Ich muss mir das Grinsen verkneifen, als der Rezeptionist fragt, ob wir nicht noch frühstücken wollen. „No thanks, we don’t have the time.“ Besseres gibt es mal wieder im 7/11, von wo aus wir den Bahnhof aufsuchen. Der Zug hat Verspätung, kommt ohne das Express-Label und beinhaltet sogar Schlafwagons. Die Fenster sind mal wieder alle offen gelassen, ich muss richtig aufpassen, mir keinen Sonnenbrand zu ziehen. Ein Weiterschlafen kann ich außerdem vergessen, weil alle paar Minuten ein Verkäufer oder eine Verkäuferin durch den Wagen eilt und laut ihre Produkte vermarktet. Reguliert ist das hier bestimmt nicht, die Frequenz viel zu hoch. Am Ende nehmen die Verkäufer noch einen nennenswerten Prozentteil aller Passagiere ein…
Bangkok offenbart sich mir kaum anders als erwartet. Das, was ich zuerst mitbekomme, ist ein lauter, umtriebiger Bahnhof, sehr viele Leute auf den Rolltreppen, darunter viele weiße Gesichter. Die Rolltreppen selbst sind mit die schnellsten, die ich jemals gesehen habe, irgendwie muss die Masse ja abgefertigt werden. Vor den Nahverkehrslinien muss man lustigerweise durch Sicherheitsschranken gehen, ganz wie am Flughafen. Kein Wunder, dass bei meinem Rucksack alles blinkt und piept, aber das System scheint sowieso nur Dekoration zu sein – die Mitarbeiter winken mich gelassen durch. Das Metrosystem selbst funktioniert genau wie in Kuala Lumpur: die Linien sind getrennt voneinander, man kauft sich elektronische Chips, die man nach der Fahrt wieder in den Kasten schmeißt. 42 Baht (1,10€) für eine Fahrt quer durch die City, nicht schlecht. Es ist durchweg überfüllt, mit den Rucksäcken nicht ganz einfach. Wir steigen an der Station „Sukhumvit“ der blauen Linie aus, die über einer viel befahrenen Kreuzung liegt, ähnlich wie in Kuala Lumpur oder Taipei. Man braucht gar nicht erst versuchen, über die Straße zu kommen, da ist die Überführung sicherer. Unter uns düsen alle möglichen Fahrzeuge herum, dicht gedrängt: Laster, SUVs, Motorräder, auch Tuktuks. Wie laut es ist, brauche ich wohl nicht ernsthaft zu erwähnen. Zum Glück liegt unser Hotel nah, aber in ruhiger Seitenlage und lässt uns bereits vor 12 Uhr das Zimmer im sechsten Stock beziehen. Nur eine Fensternische sorgt für Tageslicht, die sonstige Ausstattung ist einem letzten Aufenthalt aber würdig. Teppichboden, LED-Lichtschalter, dunkelblaue Wände, außerdem gibt es einen Pool auf dem Dach.


Julian will seine Hotelkarte beim Losgehen abgeben, was sich mir nicht ganz erschließt, schließlich lässt er es sein. In Sukhumvit, der beliebten Wohngegend, gibt es natürlich massenhaft Gelegenheiten zum Essen, die nächste liegt einen Steinwurf vor unserer Haustür. Die große Küche hat unsere Bestellung schnell parat, ziemlich convenient genießen wir unser preiswertes Mittagessen.

Zum Nachmittag hin folgen wir Julius‘ und Ediz‘ Empfehlung, einen „Temple Run“ von Süden nach Norden zu unternehmen. Dazu fahren wir nach „Itsaraphap“, eine Metrostation nahe dem Fluss „Chao Phraya“. Dort laufen wir erst einmal durch relativ normale Straßen, können sowohl die eigentümliche Architektur mancher Gebäude als auch den allgegenwärtigen Kabelsalat an Laternen und die drängende Hitze über all den Betonflächen bewundern. Der Verkehr ist wieder zur Stelle, laut, schnell und gefährlich. Alle paar Ecken gibt es Überführungen, und man braucht eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, um eine Straße zu queren. Sofort springen einem wieder die aufgestellten Gemälde vom König und seiner Familie ins Auge, nur die goldenen Rahmen und ihre Outfits halten mich davon ab, sie mit Politikern zu verwechseln. Moment einmal! Der König macht in Thailand ja Politik. Wobei er es von Amtszeit wegen nicht gerade nötig hätte, sich bekannt zu machen. So veredelt sein Antlitz aber auch das Eingangstor einer Marine-Kaserne, die in luxuriösem Weiß gehalten ist und deren Gebäude sogar schräge Dächer haben, wie man beim Reinluschern erkennt. In der Gegend sind nicht nur Mönche in ihren markanten orangenen Roben unterwegs, ich sehe auch Kinder im Alter meiner kleinen Schwester, die dieselben Outfits tragen und kahl rasierte Köpfe haben. Aber einen Bubble Tea in der Hand, diese weltliche Freude bleibt ihnen nicht verwehrt.


