Wir starten wieder mit unserem Strandfrühstück, Blick aufs sonnig bewölkte Meer. Um 9:30 Uhr ist Prime Time, hinter dem Büffet stehen gleich drei Angestellte, füllen nach und nehmen Omelett-Bestellungen auf. Ein chinesischstämmiger Junge mit Geisterblick wird ausschließlich als Fliegenjäger gebraucht, das Wort Jäger ist aber übertrieben. Regungslos steht er da und schwenkt seinen Fächer hin und her, hin und her. Die Fliegen interessiert das herzlich wenig, was für ein Job. Ich weiß doch, dass es Geräte gibt, die rotieren und eine Art Horizontalfächer bilden. In Taiwan werden diese oft auf Tagesmärkten benutzt, um genau dasselbe Problem zu bekämpfen. Just sayin‘.
Im Anschluss ans Magenstopfen glasieren wir die Haut mit Sonnencreme, bitten um Zimmerreinigung und laufen zu einem der Organisationsstände auf dem Gelände, die wie ein Reisebüro im Urlaubsgebiet aussehen. Die betreibende Person, ich bin mir nicht ganz sicher ob Mann oder Frau, erwidert meine Fragen nach Motorrädern mit einer Gegenfrage: „Do you have international license?“ Ich wusste es! Eigentlich soll Thailand genau wie andere Zweiradländer dafür bekannt sein, lasche Regeln anzuwenden, aber gut, diese Unterkunft ist einfach anders. „Not here“ lautet meine Standardausrede, „but we have one license.“ Das scheint zu reichen, Julian muss seinen Wisch noch nicht einmal vorzeigen. „Do you know how to drive?“ „Yes, yes, I‘ve done it a couple of times.“ Jetzt bin ich auch noch so ehrlich, wenig Erfahrung einzugestehen, aber wir bekommen die Scooter. Zehn Minuten warten, und die Exemplare werden vorbeigebracht. Ich unterschreibe einen kleinen Zettel, dann machen wir Bilder für den Versucherungsfall und werden allein gelassen. Keiner der Helme fittet meine Kopfform, aber prinzipiell sitzen tut er dann doch. Ein geringer Komfortpreis, wenn man bedenkt, dass ein Gerät nur 250 Baht (7,85€) am Tag kostet. Etwas bodenlos ist, dass man uns fast leere Tanks andreht, aber für die erste Aktion reicht es noch.

Die Maschinen sehen schick aus mit ihrem runden Vorderlicht, Anzeige und Spiegel in der selben Form. Im Vergleich zu Lü Dao vorletzte Woche sind die Dinger ernstzunehmende Verkehrsteilnehmer, die Fahrer hoffentlich auch. Julian ist sichtlich etwas nervös, beim ersten Mal Motorrad sicher verzeihlich. In den Anschaltprozess kommt man ja schnell rein, als leicht gefährlich sehe ich eher, dass er sich zu Anfang immer umdreht, statt die Rückspiegel zu nutzen. Auch innerhalb der Spur hin und her zu lenken, verursacht bei mir Zähneknirschen, manche Rowdys düsen nämlich blitzschnell vorbei. Ich lasse ihn vorfahren, damit er die Geschwindigkeit bestimmen kann, wir bleiben bei angenehmen 30-40 km/h. Auch für mich ist es das erste Mal Linksverkehr, am Straßenrand stehen außerdem nette Hinweisschilder, „In Thailand Drive on the Left Side“. Solange man auf der Hauptstraße bleibt, hat man aber keine Probleme. Inseln sind einfach die besten Verkehrsübungsplätze!
An einer Strandstelle rufe ich, dass wir anhalten sollen, wir sind jetzt schon recht weit südlich. Ko Phi Phi zeigt sich am rechten Rand des Horizonts, ansonsten sieht aber vieles gleich aus. Meine Tipps, auch dass er gerne öfter blinken kann, nimmt Julian auf und macht es fortan etwas besser. Ob ich selber deutlich schneller fahren würde? Nun ja, es wäre gelogen, nein zu sagen, aber für den Moment bin ich mit dem Tempo doch ganz zufrieden. Lustig, wie ich mich nach etwa zehn ganzen Tagen Fahrerfahrung (immerhin in verschiedenen Ländern und Orten) wie ein Profi fühle. Okay, soo schwer ist Motorradfahren auch wieder nicht.

