Bangkok (Freitag, 20. März)

Zum Abschluss bekommen wir noch einmal reichlich Frühstück aufs Zimmer gebracht. Schlau eigentlich, so erzeugt man gleichzeitig ein Gefühl von Exquisität und vermeidet, unnötig Fläche für einen gastronomischen Bereich zu verschwenden. Vor dem Check-Out um zwölf probieren wir außerdem unseren Dachpool aus, vor dem einige tätowierte Gäste sich bräunen. Die Aussicht im achten Stock ist kaum anders als in Kuala Lumpur. Wild durcheinander gebaute Hochhäuser, mal hässlich, mal noch hässlicher.

Das Gepäck lassen wir bis zum Abend in einem Lagerraum und ziehen los, ein paar letzte Erledigungen zu praktizieren. Wie verschwendet wäre es denn, ohne einen billigen Haarschnitt oder mit verspannten Schultern heimzukehren? Freilich weigere ich mich, hässlich zu werden, also suchen wir uns ein halbwegs gehobenes Studio raus, für das man pro Schnitt aber trotzdem nur 500 Baht (13€) bezahlt. Julian verliert nach Ewigkeiten des Zögern endlich seine doch zottelig gewordenen langen Haare und entscheidet sich für eine gänzlich neue Frisur. Die Behandlung hat übrigens nicht nur Waschen mit Kopfmassage inklusive. Wie soll es auch anders sein in Thailand, der Waschstuhl ist gleichzeitig ein Massagesessel, der sich während der Behandlung in die Horizontale fährt und meinen ganzen Körper durchknetet. Am Ende hat Julian nicht mehr die Frisur unserer Oma, sondern sieht aus wie ein blonder Anime-Charakter. Ein ganz anderer Mensch ist er jedenfalls.

Zur Feier dessen gönnen wir uns im Anschluss eine vollwertige Massage nebenan, wo uns die Ladys schon unzählige Male „Massaa, Massaa“ zugerufen haben. Für 400 Baht (10,60€) bekommt jeder einen private room, die aber an der Decke offen sind. Die Massage ist angenehm, und ich will mich gar nicht beklagen, dafür aber anmerken, dass ich mir vom Stärkegrad einfach mehr erhofft habe. „Thai Massage“ bedeutet scheinbar nicht automatisch, dass man richtig hart durchgeknetet wird. Vielleicht ist die hübsche Frau mit ihrem Fliegengewicht aber auch einfach nicht schwer genug, um den ausreichenden Druck auszuüben. Nebenan stöhnt ein französischer Gast, das muss aber nicht automatisch an der unangenehmen Behandlung liegen.

Der Flug geht erst spät am Abend, von daher haben wir genug Zeit, noch einmal in die Stadt zu fahren, thailändisch zu essen uns das anzuschauen, was übrig geblieben ist. Mit dem Essen ist es übrigens wie mit der Massage: Die thailändischen Klischees, in diesem Fall der Schärfegrad, werden nicht erfüllt. Obwohl ich explizit „spicy“ bestelle, ist das grüne Curry letztlich nur gut gewürzt. Der Amulettmarkt im historischen Stadtzentrum hat seine peak time leider schon hinter sich und besteht nur noch aus ein paar schmutzigen Gassen, in denen jeder dritte Laden offene Rolläden hat und seine Ware, die ich wahrscheinlich eh nicht gekauft hätte, einräumt. Ich stoppe dafür umso häufiger an den allgegenwärtigen Elefantenhosen, finde aber keine zufriedenstellende.

Royaler Palast oder Botschaft?
Gleiche Frage wie zuvor

Also bleiben die Sehenswürdigkeiten: Noch fehlt bspw. die große Schaukel bzw. „The Great Swing“, wie es m.E. fälschlicherweise übersetzt wurde. Schaukeln kann man hier nicht, eine verpasste Chance. Dafür aber Fotos machen, durch das sehr vertikale Tor sieht man eine Straßenflucht hinunter. Nebenan finden sich, wie es sich für ein historisches Viertel gehört, jede Menge alte Gebäude und an jedem einzelnen ein überdimensionales Portrait von Mitgliedern des Königshauses. Die Ministerien Thailands sehen allesamt aus wie Burgen, richtig schön farbig und imposant, da kann eine fade Republik wie Deutschland einfach nicht mithalten. Ein sehr langer Schriftzug stellt sich als Name Bangkoks heraus, der übersetzt das bedeutet: „The city that is very large like the city of angels; houses the sacred Enerald Buddha; has prosperity and stable beauty; is abundant with the pleasent nine gems; has numerous royal grand palaces; and is a fairy abode created on the earth by Thao Sakka Thewarat Witsanukam for the incarnated divinities“. Leicht zu merken.