Die erste von drei Hauptsehenswürdigkeiten ist das sogenannte „Wat Arun“, eine Art Tempel-/Gebetsstättenanlage am Flussufer. Jede Person zahlt 200 Baht (5,30€) und bekommt sowohl Handgelenksstempel als auch eine kleine Flasche Wasser. Zwischen alten Häusern, deren Dächer absichtlich so weit überragen, dass ja kein brühendes Sonnenlicht hereinscheint, schlängeln sich die Touristenmassen durch. Auf einmal ist man nicht mehr in Thailand, sondern auf einer von europäischen Touristen kolonisierten Urlaubsinsel im tropischen Mittelmeerraum. Oder so ähnlich. Deutsch hört man nicht nur oft, sogar Hinweisschilder, die vor Taschendieben warnen, sind neben Englisch auf Deutsch gehalten.

Die Hauptattraktion des doch recht großen Geländes ist ein sich vertikal verjüngender Turm, anders kann ich es kaum beschreiben. In der Form ganz ähnlich wie der eine Gebetsschrein gestern in Phetchaburi, dient er wohl auch demselben Zweck. Nur dass hier so viele Fotos geschossen werden und Leute den Weg versperren, dass es kaum möglich wäre, auch nur ein ansatzweise ruhiges Gebet zu vollziehen. Dabei ist die Dekoration doch so schön: Aufwändige Figürchen, die die jeweils nächsthöhere Ebene tragen, abertausende Verzierungen im Stein, nach oben hin immer steilere Treppen, die leider nicht öffentlich zugänglich sind, und und und. Nebenan gibt es nämlich viele weitere Gebäude. Wie alt diese wirklich sind, kann ich nur schwer beurteilen, an das europäische Mittelalter kommen sie aber bestimmt nicht heran. Frei vermutet würde ich sagen, die umtriebigen Mönche erfüllen darin irgendwelche Bürojobs, oder es werden Gegenstände für Zeremonien gelagert, oder es finden sogar Kurse und Zeremonien selber darin statt. In einem öffentlichen Haus jedenfalls können wir einem Mönch dabei zusehen, wie er zwei Frauen salbt. Fast überflüssig zu erwähnen, dass es mal wieder riesige Portraits der Königsfamilie gibt, präsentiert auf einer makellosen Wiese.






Im Gegensatz zu den meisten Touristen versuche ich nicht, von allem und jedem ein Foto zu machen. Das ganze Gelände ist eine einzige Reizüberflutung und ich habe wenig Lust auf eine Galerie mit hunderten Ornamentfotos, die ich mir ehrlich gesagt nie wieder anschaue. Die schönen Details schaue ich mir lieber live und in Farbe an, auch wenn ich sie bald vergessen werde. In einem Hinterhof tummeln sich Fotografen, die sich für gute Fotos gut bezahlen lassen. Einige Touristen, vor allem die asiatischen, haben sich nebenan traditionelle Gewänder gekauft, die für mich Laien nicht weit entfernt von indischen Hochzeiten aussehen (obwohl sie das bestimmt sind). Auf einigen Infotafeln erfährt man bei Bedarf mehr über den Buddhismus, u.a. wird die Geschichte eines Mörders erzählt, der später in seinem Leben zum Buddha wurde, sprich Erleuchtung erlangte. Außerdem wird es verteufelt, sich Buddhas zu tätowieren. Erstens sei die menschliche Haut nicht rein (sobald man sich mal einen Tag nicht duscht, wäre das Antlitz Buddhas beschmutzt, so die Tafel), dazu kommt die Fehlbarkeit des Menschen (die einfach nicht dem perfekten Wesen entspricht) und es könnte Missverständnisse geben. Manche der Mönche haben große Tattoos von Pflanzen auf der Brust, es sind also wirklich explizit Leute mit Buddha-Tattoo gemeint, denen der Zutritt zum Gelände verwehrt werden soll.

