Eigentlich hatten wir ja geplant, halb Thailand mit dem Zug zu bereisen. Jetzt haben aber schon südliche Seitenabstecher hinter uns und kommen erst jetzt dazu. In Surat Thani rufen wir unseren ersten eigenen Grab, der uns per Elektro-SUV durch die verkehrsreichen Vorstadtstraßen zum Bahnhof bringt. Manche Ampelphasen dauern viele Minuten, wirklich unglaublich, wie anders das in Asien läuft. Wir haben aber schon Tickets und in dem überschaubaren Gebäude weist man uns sofort zum einzigen Zug. Über- oder Unterführungen gibt es natürlich nicht, man schaut einfach rechts und dann links, dass man nicht zufällig überfahren wird.
Die Langstreckenbahn, deren Gesamtstrecke von Padang Besar an der Grenze bis nach Bangkok reicht, ist nicht ganz so abenteuerlich aufgebaut wie der quasi fensterfreie Zuckelzug, den wir vor einigen Tagen genommen haben. Es gibt aber trotzdem jede Menge Ventilatoren an der Decke, die Sitze fühlen sich klapprig an und auch die Strecke lässt uns zappeln, auf-ab, auf-ab. Frühstück ersetzen wir mit Gummibärchen vom gestrigen Markt, die verbleibenden Stunden überbrücken wir dafür mit auditivem Genuss. Ich entdecke viele neue Songs der taiwanesischen Band „Amazing Show“ und bedaure, der Sprache nicht auf höherem Niveau mächtig zu sein. Landschaftlich ändert sich draußen nicht viel, während wir den relativ schmalen Landstreifen östlich der myanmarischen Grenze passieren, alles ist irgendwie grün, palmig und sonnig feuchtklimatisch.


600 Kilometer und auch gut sechseinhalb Stunden später landen wir an, Phetchaburi ist erreicht. Schon während ich im Zug sitze, fallen mir neben den Schienen eher Gärten und Schotterhöfe anstelle von breiten Straßen oder hohen Häusern auf. Diese ist wohl eine der kleinsten Städte, die wir in Thailand zu sehen bekommen werden. Am Gleis treffen wir eine mittelalte Niederländerin, die backpackt und erzählt, dies an eine Reise mit ihrem Vater rangegangen zu haben. Na, so ein Zufall, wir auch! Ansonsten scheint es aber keine irrtümlich hierher verirrten Touristen zu geben, selbst vor den Bahnhofsgebäude werden Julian und ich nicht angesprochen. Da stehen nur private Motorräder, ein paar Pickups und immerhin ein Getränkestand, an dem man sich runterkühlen kann.

Den Weg zum Hotel laufen wir, durch unbelebte Seitenstraßen geht es auf das Wahrzeichen der Stadt zu, den „Geschichtspark Phra Nakhon Khiri“. Es handelt sich wohl um eine Tempelanlage o.Ä., jedenfalls ist der Komplex auf einem großen Hügel errichtet, der als Orientierungspunkt der Gegend fungiert. Zwei, drei große Straßen gibt es dann doch noch, sowie einen riesigen Park mit Statuen, Denkmälern und noch viel mehr Prunk, alles dem vierten König der aktuellen Dynastie gewidmet.

Nicht viel weiter zeigt sich aber wieder die Natur: Wohin man auch schaut, Affen, Affen und noch mehr Affen. Die Plastikbecher in unseren Händen provozieren fast einen Angriff, trotz Straße drei Meter neben uns scheint die Tiere nichts zu beeindrucken. Das Hotel liegt am Fuße des Hügels und bietet uns ein großes Zimmer im zweiten Stock, wobei fast alle anderen Zimmertüren offen stehen und wir offensichtlich die einzigen Gäste sind. Im öffentlichen Bereich gibt es so gut wie keine Fenster, von Dämmung brauchen wir gar nicht erst reden. Schön, wie viele Freiheiten man in der Planung hat, wenn es nie kalt wird.



