Ao Nang (Freitag, 13. März)

Für 400 Baht (10,80€) pro Person verlassen wir heute Ko Lanta in Richtung Krabi. Der Van ist bodenlos voll und uns armen Würstchen bleiben nur die hintersten Sitze. Genau genommen ist es nur ein großer Sitz, zu erkennen an einem Anschnallgurt. Selbst ganz nach hinten gerückt, stoßen die Knie immer noch vorne an, um von Rückenschmerzen gar nicht zu reden. Die meiste Zeit warten wir auf die kurze Fähre, die eigentliche Strecke nach Krabi legt der Fahrer daraufhin rasend schnell zurück. Teilweise schließt er sich Überholzügen von bis zu drei Autos an, bei denen er dauernd hupt, weil er nicht sieht, ob hinter seinem Vordermann Gegenverkehr entlang schnellt. Kurz vor Krabi springt ein britisches Pärchen unbewusst für uns in die Bresche und versucht, den Fahrer davon zu überzeugen, den Van nach Ao Nang zu bringen, weil es angeblich „included“ sei. Da bin ich mir nicht so sicher, aber wir müssen auch dorthin, deshalb hoffe ich. Letztlich müssen wir 100 weitere Baht (knapp 3€) zahlen, was aber immer noch komfortabler als ein Grab ist.

Einstimmung auf die Elefanten

In Ao Nang, das sich über einen längeren Küstenstreifen erstreckt, können wir zum Glück schon vor eins einchecken. Die Lichtschalter benötigen etwas Wucht, ansonsten ist das Zimmer aber schwer in Ordnung. Die Dame an der Rezeption trägt Kopftuch, der Islam erstreckt sich über weitere Teile Thailands, als ich dachte. Kleine Tafeln werben für Besuche auf nahegelegenen Inseln, u.a. auf „James Bond Island“. Julian lehrt mich, dass einer der Filme dort gedreht wurde. Heißt das, die Insel wurde nach dem Film umbenannt?

Bevor Julius und sein Kumpel später eintreffen, wollen wir aber schonmal erkunden. Die beiden werden nämlich fünf Nächte hier sein, wir nicht mehr als zwei. Östlich des Orts ragt ein gewaltiger Felsen in den Himmel, grob geschätzt ist er bestimmt an die 200-300 Meter hoch und an den flacheren Seiten (also nur weniger steil) komplett überwuchert. Es wundert mich kaum, dass Maps keinen Wanderweg hinauf anzeigt, der wäre sicher nicht gut für die Öffentlichkeit. Hinter dem Fels soll es aber mehrere Buchten geben, teils nur über das Wasser erreichbar. Eine von ihnen ist unter Kletterern bekannt, das hat Julian aus einem Reiseführer erfahren.

Ao Nang und sein Wahrzeichen

Klettern müssen wir nicht gleich, aber ich habe einen monkey trail gefunden, der am Fuße des Bergs in die nächste Bucht führt. Dorthin laufen wir über den Strand, auf dem sich massenhaft Touristen tummeln. Der Horizont sieht atemberaubend aus, ich verstehe also durchaus, warum. Neben Ko Yao Yai im Westen (das liegt noch vor Phuket) sieht man ein wenig vor der Küste viele kleine Inseln, die bemerkenswert schief oder steil aus dem Wasser ragen. Auch wenn das vielleicht nicht direkt die James-Bond-Inseln sind, so kann ich mir doch bestens vorstellen, dass man bei dem Anblick Lust bekommt, einen Actionfilm zu drehen.

„Ao Nang Beach“
Beeindruckende Felswand. Wo bleibt Alex Honnold?

Am Ende der Stadt fließt ein Rinnsal ins Meer, und der ‚Wanderweg‘ beginnt. Affen darf man nicht füttern, steht auf den Schilder, für mich eine alte Leier. Interessanter ist eher die Ankündigung eines Boxturniers direkt daneben, in dem lauter Thailänder und ein einziger Westlicher namens Theo antreten.