Die anderen beiden Attraktionen befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, aber zum Glück sind die Anlagen schon so kommerzialisiert, dass es von Grundstück zu Grundstück Fähren gibt. Eine Fahrt (die immerhin auch nur 100 Meter überbrückt, wenn überhaupt) kostet 10 Baht (keine 30 Cent), nur wartet man lange auf ein passendes Schiff. Auf der Nordseite müssen Julian und ich erstmal in einem Café verschnaufen und uns mit einem Smoothie hydrieren. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr eine Stunde Rumlaufen auslaugen kann. An der nächstgrößeren Straße spricht mich ein älterer Herr mit Sonnenbrille und Anzug an, ich solle meine Bauchtasche doch bitte vorne tragen. Den Tipp vor Taschendieben nehme ich gerne an, er zeigt uns sogar eine Art Detektivausweis, aber er hat noch mehr zu sagen. Alle Wortlaute verstehe ich zwar nicht, aber er will uns noch mehr Hinweise für die Gegend geben. Das „Wat Pho“ sei schön, aber bis 17:30 Uhr finde dort eine buddhistische Zeremonie statt, wegen der es sich noch nicht lohnen würde, hineinzuschauen. Der Mann holt einen kleinen Notizblock raus und fängt an zu skizzieren. „In Wat Pho, you can see the laying Buddha. But first you can go, see the sitting Buddha.“ Er notiert zwei weitere Zwischenstopps und fragt, ob wir schonmal Tuktuk gefahren sind. Ja, aber was… In dem Moment fährt bereits sein Kumpel vor und der Mann erklärt ihm offensichtlich, dass wir gewillt seien, einzusteigen. Da muss ich korrigieren, wir haben kein Interesse. Julian erklärt mir kurz danach sogar, dass in seinem Reiseführer vor Leuten gewarnt wird, die behaupten, irgendwelche Ausstellungen seien gerade geschlossen, sodass man für eine andere Tour bezahlt. Schade, aber den Tipp mit der Bauchtasche kann ich wirklich gebrauchen. Durch Taiwan und auch sonst sichere Urlaubsorte in den letzten Monaten bin ich sehr sicherheitsverwöhnt, habe überhaupt nicht an die Möglichkeit eines Diebstahls gedacht.
Wenige Meter später erkennen wir dann, dass Wat Pho tatsächlich geöffnet hat. 300 Baht (8€) pro Person sind auch noch akzeptabel, das Gelände ist nochmal etwas größer als bei unserer letzten Station. Der Grad an Eindrücken und in die Augen schießenden Farben von allen Seiten bleibt aber gleich. Der Lageplan des Areals hat viel zu bieten, zig Häuser mit Ausstellungen, Statuen, Gebetsstätten. Tendenziell sind die Gebäude noch höher und zahlreicher. Direkt am Anfang liegt, wortwörtlich liegt die Hauptattraktion. „The Reclining Buddha“ hat es gerade so in die Halle mit den vielen Säulen geschafft, ragt gewaltig in die Höhe. Man fühlt sich wie in einem Film, in dem die Menschheit Riesen gefangen genommen hat und sie zur Schau stellt.

Besonderer Blickfang sind die Füße des goldenen Giganten, denn ihre Unterseite ist mit glänzendem Metall verziert. Die Metapher dahinter: Wo der Buddha auch wandelt, er hinterlässt eine erhabene Spur. Eine Menge Leute versammeln sich hier, verstecken ihre Fußfetische hinter kulturellem Interesse.


Mir gefällt außerdem das Gebäude selbst. Sehr liebevoll sind sämtliche Wände bemalt, bis an die sehr hohe Decke, dort wird immerhin ein Muster weitergeführt. Das Gemalte erinnert Julian sehr an unser Mittelalter. Diese Art, zweidimensional zu zeichnen, war bei uns damals immerhin Mode. Die Stützen der Halle verjüngen sich nach oben hin ganz leicht, die Fenster sind großzügig gehalten. Gläubige können einen kleinen Betrag zahlen und winzige Münzen auf Metalltöpfe verteilen, das soll wohl Glück bringen.

Andere Häuser und Kreuzgänge des Anwesens quellen vor Buddha-Statuen nur so über, mehr als nur an jeder Ecke findet sich etwas. Ob die alle so rein und sauber sind, will ich übrigens anzweifeln. Wegen der Tattoos, ich bin mit der religiösen Argumentation noch nicht ganz einverstanden. Auf jeden Fall entdecke ich neben den vielen goldenen Erleuchteten auch schwarz bemalte derselben Form, außerdem viele viele Steinstatuen, die die unterschiedlichsten Figuren zeigen. Männer mit Zylindern, Hunde, kleine Pagoden tragende Arbeiter, Bodhisattvas und viele mehr. Hervorheben will ich außerdem die knalligen Dachziegel, die fast wie Länderflaggen wirken, so identitätsstiftend wirken sie. Hier eine kleine Fotostrecke:






Irgendwo in der Mitte steht ein kleines Museum, das über die alte Kunst der Massage aufklärt. Anhand von Figuren und Bildern wird erklärt, welche Stränge den menschlichen Körper durchlaufen und mit welchen Elementen man das Gleichgewicht am besten hält. Massage ist dabei ein Mittel zum Zweck, der mich stark an die Viersäftelehre erinnert. Julian liest alle Texte mal wieder viel schneller durch als ich, stellt sich immer direkt neben mich. Es ist wahrscheinlich keine Absicht, aber ich fühle mir auf die Pelle gerückt, mich unter Druck gesetzt. Für gemeinsame Museumsbesuche bin ich nicht geschaffen, ich brauche mein eigenes Tempo und niemanden, der mir beim Lesen zuschaut. Auch beim Herumlaufen genieße ich gerne die Freiheit, mal hier, mal hier abzubiegen, möglichst ohne jemanden magnetisch um jede Biegung herumzuziehen. Allerdings ist mein Wohlbefinden auch durch die Hitze beeinträchtigt, die Konzentration stoppt irgendwann einfach. Wir schauen uns noch die Haupthalle an, in der tatsächlich eine Zeremonie stattgefunden hat, wenn auch überhaupt nicht den Besuch beeinträchtigend. Außerdem gibt es ähnlich wie bei Wat Arun einige Kegeltürme, die rein zu Andachtszwecken errichtet wurden.


Über die Dächer fliegende Vögel, ein Uhrenturm in der Ferne und eine sehr große Standstatue Buddhas sind die letzten Dinge, die wir uns anschauen. Zum Glück sinkt dann die Sonne, kreiert eine warme Atmosphäre, wir verlassen das Gelände guten Gewissens. Zur Aufheiterung hake ich einen weiteren Punkt meiner Südostasien-Bucket-List ab, schlürfe endlich mal aus einer Kokusnuss. Für 30 Baht (0,80€) bekommt man die schwere Frucht ziemlich günstig, hat aber ehrlicherweise wenig davon – einen Großteil des Gewichts nimmt die dicke Schale ein. Am Stand nebenan (wir befinden uns irgendwo in der Nähe am Fluss) kaufe ich mir dann meine zweite Thai-Hose, eine schwarz-weiße, natürlich mit Elefanten.

Ein Amulettmarkt die Straße rauf hat leider schon geschlossen, genauso wie der große Palast, der die dritte Hauptattraktion der Stadt und im Übrigen auch sehr teuer gewesen wäre. Das sind dann vielleicht Aktionen für den Freitag. Julian hebt (hoffentlich) ein letztes Mal Geld ab, dann nehmen wir einen Bus in Richtung China Town. Eigentlich kaum erwähnenswert, aber dieser sogenannte Bus hat es wirklich in sich. Erst einmal sind die Nummerierungen der Bangkok‘er Buslinien äußerst kryptisch, bestehend aus quasi zwei Zahlenabfolgen mit Bindestrich. Als das Vehikel vorfährt, traue ich meinen Augen kaum. Julian und ich sind vorerst die ersten Fahrgäste, und vom Einstieg in der Wagenmitte müssen wir über das abgeranzte Parkett nach vorne laufen. Dort sitzt eine Art Kontrolleurin in Uniform, die Tickets verkauft. Jeder zahlt acht Baht (0,20€), die Fahrt ist mehr oder weniger gratis. Der Busfahrer erweckt auf mich den Eindruck, er sei glasklar minderjährig, dabei fährt er wie ein wahrer Profi. Das Busmodell ist garantiert schon Äonen alt, genauso verhält es sich. Überaus lauter Betrieb, ein Schaltknüppel so lang wie ein Besen, konstantes Hin- und Herwackeln und ein Fahrer ohne jegliche Hemmungen. So nah, wie er an Motorräder auffährt und seine Kurven nimmt, muss ich mich schon zwingen, nicht alle paar Sekunden Luft durch meine Zähne zu ziehen. Das ist wohl der berühmte Lokalverkehr, in dem man als Außenstehender einfach nicht partizipieren sollte. Einen Knopf, um über den Haltewunsch zu informieren, gibt es im Übrigen nicht. Die Copilotin, so nenne ich sie einfach mal, hat alles im Blick und gibt uns rechtzeitig Bescheid. Staunend gucken wir der schwarzen Rauch ausstoßenden Dampflok auf vier Reifen hinterher, dann ist der Fiebertraum beendet. Busfahrer in Bangkok, das wär’s doch mal wirklich.


