Wenn man von taiwanesischem Essen redet, darf man convenience stores nicht ausklammern. Sie bilden für viele Menschen die kulinarische Lebensgrundlage aufgrund, nunja, ihr Name erklärt es. Die zwei dominierenden Marken heißen Seven Eleven (7/11) und FamilyMart. Daneben existieren auch kleinere Konkurrenten, die obgleich ihres Anteils im Stadtbild die Bezeichnung kaum wert sind. Hi Life sticht noch am meisten heraus, dazu gibt es Simple Mart, OK Mart und diverse Einzelbetriebe. Dabei hat sich FamilyMart zu meinem eindeutigen Favorit gemausert. Die meisten Produkte gibt es überall, einige wenige haben dann aber doch exklusive Kooperationen, was wichtige Unterschiede kreiert. Außerdem hat jeder dieser Läden Rabattkombinationen für seine Angebote, die in FamilyMarts sind aber mit Abstand am übersichtlichsten. Supermärkte wie Carrefour, PX Mart oder Costco zählen hier übrigens nicht.

Ich werde den Gesundheitsaspekt gänzlich außen vor lassen, denn vermutlich gilt keines dieser Produkte auch nur ansatzweise als gesund. Kleiner Verweis auf all die Zusatzstoffe… Aufgeteilt nach Speisen und Getränken, im Folgenden mein Produktranking:

Platz 10 – Gefüllte Brötchen

Die gefüllten Brötchen sind das pure Böse. Und das, eben weil sie so gut schmecken. Zwar vermisse ich hartes Brot, aber diese Zuckerbomben treffen ihren Existenzgrund so gut, dass ich nur zu oft an ihnen hängengeblieben bin. In verschiedensten Ausprägungen und convenience stores, kommen sie alle mit reichlich Süße daher: eine Zuckerperlen-Beschichtung, darunter der überaus süße und fluffige Teig. Im Innersten wird schließlich nicht gespart, die Perversion perfekt zu machen. Empfehlen kann ich vor allem folgende Variante von 7/11, das „Cantaloupe-Flavored Pineapple Bread“. Den Titel „Bread“ zu verleihen, grenzt an ein Verbrechen, deshalb das schlechte Ranking.

Platz 9 – Pfannkuchen

Nicht minder unzutreffend benannt sind die „Kiwami Pancakes“, weniger Pfannkuchen als einfach zwei weiche Süßteigscheiben mit klebrigem Sirup dazwischengeklatscht. Sie dürften ein Mü gesünder sein als gefüllte Brötchen, dazu erschwinglicher und mit besseren Geschmäckern. „Honey Pancake“ und „Strawberry Cheese Pancake“ sind die besten, wobei es die Erdbeer-Version nur bei FamilyMart gibt.

Platz 8 – Bonbons

Diese unscheinbaren Menthol-Lutschbonbons sind ziemlich underrated. Sie fühlen sich gesünder an als x-beliebige Schokoriegel, erfüllen aber ähnliche Snack-Bedürfnisse. „Lemon Menthol“ ist mein absoluter Favorit, aber auch andere Geschmäcker haben es in sich.

Platz 7 – Aufback-Sandwiches

In den meisten convenience stores lassen sich zwei Arten von Sandwiches kaufen. Diese hier kommen in komplett verschlossenen Verpackungen, werden einem aber immer aufgebacken und in Papiertüte serviert. Das ist zwar sehr praktisch, es gibt aber nicht so viel Auswahl ohne Fleisch, deshalb liegen sie hinter den anderen Sandwiches und waren für mich vor allem süße Speisen. Am liebsten habe ich „Caramel Bread“ gegessen, „Raisin Bread with Milky Filling“ war aber auch gut dabei. Dass hier schon wieder die Bezeichnung „Bread“ verwendet wird, bitte ich zu ignorieren.

Platz 6 – Sandwiches

Mehr Auswahl gibt es bei den richtigen Sandwiches, deren Grundlage zwar einfacher Toast ist, die dafür aber einen praktischen Mechanismus zum Öffnen haben. Es gibt deshalb kein höheres Ranking, weil viele Varianten im Angebot trotzdem nicht mein Typ sind und gerne ein bisschen billig schmecken. Die wenigen guten Sorten, die es gibt, sind aber bspw. „Four cheese“, „Much lettuce (Thousand Island dressing)“ oder auch eine der süßen Varianten namens „Strawberry Yogurt“. „Egg Salad“ ist auch in Ordnung, sofern man nur seinen Hunger stillen will. Je nach Größe und Sorte bewegt sich diese Preisklasse zwischen 39$TD (1,05€) und 75$TD (2€), kann aber auch schon eine Hauptmahlzeit ersetzen.

Platz 5 – Bananen

Angesichts der Tatsache, dass Bananen oft das einzige Obst sind, dass man in den convenience stores findet (ab und zu gibt es auch Äpfel), müssen diese zumindest im oberen Teil des Rankings landen. Sie sind gesund und geben einem Magnesium, was man in anderen Produkten, vor allem in Tablettenform, wenig bis gar nicht auffindet. In klassischen Supermärkten wie Carrefour oder PX Mart findet sich natürlich ein größere Auswahl an Vitaminfrüchten, aber bitte, dann finde doch mal auf die Schnelle einen solchen Laden. Convenience-Store-Bananen sind bezahlbar, leicht zu finden (unter den Onigiri) und manchmal sogar ohne Plastikverpackung im Regal, womit sie die umweltfreundlichsten Produkte in convenience stores überhaupt sein dürften.