Als Nächstes überqueren wir den Hügel auf der Insel, und blicken runter auf die Nordostküste. Generell ist es sehr schön hier, allerdings muss ich mir eingestehen, dass ich nach den letzten zwei Monaten nicht mehr ganz aus dem Häuchen bin, wenn ich Palmen und überwucherte Tropeninseln erblicke. Das erste Mal auf den Philippinen zu cruisen, war schon noch ein ganz anderes Erlebnis. Das Fahren macht aber Spaß, bald kommt auch die erste Kreuzung, an der man sehr vorsichtig sein muss, in welche Richtungen man nach fahrenden Autos Ausschau hält. Zum Glück ist nicht ganz so viel los, wir biegen rechts ab in Richtung „Lanta Old Town“. Kurz vor Dorfeingang stehen auf einmal jede Menge Kopftuchpolitessen am Straßenrand, wenn ich die Frauen mal so zutreffend beschreiben darf. Ich nicke lächelnd, und wir kommen durch. Seit wann gibt es hier auch Checkpoints?? Zwei Deutsche, neben denen wir unsere Scooter parken, bieten uns erst Sonnencreme an, und erzählen dann, dass sie in genau diese Kontrolle gekommen sind, vermutlich kurz vor uns. „Gut, dass wir den internationalen dabei haben“, sagt die Frau. „Wobei, ob man jetzt die 15€ in Deutschland bezahlt, oder die, was war das, 1000 Baht hier…“ Sie zuckt mit den Schultern. „Man kann auf dem Rückweg aber auch da hinten durch“, den Finger auf die Altstadt gerichtet. „Dann werden wir das wohl machen“, erwidere ich. „Aber ja, Hauptsache man hat nen Führerschein, wa.“ Wer weiß, ob es überhaupt einen Unterschied machen würde, wenn jch überhaupt nichts vorzeigen kann. Ein Problem für dann, wenn es passiert. Die beiden Deutschen sehen aber auch sehr nach den typischen Touristen mit hohem BMI aus, vielleicht wurden sie deshalb angehalten. Sie geben uns noch ein, zwei Tipps für die Gegend, sie waren nämlich bereits letztes Jahr hier und wollen es jetzt nochmal „tiefer“ ergründen. Tiefer, als zehn Tage am Strand zu verbrennen, kommentiert mein Kopf ohne Grund.



Vor der Altstadt Lanta steht ein Schrein, der aller Wahrscheinlichkeit nach dem König gewidmet ist. Oder einem seiner Vorfahren, das Gesicht der dunklen Statue innen drin liegt jedenfalls in der Familie. Dahinter geht es in die Altstadt selbst, eine einzige Straße flankiert von Häuser aus Holz. Die Pfosten, an denen chinesische Neujahrslaternen aufgehängt wurden, können theoretisch auch noch als alt zählen, das war’s dann aber schon. Rechts und links tut sich ein Souvenirshop nach dem nächsten auf, wenn man Glück hat, erspäht man auch mal ein Restaurant oder Café. Es ist zwar nett, bietet aber praktisch nichts weiter zum Angucken. Meine Schwester würde es hassen. Jetzt sind wir aber schon hier, also koste ich es aus. Es ist super heiß, das Ladeninnere schafft regelmäßig erfrischende Kühlung. Man kann Klamotten mit Thailandbezug, Postkarten, Schals, Kühlschrankmagnete, Metallposter, Düfte, Schmuck, Essstäbchen und vieles mehr erwerben, am Ende spaziere ich immerhin mit einem 7/11-Tanktop, einem Isoliergriff für Biere und signierten Essstäbchen heraus. Nur knapp bin ich dem Drang entwichen, thailändische Pokémon-Karten oder gar ein „Italian Brainrot Card Playing Game“ einzusacken. Julian scheint weniger begeistert, läuft mir aber artig hinterher, grummelt vor sich hin. Es sind auch andere Touristen unterwegs, hauptsächlich Franzosen, meist in Gruppen und blind im Konsumrausch.