Bis nach Chinatown laufen wir ein Stückchen, es zeigt sich aber bald, was genau damit gemeint ist. Das Straßenbild bleibt hektisch, erinnert mich aber vor allem aufgrund der Werbetafeln an den Fassaden immer mehr an Taiwan. Chinesische Schriftzeichen hier und da, nicht viel später gesellt sich ein Night Market dazu, der es in sich hat. Vermutlich er selber es, der den Namen der Gegend trägt und prägt, die chinesische Gemeinde Bangkoks unter einem Hut versammelt. In der Mitte der vierspurigen Einbahnstraße zieht sich wie gewohnt der Verkehr, es sind aber mehrere Verkehrspolizisten im Einsatz, um die diverse Straßenquerungen möglich zu machen. Die Menge an Touristen, die den Nachtmarkt überfluten, kann man definitiv nicht den Gefahren der Straße aussetzen.

Rechts und links reihen sich Stand an Stand, ein endloses in die Länge gezogenes Meer aus Fleisch, Fisch, noch mehr Fleisch, Getränken, Früchten, Nachtischen und noch viel mehr Fleisch. Zwischendurch stinkt es gewaltig, und das liegt nicht an den Durian-Früchten, die hier ebenfalls verkauft werden. Was sich auf dem Boden abspielt, will ich gar nicht genau wissen, nur so viel: Es wundert mich doch sehr, keine einzige Kakerlake zu entdecken. Und es würde mich nicht wundern, wenn derjenige, der zuerst am Boden leckt, elendig verreckt.


Am dicht gedrängten Straßenrand reißen sich die Stände um Kunden, brüllen den ganzen Fußverkehr voll, bedrohen einen mit ihrer Speisekarte. In einem netteren Bereich setzen wir uns, die Frau sagt Julian vegetarische Varianten für jedes Gericht zu. An den Plastiktischen fühle ich mich wieder ganz wie in Taiwan, herrlich. Nur gibt es hier etwas viele weiße Gesichter: die meisten jung, entweder als Pärchen oder in einer eingeschlechtlichen Gruppe unterwegs.

In manchen Seitenstraßen wartet noch so die ein oder andere Überraschung. Neben sehr billigen Massageangeboten (morgen hoffentlich!) kann man sich alternativ auch von Fischen die Füße ab-/anknabbern lassen, ein Typ sitzt entspannt vor einem Aquarium und hält seine Füße rein. Eklig und auch sehr unangenehm sieht das aus, dabei ist sein Gesicht ganz ruhig. Ein andere Laden droht Eindringlingen schelmisch mit Kannibalismus: „Trespassers will be used as ingredients in the brew“. LED-Tuktuks fahren von Zebrastreifen zu Zebrastreifen, hoffen auf Kundschaft. Wahrscheinlich ist das jetzt der größte (chinesische) Night Market, auf dem ich jemals war. Wenn ich mir die französischen und deutschen Jungsgruppen in der Nähe anschaue, macht es bestimmt auch viel Spaß, wenn man hier feiern geht und sich einfach mal generell einen reinsäuft. Bangkok fühlt sich zwar stressig an, aber ich bin mir sicher, dass ich auf einer weitere Südostasienreise gerne nochmal hierher kommen würde, und die Partykultur erkunden wollen würde. Sicherlich fällt es nicht zu schwer, hier neue Leute kennenzulernen.

Ich kaufe mir am Straßenrand noch eine weitere Thaihose, diesmal in dunkelrot, dann ist das (selbst gesetzte) Tagesbudget aber auch mal aufgebraucht. Für die Hydration gibt es noch einen chemisch schmeckenden Kiwi-Smoothie, dann kehren Julian und ich um. Fast egal, wie viel Flüssigkeit ich in mich reindrücke, ich bin trotzdem super erledigt und brauche immer mehr zu trinken. In der Nähe unseres Hotels laufen wir noch eine Spazierrunde, es gibt hier einen ziemlich großen Park, in dem auch die lokale Jugend chillt. Bis 22 Uhr hat er geöffnet, das ist zwar nicht die ganze Nacht, aber eine in Ordnung gehende Zeitspanne.

Derweil habe ich noch einmal zwei weitere Aussichten auf Jobs reinbekommen und schreibe motiviert Emails nach Deutschland. Für nächste Woche habe ich bereits zwei Vorstellungsgespräche organisiert, ein drittes (und vielleicht sogar viertes) dürfte folgen. Krass, wie schnell sich das Blatt wenden kann und wie viel Glück ich habe, kurz vor meiner Rückkehr vermutlich einen neuen Job eintüten zu können.
Hinterlasse einen Kommentar