Konkret hilfreich wird es für die wenigsten sein, aber vielleicht interessant? Ich stelle zehn Apps vor, die mir in Taiwan den Alltag erleichtert haben und die bzw. deren Funktionsweise ich jedem empfehlen kann, der Taiwan bereist. Dabei folge ich meist dem Prinzip: Problem -> Lösung, ganz einfach.
Platz 10 – Klook

Wer in einem fremden Land unterwegs ist, und das länger als nur für einen zweiwöchigen Urlaub, braucht Stoff für Aktivitäten. Es ist insofern ironisch, als dass ich Klook selbst nie dafür benutzt habe, aber im Prinzip lassen sich über die südostasiatische App Touren, Führungen, Ausstellungen, aber auch Fähren, Shuttles und Busse buchen. Meistens sogar günstiger als vor Ort. Sehr praktisch, wenn man nach Ideen oder zuverlässigen Transportmitteln sucht.
Platz 9 – Windy

Windy ist noch spezifischer und vor allem für Langzeitaufenthalte sinnvoll. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Wetterapp, die m.E. besonders gut darin ist, Taifune und andere Stürme zu visualisieren, auch auf einer Zeitskala. Wer zur Taifun-Saison in Taiwan ist, profitiert von der anschaulichen Vorhersage. Generell kann ich die App auch empfehlen, schön sind bspw. die dynamischen Pfeile auf der Landkarte, die lokale Windbewegungen anzeigen und der App/Website ihren Namen geben.
Platz 8 – Colibri

Es gibt in Taiwan eine sehr nischige App namens Colibri, die nur dann eine Rolle spielt, wenn man Lust auf kostenlose Glücksspiele hat. Wer einmal im Land war, hat vermutlich gemerkt, dass auf den allermeisten Kassenzetteln große Buchstaben- und Zahlenabfolgen sowie QR-Codes gedruckt sind. Diese wurden 1951 eingeführt, um Geldwäsche vorzubeugen. Der Anreiz für convenience stores & Co. steigt, Bons auszustellen, und der Kunde bekommt mit jedem Einkauf ein Gratis-Los. Alle zwei Monate werden am 25. die jeweils zwei vorangegangenen Monate ausgelost. Der Hauptgewinn beträgt 10 Mio. $TD, was immerhin knapp 300.000€ entspricht. Aber auch kleinere Gewinne sind möglich, treten gar nicht so selten auf.
Nun zu Colibri: Anstatt alle zwei Monate tausend Nummern mit den Glückcodes abzugleichen, kann man mit der App blitzschnell seine Bons einscannen und wird benachrichtigt, wenn ein Gewinn aussteht. Ich selbst bin während meiner Zeit leider nicht glücklich geworden, dafür einige meiner Bekannten.
Platz 7 – Line

Ich mag die japanische Chatting-App Line nicht. Trotzdem kommt man in Taiwan nicht darum herum, sich auf den grünen Mist einzulassen. Jeder benutzt sie, also brauchst auch du sie, so das Credo. Es handelt sich um eine typische Alles-App, wobei die Bezahlfunktion Line Pay tatsächlich sehr praktisch ist, in vielen Läden kann man damit zahlen. Beim Installieren Vorsicht: Es gibt zwei Varianten, und ich rate zu derjenigen mit Line Pay. Wenn man sich im Nachhinein umentscheidet, darf man gleich alle Kontakte und Chats mit löschen… Ein Nachteil ist außerdem, wie sehr die App manchmal hängt und braucht, um Nachrichten zu laden, gerade im Gegensatz zu WhatsApp. Wer Inder, Indonesier oder Filipinos findet, kann aber immer auch nach WhatsApp fragen. Falls es so etwas wie eine Alternative gibt, ist das Instagram. Die allermeisten Taiwanesen haben da einen Account, wenn auch weniger zum Chatten als zum Uploaden von Food-Pics.
Platz 6 – HelloChinese

Wer länger in Taiwan ist, sollte meiner Meinung nach der Sprache eine Chance geben. Man muss kein Profi werden, aber die Basics draufzuhaben, ist von Vorteil. Ganz besonders, weil Taiwanesen es überaus wertschätzen, wenn man ein paar Wörter kann, und es einige Basic-Wörter gibt, die einen in jedem Gespräch einen Bruchteil des Gesagten verstehen lassen. Und weil erstaunlich viele Leute kein Wort Englisch reden, ich warne! Und weil Mandarin einfach affengeil ist, hallo? Auf jeden Fall sind herkömmliche Sprach-Apps wie Duolingo nur Papiertiger. Für den Einstieg kann ich hingegen HelloChinese empfehlen, dort werden praktische Vokabeln, die wichtige Aussprache und vor allem Grammatik thematisiert. Für alles Weitere ist ein Sprachkurs unabdingbar, unterstützend sollte man in dem Fall aber immer selbstständig Vokabeln lernen. Ich habe das mit Noji getan, die meisten anderen Apps funktionieren aber auch.
Platz 5 – Taschenrechner