Weil es so abartig heiß ist, brauchen wir schon nach einer Stunde etwas Pause, am besten gleich für eine ganze Stunde. In einem Restaurant verschlinge ich mehrere Lassis, und wir sitzen da und fragen uns ein bisschen, was man jetzt machen könnte. Das Pärchen von vorhin hatte ein gestrandetes Schiffswrack empfohlen. Das gibt es auch, ist aber viel weniger spektakulär als gedacht. Direkt vor der Stadt liegt es am Strand, ein paar Schritte ins Wasser, immerhin kann man noch den Bug und einen aufgezimmerten Elefanten erkennen. Abgesehen davon sind es aber nur Holzbretter, die daran erinnern, wie flach die Küste doch ist. Ein steinerner Steg nebenan führt gut 400 Meter aufs Wasser, wo Boote theoretisch anlegen können. Hier warten eine Handvoll Leute darauf, abgeholt zu werden, wir hingegen begucken die Krebse, die es sich auf den Steinstufen am Wasser bequem machen. Der Ausblick ist zerklüftet, wo genau Festland und wo Insel ist, lässt sich nicht richtig sagen. Hier mit einem Kayak losfahren, in eine beliebige Himmelsrichtung, wäre schon the dream. Natürlich mit ausreichend Sonnenschutz auf dem Kopf, und genügend Wasservorräten. Bis zu einer Insel am Horizont paddelt man garantiert einen ganzen Tag, das werden schon so 30 Kilometer sein. Quasi Island-Hopping ganz alleine. Das hatte ich mir auch schon auf dem Weg von Coron nach El Nido gedacht, so wie die mikronesischen Völker damals. Nur eben etwas sicherer und spannender.



Die Straße rauf steht eine „Pagoda“, eine Art Zwiebelturm des Buddhismus. Ganz in gelb gehalten, wird das Gebäudeensemble perfekt durch die gelben Blüten umstehender Bäume ergänzt. So einen ockerfarbenen Komplex habe ich bereits in Taiwan an der Ostküste gesehen, ist das eine bestimmte Glaubensrichtung oder bewusster Stil? Man sieht weder Besucher noch Betreiber oder Arbeiter, das macht es umso schöner. Wir machen ein kleines Foto-Shooting und schauen dann um die Häuser, bevor wir eine weitere Schattenpause einlegen und weitergehen.



Die Polizei ist jetzt weg, es lässt sich auch ohne Lappen beruhigt fahren. Daran, ob man erwischt wird, kann man ja sowieso kaum etwas ändern, aber allein die Station gesehen zu haben, hinterlässt ein ungutes Gefühl. Die zwei Striche Tankladung gehen jetzt zur Neige, glücklicherweise hilft ein ungleiches Pärchen bei der Suche nach einer geöffneten Tankstelle. Auf der ganzen Insel gibt es scheinbar nur eine oder zwei normale Tankstellen, die übrigen Tankmöglichkeiten beschränken sich hingegen auf kleine Shops, um nicht Straßenstände zu sagen, die ihr Benzin wie Olivenöl in Holzregalen ausstellen und für 40 Baht (1,10€) pro Flasche verkaufen. Die betreibende Frau kommt aus ihrem Stuhl im Vorgarten, wo gerade Wäsche aufgehängt ist, und holt einen Trichter. Ich schraube mein Tankventil unter dem Sitz auf, sie kippt den Kraftstoff hinein. Das ist doch zu witzig, nichtmal auf einer philippinischen Insel habe ich so etwas erlebt. Dazu sehen die Tankregale, die mir jetzt immer öfter auffallen, auch noch super schön aus. Eine Flasche (ein Liter) füllt einen von sechs Ladestrichen auf, wir bleiben bei zwei pro Roller.


