereich, Bar. Die Rezeptionistin im Garten verwehrt und das eigentlich näher am Strand gebuchte Zimmer wegen Toilettenverstopfung, wir kommen in eines näher am Eingang. Der Raum ist groß genug, hat sonst aber nichts Besonderes. Höchstens die Mücken, für die lassen wir uns aber das Zimmer vollsprühen und ein Moskitonetz an die Decke hängen. Im Dunkeln schauen wir uns kurz den bei Ebbe sehr weiten Strand an und essen dann im hauseigenen Restaurant, das neben einer üppigen westlichen Küche auch ein paar Thai-Gerichte anbietet. Scharf ist aber auch hier nicht gleich scharf, meine Zunge sucht noch nach ihrer Nemesis.

Der Vibe ist da – die Lichtverschmutzung auch

Zu den bisherigen Problemen im Zimmer gesellen sich weitere unerwünschte Gäste mit etwas zu vielen Beinen und Fühlern. Der Fernseher kennt weder Ausgabemedien noch Streaming, das Moskitonetz ist verdreckt, wenigstens grüßen uns die Nachbarn, ein breitbäuchiges Trio mittleren Alters, die auf den ersten Blick aussehen, als könnten sie problemlos im Reality-TV auftreten. Meine Hoffnung bleibt, dass dafür niemand nach meinem Führerschein fragt, das schauen wir dann mal übermorgen.

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