Affenregeln und ein Boxturnier

Der Wanderpfad besteht wie beim Affenberg in Kaohsiung aus Holztreppen, wobei es offensichtlich schon frühere Versuche gab, genau diesen Weg zu errichten. Die Bruchstücke alter Wege wurden einfach der Natur überlassen, sodass man teilweise das Gefühl hat, auf einem Schienennetz an Stufen zu laufen. Ein einziger Affe zeigt sich, selbe Art wie in Kaohsiung, er guckt aber nur in die Ferne und interessiert sich nicht für die Menschen, die aufgeregt Fotos knipsen.

Ein Schienennetz aus Wegen

Nachdem der Weg einmal steil rauf und einmal steil runter führt, kommt auch schon die angesprochene Bucht. Auf dem „Pai Plong Beach“ ist weniger los als vorher, es lädt aber auch einfach nicht ganz dazu ein. Ein kantiger Frachter liegt am Strand, über eine Laderampe bringen Leute Müllsäcke an Bord. Hinter sichtverschränkenden Bauzäunen glimmen Bagger hindurch, die offensichtlich irgendetwas abreißen. Was, wird mir nicht klar, aber weiter oben am Hang sieht man einige Villen, die schon etwas älter sind. Am Ende der Bucht rauchen Einheimische auf ihren trocknenden Kayaks. Apropos Rauchen: Schon in den letzten Tagen, aber in Ao Nang ganz besonders riecht man Cannabis, wohin man auch geht. An manchen Restaurants stehen Verbotsschilder, aber der Strand ist voll mit Paffern, in der Stadt bietet jeder dritte Laden Ganja an. Von Julius habe ich Ähnliches gehört, das wird bestimmt interessant später. Auf jeden Fall gehen Julian und ich noch auf einen langen Steg, der modular aus Plastikboxen aufgebaut ist und sich mit den Wellen bewegt. Von hier ist die Aussicht fast am besten, der Ausflug hat sich gelohnt.

Das Müllschiff legt an
Ein Steg am „Pai Plong Beach“
Eine Aussicht vom Wasser ist oft besser als eine vom Land
Zurück nach Ao Nang

Zurück im Apartment chillen wir, bis die beiden Jungs den Ort erreichen. Wir treffen sie vor einem Café in der Nähe, gut zu erkennen an Julius‘ breitem Grinsen. Sein Kollege heißt Edes, studiert mit ihm, hat eine etwas kindliche Stimme und lächelt ebenfalls nett. Zusammen laufen wir runter an den Strand, der jetzt noch überlaufener ist als vorhin. „Boah“, sagt Julius. Nach dem Trubel in Bangkok hatte er sich bestimmt etwas mehr Ruhe erhofft, feiert prinzipiell aber, überhaupt mal am Strand zu sein. Im Ort selbst ist es auch nicht viel besser, aber von der Seite lässt es sich aushalten, wir suchen das gleiche Restaurant auf, in dem Julian und ich vorhin waren. Der etwas mehr als einstündige Flug hat den beiden Neuankömmlingen Energie gekostet, sie schlagen sich mit thailändischem Reis, Salat, Sandwich, Curry und… einer Pizza die Mägen voll. Ich komme endlich in den Genuss eines „Leo“-Bieres, gar nicht so schlecht, wenn auch ein bisschen lau. Dabei lassen Julian und ich uns viel über Bangkok bzw. den Trip von Julius und Edes erzählen. Fünf Tage wären mir glaub ich zu viel, aber der „Temple Run“ der beiden klingt wirklich ganz lustig. Dass es in der Stadt so viele historische Gebäude gibt, war mir überhaupt nicht bewusst, aber wahrscheinlich hat man nach zehn Tempeln irgendwann auch mal genug. „Chinatown“ soll stinken, die „Ancient City“ sei fast eine Tagestour wert, damit haben wir ja fast schon ein komplettes Programm für nächste Woche. Überteure Profi-Massagen für 1000 Baht, Infinity Pools, die in Wahrheit keine sind, Rooftop Bars und einen 2000 Baht – Hot Pot können wir uns denke ich sparen. Julian will trotzdem nochmal den Reiseführer durchleuchten, keine schlechte Idee. Über den morgigen Tag beraten wir außerdem, nach einigem Überlegen fällt die Elefantentour dann wohl doch aus. Zu kurz wäre unser Zeitfenster, bevor die nächsten Touristen durchgeschleust werden, oder soll ich lieber abgezockt sagen. Alleine wird man die edlen Tiere vermutlich nicht sehen können, und für eine halbe Stunde füttern und ein Foto sind mir die knapp 40€ dann doch etwas viel. Auch Julius und Edes schauen mittlerweile aufs Geld, nachdem sie ausführlich aufgedröselt haben, wofür das Geld in Bangkok letztlich draufgegangen ist. 20.000 Baht (550€) in ein paar Tagen auszugeben, ist gerade in Thailand wirklich eine Leistung. Nicht, dass jetzt kein Geld mehr da wäre, auf keinsten Fall! Aber wenn es bald noch auf die Azoren und nach Portugal-Festland gehen soll, kann man punktuell auch mal sparen.