Beim Losfahren muss man hier sehr aufpassen, dass man nicht von vorbeirasenden Autos mitgenommen wird. Hoffentlich würde Julian den Schulterblick auch machen, wenn ich es nicht vormache. Das ist wohl die brüderliche Sorge, Motorrad ist halt einfach schwächer als ein Auto. Wir umfahren die Insel jetzt über die Nordspitze, halten aber noch bei einer „Butterfly Farm“, die mir auf Google Maps ins Auge gesprungen ist. Das kleine Gelände gleicht einem winzigen Zoo, ist sehr schön eingerichtet mit seiner Pflanzendecke. Ein einheimischer Mann mit lustigem Akzent begrüßt uns sofort, für den Eintritt zahlt jeder 200 Baht (5,40€). Die Führung dazu gibt es kostenlos und ist besonders interessant, weil der Mann sehr begeistert von dem ist, was er uns erzählen kann. Endlich mal ein Local auf dieser tourismusverseuchten Insel!
Im Grunde geht es ausschließlich um lokale Kultivierung, Züchtung von Tieren und Besonderheiten auf Ko Lanta. Zuerst dürfen wir selbst einmal ausprobieren, was es bedeutet, Getreide zu mahlen, von Hand. An einer entsprechenden Vorrichtung darf man kurzzeitig daran Hand anlegen, wofür die Arbeiter hier mehrere Stunden brauchen. Vor und zurück, vor und zurück schiebt man die Holzstangen, um den Trog umzurühren. Ob das heute immer noch von Menschen erledigt wird, wird mir nicht ganz klar. Der Guide ist grammatikalisch katastrophal aufgestellt, kennt aber die richtigen Stichwörter, sodass man die Quintessenz trotzdem mitnimmt.
Ein kleines Gehege nebenan beherbergt die noch viel kleineren schwarzen Schweine, die zu klein sein, um Fleisch zu geben. „No meat, too small.“ Dafür kann man die süßen Tierchen streicheln, sofern sie nicht zurückzucken, und ggf. auch füttern.


Daneben gibt es unwesentlich größere Schildkröten, die sich im Schlamm suhlen, und einen Vogel, der zwar nicht wie ein Papagei aussieht, sich aber genauso verhält. Die Schildkröten müsse man besonders gut schützen (z.B. durch ein Gitter von oben), denn „otherwise monkey come, play.“ Die gemeinen Primaten würden die Schildkröten auf Bäume mitnehmen, umdrehen und fallen lassen. „Monkey mafia“ sagt er treffend und lacht. Der Vogel ist zuerst schüchtern und sagt nichts, aber der Guide ist mit den Tiefen hier bestens vertraut. Ein paar aufmunternde Worte, und der sechs Jahre lang trainierte Orangeschnabel legt los. Eine mehr oder weniger lustige Begrüßung, dann kommen Stöhnen/Schreien und maschinenartige Geräusche. „Rataratarat“ sagt der Typ vor und lacht sich tot, ein Maschinengewehr. „Tuktuktuktuktuk“, ein Motorrad. Das ist so witzig wie primitiv, ich muss auch lachen. Vor allem habe ich noch nie einen Papagei performen sehen, wenn ich so darüber nachdenke. Das Tier ist niedlich, aber zu nah sollte man ihm nicht kommen. Als der Guide einen Finger an das Gitter hält, sieht es für mich so aus, als würde er ihn nur mit Glück behalten. Auch ist das Gitter an einigen Stellen geflickt, der schwarze Vogel habe schon einigen Schaden angerichtet.