Riesenschaukel, nur eben ohne Sitz
LG aus Bangkok
Einprägsamer Name der Hauptstadt

Zeitlich schaffen wir es gerade noch, den „Wat Saket“, oder „Golden Mount“ zu besteigen, einen künstlichen Hügel mit religiöser Bebauung. Der Eintritt kostet jede Nase 100 Baht (2,65€) und führt zu einer Treppe, die rot angemalt ist und sich kreisförmig um das Gebäude schlingt. Alle paar Meter tönt aus versteckten Lautsprechern derselbe Mönchs-Choral, außerdem ist die Strecke dekoriert mit jeder Menge Glocken und Gongs, die man scheinbar nach Belieben schlagen darf. Das lasse ich mir noch zweimal sagen, das ist ein wichtiger Punkt auf meiner buddhistischen Bucket-List.

Intrusive thoughts for the win!
Eine letzte Sehenswürdigkeit

Da sich der Hügel immer noch im historischen Stadtkern befindet und nebenbei bemerkt von ebenso historischen Schrägdächern umgeben ist, lässt es sich in jede Richtung gut schauen. Ich werfe meine vorerst letzten Blicke auf eine asiatische Großstadt, in jede Himmelsrichtung finden sich Hochhäuser. Eine entspannte Atmosphäre, so kann ich mich von Thailand verabschieden. Mönche in verschwitzten orangenen Roben sind auch gegenwärtig, die passen in das Landschaftsbild.

Rundherum nur hohe Häuser
„Wat Saket“ bzw. „Golden Mount“
Das abendliche Bangkok
Mönche passen einfach ins Landschaftsbild

Zurück laufen wir an einem Kanal, dessen Rand von Kindern als Fußballfeld benutzt wird. Neben dem Weg liegt ein gut gekleideter Mann auf einem ausgefalteten Pappkarton. Wer das vor seiner Haustür machen kann, lebt in einer guten Gegend. An der Hauptstraße wimmelt es nur so vor Läden, die goldene Buddhas verkaufen, in allen Größen, teilweise bis hin zur Decke. Wir rätseln, wer die alle kaufen soll, vielleicht sind die größten Kunden sogar Betreiber von Tempelanlagen. Oder Privatleute mit idyllischen Teich-Gärten, wer weiß das schon.

Männlich, weiblich, eingeschränkt, Mönch

Am Hotel holen wir unser Gepäck ab und gehen ein letztes Mal thailändisch essen. Für Julian gibt es Pad Thai, für mich das Gericht, was ich im letzten Jahr wohl am häufigsten bestellt habe: Shrimp Fried Rice.

Pad Thai | Shrimp Fried Rice

Das verbleibende Bargeld reicht ziemlich genau bis zum Flughafen, wo ich es quasi leer mache, um eine letzte Postkarte abzuschicken. Wo es am Flughafen ein post office gibt? Natürlich auf dem „2th floor“, gar keine Frage. Die Prozedere bis zum Gate dauern eine Weile, Bangkok scheint nicht der effizienteste Flughafen zu sein. Im altbekannten „satellite building one“ schießen wir ein letztes Selfie aus Thailand, am Ende der gemeinsamen Reise. Meine eigene Reise endet meiner Logik nach erst mit der Landung in Berlin, und so tut es der Blog. Für den Asien-Part kann ich aber bemerken, dass ich mittlerweile mit Julian am selben Ort stehe, wie damals mit Henry. Von ihm gibt es übrigens wenig Neues, nach wie vor ist er mit seiner Vietnamesin zusammen und sie beabsichtigt, nach einem weiteren Deutsch-Zertifikat im Sommer nach Deutschland zu ziehen. Aber das war’s mit Henry als Nebencharakter, ich denke vor allem daran, welcher Lebensabschnitt von mir gerade zuende geht. Das fühlt sich jetzt zum ersten Mal richtig merkwürdig an, und ein bisschen schade. Chuck Norris ist vorhin gestorben, auch eine traurige Nachricht. Ich dachte immer, das wäre nicht möglich.

Mit Henry begonnen, mit Julian beendet

Um kurz vor Mitternacht steigen wir schließlich in den Flieger, natürlich Thai Airways, und lehnen uns zurück. Die Ausstattung fühlt sich moderner an, als ich den Hinflug in Erinnerung habe. Beinfreiheit ist gegeben, und es sind wieder genügend Deutsche an Bord, sodass ich mich auf mein Heimatland einstellen kann. „Warum habe ich drei Kissen?“ beschwert sich ein Familienvater hinter mir.

Die nächsten knapp elf Stunden wird geglotzt

Einen regulären Eintrag wird es übrigens noch geben, zudem ein paar Sondereinträge im Seiten-Menü. Wie gesagt, die Reise endet erst in Berlin.

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