Hear me out! Den Taschenrechner wird jeder kennen, aber zumindest ich war mir bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht bewusst, dass man in der App einen Währungs-Umrechner einstellen kann. Enorm praktisch bei alltäglichen Kostenüberlegungen, wenn man mich fragt. Obwohl ich ein halbes Jahr mit den Taiwan-Dollar verbracht habe, hat es mir trotzdem ein gutes Stück Sicherheit gegeben, alle Preise fix in Euro umzurechnen.
Platz 4 – Pleco

Es geht wieder um die chinesische Sprache, aber allgemeiner. Kommunikation ist die eine Sache, um die man mit pantomimischen Tricks vielleicht herumkommt, aber die Stadtbilder Taiwans sind gespickt mit traditionellen Schriftzeichen, also den komplizierteren, im Vergleich mit denen auf dem Festland. Google Translate ist gut, aber wenn es darum geht, die konkrete Bedeutung eines Zeichens zu erfahren, versagt der Branchenprimus auf ganzer Linie. In Pleco, das eine Art digitales Mandarin-Wörterbuch ist, lassen sich nicht nur Wörter und Zeichen eingeben. Man kann die Zeichen auch selber skizzieren, die Erkennungs-KI funktioniert dabei einsame Spitze. Das erfordert anfangs etwas Mühe, ist aber nicht wirklich aufwändig. So entfaltet die App ihren Nutzen bei Lernenden, aber auch bei denjenigen, die mal schnell wissen wollen, was dieses oder jenes Zeichen bedeutet.
Platz 3 – Google Translate

Sofern man kein Mandarin-Profi ist, ist Google Translate wahrhaftig systemrelevant. Nach wie vor sind die Speisekarten in vielen Restaurants, Schilder an der Straße, Beschriftungen in Museen, Warnhinweise und auch offizielle Dokumente wie Krankenhausrechnungen ausschließlich auf Chinesisch gehalten. Da kommt die Fotografierfunktion gerade recht, ich jedenfalls habe die App inflationär benutzen müssen.
Zum Übersetzen von Nachrichten, bspw. in Line-Gruppen, verhält es sich anders. Theoretisch könnte man Screenshots machen und die per Google übersetzen, das strengt in belebten Gruppen aber enorm an. Android hat eine praktische Funktion zum Übersetzen des gesamten Bildschirms, bei Apple sieht es schlechter aus. Ich habe mir dafür einen Kurzbefehl eingerichtet, der eine Auswahl kopiert, übersetzt und wieder ausgibt. Dauert länger, ist aber besser als nichts.
Platz 2 – Google Maps

Google Maps! Eine App, die vermutlich sowieso jeder schon nutzt, aber mir geht es um das Wie. In einem fremden Land voller Natur und Überraschungen lohnt es sich, unterwegs zu sein, spontane Abenteuer zu starten. Dabei sind Attraktionen wie der Sun Moon Lake natürlich schön, aber lange nicht das Beste, was man bekommen kann. Mein Tipp: Google Maps erkunden, hier reinzoomen, da rauszoomen, auf interessante Orte klicken, Rezensionen lesen. An die skurrilsten und vor allem einsamsten Orte bin ich dadurch schon gekommen, etwa auf Touren mit meinem Mitbewohner oder alleine mit dem Leihrad. Dazu ist es essenziell, sich auf Maps Listen anzulegen. Soll heißen, man markiert sich Orte, die man entweder gefunden oder empfohlen bekommen hat, und arbeitet diese ab wie eine To-Do-Liste, nur eben ohne Zwang. Nach wenigen Wochen oder Monaten war meine Taiwan-Karte bereits so voll mit interessanten Orten, dass ich immer sofort Ideen hatte, wohin man fahren kann. Das hat mich selbst so sehr überrascht, dass ich es in Berlin unbedingt weiterführen/ausweiten will.
Platz 1 – WordPress

Er kam, sah und schrieb nieder, was er sah. Und zwar auf WordPress. Schreibt auf, was euch passiert! Ich habe es mit diesem Projekt sicherlich auf die Spitze getrieben, und man braucht dafür auch nicht zwangsläufig eine App, aber es passt nunmal so gut rein. Ich persönlich bin am Handybildschirm ziemlich flink, außerdem ist das Gerät so gut wie immer in Reichweite, was dem Detailgrad meiner Berichte gerecht wird. Der springende Punkt ist aber: Wer aufschreibt, was er erlebt, erlebt alle Dinge ein zweites Mal. Ein Auslandsaufenthalt ist für die meisten Menschen eine sehr besondere Zeit in ihrem Leben, und daher dürfte es das absolut wert sein. Mir selbst geht es fast weniger um den Wert im Nachhinein, als um besagtes Verarbeiten der Geschehnisse. Wenn der Tag gut war, bin ich ein zweites Mal glücklich. Wenn der Tag schlecht war, ist der Blog ein Ventil und gibt mir zudem die Möglichkeit, unschöne Dinge aus einer erzählerischen Perspektive zu betrachten. Wenn einem Nahestehende die Berichte auch noch lesen und sich dafür interessieren, umso besser. Nichtsdestotrotz ist es mir sehr wichtig, alle Erlebnisse zu archivieren, deshalb die eigene Website. Wenn mein Abo Ende diesen Jahres ausläuft, will ich eine eigene Website auf die Beine gestellt haben, um alles Geschriebene dort zu behalten. Wer von vornherein eine eigene Website benutzt – größten Respekt.