Nicht weniger destruktiv scheint die Schildkröte nebenan zu sein, eine „snapping turtle“, zu Deutsch „Schnappschildkröte“. Ihr fehlt der Panzer, von Natur aus. Die gummiartige Schicht auf dem Rücken wirkt aber stabil, der Guide erklärt. „He fight in the swamp, we take him many years ago. Here you see, scratch and scratch.“ Mehrere Stelle zieren den Rücken des katzengroßes Tieres, das er aus der Wasserlache eines Beckens geholt hat und uns jetzt vorhält. Auch Kollisionen mit Booten gab es, zudem sieht man die Narbe einer Geschosswunde. Der Kopf ist tief eingezogen, fährt wie auf Ansage aber weit heraus. „He eat car, dog, chicken, he eat everything.“ Wie das mit dem Rüssel gehen soll? „No no, he has tooth, here.“ Stimmt, ein versteckter Mund offenbart spitze Zähne, mit denen das Raubtier seine Beute erlegt. Wir sollen unsere Finger besser fernhalten, bei ihm hingegen sei alles in Ordnung, sagt der Typ und lässt das Vieh zu seinen Füßen wieder ins Wasser. „He know me for long, it no problem.“

Als Nächstes zeigt man uns einen Gummibaum. Die Rinde abzuschürfen, schade dem Lebewesen angeblich nicht, dahinter rinnt extrem klebriges weißes Harz. Eine Konstruktion leitet die zähe Flüssigkeit in eine Holzschale, wo sie trocknen kann und schließlich stabiles Supermaterial formt. „We make everything with this.“ Schuhe, Autoreifen, Hüllen, alles mögliche. Es gibt einen Gummiklotz zum Anfassen, er wirkt unkaputtbar. Wenn das Harz fünf Minuten trocknet, braucht man bereits Maschinen, um bspw. zwei Finger voneinander zu lösen. „We have people eat, they die. When in your stomach, have to cut“, er zeigt auf seinen Bauch, „and cut out. Die.“ Die an diesen Bäumen wachsenden Pilze sind hingegen essbar. Eine dunkle, aber sehr warme Hütte nebenan lagert hunderte, tausende kleine Säckchen des zerschredderten Pilzpulvers, das als Zusatz für Pilzsuppen dient.

Größere Tiere gibt es auch. „Here you see buffalo. On Ko Lanta“, beim Inselnamen betont er stets die letzte Silbe, „we have to kinds, the white one, and the dir… black one.“ Die meisten Tiere grasen in einem Gehege weiter hinten, zum Angucken stehen zwei aber direkt auf dem Gelände. Sie sind mit Seilen miteinander verbunden, die jeweils durch ihre Nasenlöcher gehen, was ziemlich unangenehm aussieht. Der Hauptgrund sei, dass sie sonst auf die Straße laufen würden, sodass Motorradfahrer, die auf sie prallen, verunglücken würden. „Happens every year in Ko Lanta.“ Eigentlich seien sie friedlich, aber falls sie doch einmal attackieren, würden sie das seitlich machen. Ihre Hörner sind bogenförmig ausgebildet, deshalb können sie nicht wie Kühe von vorne rammen.


Das vorletzte Gehege ist Zuhause eines Otters. Am Boden liegen abgebissene Fischköpfe, davon nicht zu wenig. „He eat three to four kilo fish a day.“ Da er nicht größer als eine Katze ist, ganz schön beachtlich. Der Guide nimmt das nasshaarige Tier heraus und in seinen Arm. Es beißt ihm in den Hals, allerdings freundschaftlich spielerisch, wie wir sehen. Hyperaktiv guckt es um sich, zeigt seinen Charakter. Man merkt sofort, welche Beziehung der Mann zu seinem (mehr oder weniger) Haustier hat, einzig störend sind nur die ziemlich hohen Fieptöne. Wir dürfen auch alle streicheln, eine blonde Familie ist mittlerweile dazugestoßen. Auch der Otter wurde von der Farm aus einer der nördlichen Sümpfe gerettet, wovor auch immer. Der Guide zeigt uns Bilder auf seinem Handy, wo er ausgewählte Tiere der Farm in seinem Zimmer hat schlafen lassen. „Monkey mafia, they come at night and play.“ Was für Mobber.