Wir machen es wie sonst und gehen recht schnell wieder los. Nicht nur, um das letzte Tageslicht auszukosten, auch unsere Mägen beschweren sich. Auf dem Weg in die ‚belebteren‘ Viertel östlich von hier kommen wir an vielen religiösen Bauten vorbei, u.a. steht direkt vor unserer Haustür eine buddhistische Klosteranlage. Einige Mönche in orangener Robe, auch junge, sitzen an Tischen und vertreiben sich die Zeit oder helfen im Garten mit. Einheimische laufen in den Gassen hin und her, machen Besorgungen, spielen mit ihren Freunden oder unterhalten sich fröhlich. Es ist ziemlich schwer, in dieser untouristischen Gegend etwas Vegetarisches zu finden, aber einige chinesische Restaurants später findet sich etwas mit mehr Auswahl. Speisekarten gibt es wie selbstverständlich nur auf Thailändisch, trotzdem sollen wir die Bestellung selbst aufschreiben.




Solange es hell ist, erkunden wir dann noch die Stadt, indem wir mal hier, mal hier abbiegen. Uns drängt sich der Verdacht auf, dass heute ein Feiertag oder so begangen werden könnte (auch wenn Google nichts dergleichen sagt), denn erstaunlich viele Rolläden sind runtergelassen, die Straßen fühlen sich leer an. Ich sehe keinen einzigen Massagesalon, Touriläden mit Elefantenhosen sowieso nicht. Auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels mit weißen Türmen sind wir die einzigen Schaulustigen, dabei sieht es doch so schön aus. Eine Erklärtafel ist zwar auf Englisch, strotzt aber nur so vor fehlerhafter Grammatik, der Text ist kaum lesbar. Ein wegfahrender Pickup hat locker 15 Leute auf seiner Ladefläche, einige lächeln und winken mir zu.

Ich hatte glaube schon erwähnt, dass die Gebäude in Phetchaburi nicht hoch sind, aber ganz ehrlich, ich sehe wirklich kein einziges Hochhaus. Verstärkt wird dieses Bild noch durch den Stadtfluss, der sich wie ein Kanal zwischen den hölzernen Hütten am Rande durchschiebt. Ob man‘s glaubt oder nicht, hier baden tatsächlich Leute. Nie im Leben ist der sauber, aber vermutlich ist es ihnen einfach egal.


Viele Straßen später muss ich die Suche nach Souvenirs aufgeben, hier wird das nichts. Dafür sind wir an zig Schuhläden vorbeigekommen; leere Markthallen, lange Schlangen vor Arztpraxen und Abendessen an Straßenständen sind auch dabei. Alle Nichteinheimischen, die ich hier gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen, und wir fragen uns jetzt schon, was man morgen noch tun kann, nach dem Wahrzeichen oben auf dem Hügel. Immerhin ist die Stadt namensgebend für die ganze Provinz und sieht auf Google gar nicht mal so klein aus.


Julian provoziert durch Nahaufnahmen einige wachende Hunde, ansonsten sind die Straßen ruhig. Wobei, wir treffen auch einen Mann, der aus fünf Metern Entfernung rüberwinkt und laut ruft, dass er Japan liebt. Dann salutiert er, schlägt seine Hacken aneinander und verneigt sich mit aufeinanderliegenden Handflächen. Ich grinse zurück, wie lustig. In den Philippinen wurde ich schon einmal für einen Japaner gehalten, das scheint für die südostasiatischen Kulturen nicht so einfach zu unterscheiden zu sein. Ich habe dunkle Haare, vergleichsweise helle Haut, vielleicht entspricht mein Style dem hiesigen Stereotyp von Japanern? Für die meisten Europäer sehen Asiaten ja auch gleich aus, dabei kann ich mittlerweile recht gut zwischen Koreanern, Japanern, Chinesen, Vietnamesen und Filipinos unterscheiden. Unweigerlich muss ich auch an vietnamesische classamtes von Ihsan zurückdenken, die uns erzählt haben, wie ihre Landsleute haufenweise Schönheits-OPs bezahlen, um sich Augenlider anzukleistern und mehr wie Europäer auszusehen. Verrückte Welt.

Für unseren Minikühlschrank decken wir uns noch beim nächsten 7/11 ein. Solange ich Zugriff auf Erdbeer-Fanta habe, muss ich das nutzen! Leider funktioniert unser Hotel-WLAN nicht, der Rezeptionist vertröstet mich mit einem angeblichen Kabelbrand. Tatsächlich funktioniert es später, aber nur für simple Textnachrichten. Schlechtes Beigeschmäckle…
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