Ein klassische Pizza, umgeben von thailändischen Gerichten

In der Dunkelheit gehen wir nochmal zum Strand, wo in einiger Entfernung eine Feuershow stattfindet. Junge Jongleure schleudern sich brennende Stangen zu, drehen mehrere Stäbe simultan in der Luft und klettern dabei auch noch aufeinander. Die Kunststücke sind wirklich nicht schlecht und kommen fast an die Performance der Crew vom Island-Shopping auf Palawan heran, das übrigens heute vor einem Monat gestartet ist. Wir gucken von der Seite zu, bekommen fast einen Funkenregen ab, während aus der Nachbar-Bar unerträglich unpassende Musik ertönt, die sich mit der der Aufführenden haarscharf beißt. Verkäufer laufen herum und drehen Familien mit Kindern sowie Abergläubischen Laternen an, die nach dem Anzünden in den Himmel steigen. Alle fliegen sie aufs Meer, total nachhaltig… Auch eine Drohne ist unterwegs, filmt die in die Ferne eilenden Laternen.

Feuershow am Strand
Die Show ist abwechslungsreich und hält die Zuschauer lange in ihrem Bann
Dabei werden wir auch fast getroffen

Julius und Edes reden zwar die ganze Zeit von Massage mit „happy end“, machen heute aber mal eine Pause davon. Stattdessen geht es nochmal zum 7/11, auf ein letztes Bier, welches wir auf dem Balkon der beiden genießen. Die Jungs kaufen sich außerdem zwei Liter Softdrink und drei riesige Chipstüten, in dem Vergleich fühle ich mich mit meiner Ernährung zuletzt ja fast gesund. Für morgen überlegen wir uns eine Kayaktour durch die lokalen Mangroven. Vermutlich wird es da auch nicht gerade leer sein, also beschließen wir, keine geführte Tour mit Shuttle zu buchen, sondern auf eigene Faust hinzufahren und Kayaks auszuleihen. Ansonsten reden wir über Bewerbungen, die sowohl bei mir als auch bei Julius und Edes für ihre Bachelorarbeiten laufen, allesamt haben wir aktuell wirklich kein Glück. Aber bei den Jungs wurde der restliche halbe Studiengang auch nirgendwo angenommen, von daher kann es gar nicht an ihnen oder der mit ChatGPT formulierten Mail liegen. Wir kommen dann noch auf Bier und die Kastenläufen am Schlachtensee zu sprechen, spielen verschiedene Strategien durch, auch fürs Ringbahnsaufen. Auch Massagen und Strandparadiese sind Thema. Immer wieder machen die Jungs dabei Bemerkungen oder Anspielungen auf Happy Ends und ähnliche Dinge, so in der Gruppe, mit einem Fremden und mit meinem Bruder behagt mir das Thema irgendwie nicht ganz. Außerdem fällt mir auf, dass Edes genau denselben Tick wie Julius hat, immer das „B“ im „Boah“ zu betonen, fast wie ein „P“ auszusprechen und der ganzen Silbe Klang zu verleihen. Jetzt frage ich mich, wer es von wem geklaut hat. Sobald sich zwei Leute so benehmen, finde ich es irgendwie kindisch, es wirkt wie eine Babysprache. Für morgen verabreden wir dann, uns passend zur Mittagshitze (um dem größten Andrang zu entgehen) nach „Ao Thalane“ fahren zu lassen, und zu hoffen, dass man sich auch ohne Guide Kayaks ausleihen kann.

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