In einer Schüssel sehen wir pechschwarze Skorpione, die giftig seien und wegen denen man nachts auf gar keinen Fall Flipflops tragen sollte. Den Guide habe es vor ein paar Jahren mal nachts in dicken Gummistiefeln erwischt, als er am Cashewnuss-Pflücken war. Trotz der Gummischicht musste er ins Krankenhaus und lag einige Tage flach, ohne sich bewegen zu können. Gut, dass uns das mal jemand sagt. Außerdem erfahren wir über weitere Pflanzen, die auf Ko Lanta wachsen. Kürbisse und natürliche Schwämme, den „luffa“. Lila Chilis, die die Affenmafia bei ihren Plünderungen verschont, zu scharf. Auch die Ananas selbst rühren sie nicht an, dafür aber ihre Blätter. Die würden für Affen sehr süß schmecken, unser Guide macht vor, wie sie daran kauen würden und gucken, als wären sie dekadente Feinschmecker.


Zuletzt sehen wir den namensgebenden Bereich, die „Butterfly Farm“. Ein von allen Seiten mit einem Netz umgebender Bereich ist ebenso allseitig von grünen Pflanzen umschlungen, es ist wie im Tropenhaus. Eine Menge Schmetterlinge flattern umher, legen sogar kurze Sinkflüge ein. Das habe ich noch nie beobachtet, sehr cool. Für Fotos sind sie aber zu scheu, nicht so wie die riesigen Exemplare auf Lü Dao.

Nach diesem Besuch jagen wir die Runde um Ko Lanta zuende, kehren zur Nachmittagspause ins frisch gemachte Zimmer ein. Erst um kurz vor sechs geht es nochmal los, in Richtung Süden. Zwar schaffen wir es nicht ganz, zum Sonnenuntergang an einem der südlichen Strände zu sein, allerdings finden wir zwischen Restaurants und Unterkünften ein verlassenes Grundstück mit leicht umgehbaren Stacheldrahtzaun, von dem aus man auf den Strand gucken kann. Zwar gibt es weiter hinten einen offiziellen Strandzugang, aber wenn es den nicht gäbe, wäre der riesige Sandbereich einfach mal komplett privat, irgendwie eine absurde Vorstellung. Man sitzt in dem Brachland nicht so gut wie auf Sand, Julian steht ob seiner geröteten Beine aber sowieso lieber und leidet stumm. Wir reden über die schönsten Sonnenunzergänge, die wir bisher entweder am Atlantik oder in den Philippinen erlebt haben. Für Ko Lanta messe ich übrigens zwei Minuten und zehn Sekunden, die die Sonne braucht, um die Horizontlinie zu überqueren.


Nebenan liegt glücklicherweise ein Veggie-Restaurant, in dem die Strandtische zwar belegt sind, der beste (wenn auch romantische) Sofaspot auf der Veranda aber frei ist. Hier genießen wir unser Thaifood, reden über die aus dem Lautsprecher tönende 70er-Jahre-Mucke und Julians Experimente an seiner Uni, und sehen dem roten Himmel dabei zu, wie er immer dunkler wird und den Lichtern auf den Fischerbooten weicht.

Im Dunkeln geht’s vorsichtig zurück, die Schlaglöcher waren schon bei Tageslicht äußerst fies. Ich telefoniere noch mit Julius, der morgen mit einem Kumpel nach Krabi geflogen kommt. Spontan entscheiden Julian und ich also, auch dorthin zu fahren. Wollen wir doch mal sehen, wie unfassbar geil der angekündigte Thailand-Urlaub wirklich ist. Immerhin eine Elefantentour steht für Samstag in Aussicht, da sage ich nicht nein. Urlauben im April und Mai muss ich Julius hingegen absagen, aber das ist halb so schlimm. Ich kümmere mich weiterhin um Bewerbungen, den Rest des Abends wird gegammelt.
Hinterlasse einen Kommentar