Platz 4 – Snickers

Ein ganz wilder guess, ich weiß. Allerdings macht es das nicht weniger gut. Eigentlich kann man sich nur zwischen „Strawberry“ und „Almond“ entscheiden, aber das reicht i.d.R. völlig aus. Sowohl zwischen den Pickleball-Matches als auch auf der Radtour waren diese Kalorienbomben Snacks, die mich enorm gepusht haben.

Platz 3 – Tiefkühlgerichte mit Reis

Wenn die Restaurants mal wieder zu früh geschlossen haben oder man keine Zeit zum Warten hat, geht doch nichts über ein gutes Tiefkühlgericht aus dem nächsten convenience store. Leider ist der Fleischanteil hier noch höher als anderswo, aber wenn man Fisch isst, finden sich einige Leckerbissen. So ist das „Mapu Tofu“ manchmal vegetarisch, dazu angenehm scharf, ungeschlagen bleibt in meinen Augen aber der „Salmon & Egg Fried Rice“, der in einem Pappbehälter verkauft wird und den es ausschließlich bei FamilyMart zu kaufen gibt. Vielleicht einen Tick zu salzig, aber mit welchem Gewürz übertreiben die Taiwanesen bitte nicht? Billig ist das Gericht außerdem, für eine (weitgehend sattmachende) Portion zahlt man 95$TD (2,50€).

Platz 2 – Glasierte Blätterteigwaren

Etwas anders als die bereits erwähnten Brötchen sind andere Blätterteigwaren, die auch süß sind, den Zucker aber hauptsächlich auf sich tragen. Diesen Platz vergebe ich deutlich spezifischer, denn genau genommen kenne ich hierzu nur ein Produkt: „Strawberry Danish“. Erst sehr spät und auch nur im FamilyMart aufgetaucht, befürchte ich, dass es sich um eine limitierte Auflage (oder Aufbackware?) handelt. Es hat mich leichter in die Abhängigkeit geführt als die oben genannten Brötchen mit Füllung, und das will was heißen.

Platz 1 – Onigiri

Die ikonischen Reisdreiecke (飯糰 „Fàntuán“ heißt eigentlich Reisball, aber darauf kommt es nicht an) stammen gar nicht aus Taiwan, aber das tun die Stores ja auch nicht. Die normale Größe ist perfekt, um einen kleinen Snack abzubilden, dazu handelt es sich um vergleichsweise gesunde Zutaten. Die Hülle ist überall gleich: Noriblätter, die man beim Auseinanderziehen der sicherlich patentierten Verpackung um das Hauptvolumen wickelt, und der Reis, der das Kernprodukt umgibt. Wie gewohnt, gibt es eine sehr große Auswahl an Fleisch, hauptsächlich pork und chicken, dazu kann ich bekannterweise keine Aussage treffen. Es gibt aber jede Menge Fisch, sowie Veggie-Fleischersatz und sogar vegane Pilzfüllungen. Die Preise variieren zwischen 30$TD (0,80€) und 60TD (1,60€), je nach Füllung. Ich zähle nicht alle auf, einige gute heißen aber: „Wasabi Salmon“, „Buttered Salmon & Soy Sauce“, „Tuna“, „Crawfish & Pollack Roe“. Mein absoluter Liebling ist allerdings „Crayfish & Salad“, nichts schlägt den leicht sauren, scharfen Geschmack dieses 35$TD-Produkts. Einziges Manko sind die Verpackungen, die manchmal perfekt funktionieren, manchmal aber auch wichtige Flächen der Noriblätter zurückhalten.

Getränke-Tipps

Entgegen vorheriger Überlegungen werde ich keine zehn Empfehlungen für Wasser, Trinkjoghurt oder Kaffee herausgeben, was ehrlich gesagt auch an mangelndem Fotomaterial liegt. Stattdessen sind die folgenden drei Getränke meine Geheimtipps! Lasst euch nicht vom dreckigen Look oder der unklaren Verpackung abschrecken, das Geschmackserlebnis ist es wert.

Tee aus dem Tetrapak

Er wirkt noch am normalsten, fast langweilig, aber der Tee dieser Marke mit den grünen Blättern ist einfach bombastisch! Es fängt schon mit der für Europäer eigentümlichen Verpackung an, die man, falls kein Strohhalm vorhanden, aufschieben/-drücken muss. Natürlich ist das Getränk süß, aber die überaus fruchtigen Noten machen es aus. Prinzipiell kann man nichts falsch machen, ich rate aber dringend zu „Lemon Green Tea“, alternativ zu „Orange Green Tea“ oder „Guava Green Tea“. Ich glaube, es gibt auch Sorten ohne grünen Tee, die sind auch in Ordnung.

Hey Song Sarsaparilla

Dieser sehr besondere Name sagt in meinen Augen wirklich nichts über das dahinterstehende Gesöff aus. Die Farbe deutet eine Art Cola an, nicht ganz falsch. Allerdings beinhaltet das Rezept angeblich traditionelle chinesische Heilmedizin, was man beim Trinken sofort bemerkt. Die einen hassen es, die anderen lieben es. Zu welchem Team ich gehöre, dürfte klar sein.

Yakult

Ja, ich gebe zu, die Flüssigkeit sieht aus wie aus dem hinterletzten Pesthof, aber das macht es auch zum Geheimtipp. Jeder, der Kefir, Buttermilch oder andere Probiotika-Produkte mag, sollte hieran Gefallen finden. Gut für den Magen, weniger süß als Spaßgetränke, man kann damit sogar Müsli essen. Einfach probieren!