Ich tue gar nicht erst so, als wäre ich an jedem dieser Orte mehr als zwei oder drei Mal gewesen, dafür war entweder die Zeit zu kurz, der Weg zu weit oder zu anstrengend. Was zählt, sind die Erinnerungen daran.

Platz 10 – Green Park

Der Green Park liegt auf dem Areal eines ehemaligen Golfplatzes mitten in der Stadt, auf einer niedrigen, aber bemerkbaren Anhöhe. Der Rasen wird trotzdem eins-a gepflegt und auf den langen Wiesen lässt es sich perfekt entspannen, spielen, sonnen, picknicken, quatschen oder zocken. I.d.R. sind Familien mit Kindern und Rentner die Hauptbesuchsgruppe, das wertet die Atmosphäre aber nur auf.

Platz 9 – Weiwuying Park

Der Weiwuying Park grenzt an das nationale Zentrum für Kunst und Kultur, eines der wenigen schönen Gebäude Kaohsiungs. Das organische Dach macht sich hervorragend vor der Bergkulisse im Osten, gerade vor oder nach Konzerten kann man hier perfekt entspannen. Hinten raus gibt es Teiche, grafittibesprühte Häuser und vor allem ruhige Grasanlagen. Die großen Straßen sind weit genug entfernt, die orangene Metro ist trotzdem erreichbar.

Platz 8 – Cijin Island

Cijin Island ist die sehr längliche, dem Kaohsiunger Hafen vorgelagerte Insel, auf die man hauptsächlich mit einer öffentlichen Nahverkehrs-Fähre gelangt. Spannend ist der Insel-Norden: Hier gibt es einen langen Markt, einen Leuchtturm, Sonnenuntergänge an der Hafenmole, genug Restaurants und vor allem den einzig richtigen Strand Kaohsiungs. Die Fläche aus schwarzem Sand zeigt ebenfalls nach Westen, wird von Anfänger-Surfern besucht und ist die Heimat einiger Strandbars.

Platz 7 – Love River

Der Love River schlängelt sich durch Kaohsiung, bevor er nahe des Music Center in den Hafen fließt. Fast durchweg begleitet ihn dabei ein gut befahrbarer Fahrradweg, und wenn man ihn bspw. nachmittags auf einem YouBike in Richtung Hafen abfährt, erlebt man eine tolle Kulisse aus bergigem Nationalpark und tiefstehender Sonne, kommt nebenbei an vielen wichtigen Orten der Stadt vorbei. Zwischendurch kann man sich auf Bänke setzen, die meist von Grünzeug umgeben sind.

Platz 6 – Sea Caves

Die Sea Caves sind in Wahrheit zwar keine, aber ihr Maps-Eintrag verleiht ihnen den Namen. Nicht besonders gut zu erreichen auf der Westseite des Shoushan-Parks (praktisch nur mit dem Bus, der frühe letzte Fahrten hat), lohnt es sich trotzdem! Für den Sonnenuntergang reicht es quasi immer, und danach gibt es sowieso nicht mehr zu sehen. Dort, wo die angeblichen Höhlen sind, kann man auf Felsen weit oberhalb der Brandung klettern und in Ruhe der Sonne beim Untergehen zusehen. Ab und zu sind Affen in der Nähe, sowie instageile Pärchen, die sich alle auf denselben Stein stellen. Der wahre Schatz liegt versteckt im Rande: Geht man die Buschwege nach Norden, führt irgendwann ein Seil den Hang hinunter. Am felsigen Strand kann man sich mithilfe der Palmen von Fels zu Fels hangeln, stößt dabei auf ein verlassenes Hüttchen und hat i.d.R. den gesamten Abschnitt für sich alleine. Große Felsbrocken, auf die man sich nachdenklich setzen kann, inklusive.

Platz 5 – Nanzih Food Street

Die Nanzih Food Street habe ich so getauft, ihr eigentlicher Name klänge sicher zu langweilig. Die Leute von meinem Leichtathletik-Verein haben mich dahin immer nach dem Training mitgenommen, so habe ich dort im Laufe der Zeit viele Abendmahle zu mir genommen. Dass mir die Straße deshalb ans Herz gewachsen ist, brauche ich wohl nicht genauer zu erläutern. Sie schwingt an ihrem Ende einmal sehr markant eine Viertelkurve, das unterscheidet sie zudem von den tausenden anderen Straßen, die ähnliches zu bieten haben. Fotos habe ich leider keine mehr, daher gibt es hier nur Auszüge des besagten Essens.

Platz 4 – Nanzih Campus

Den Nanzih Campus habe ich im Semester viermal pro Woche besucht, zweimal zum Trainieren, zweimal für die Chinesischkurse. Nirgendwo hatte ich mehr Unterricht als da, aber nicht nur deswegen mag ich den Ort so gerne. Er liegt ein paar Minuten von der Red Line entfernt, ist also gut angebunden, und überragt vor allem architektonisch. Setzt man andere Gebäude der Stadt als Maßstab, handelt es sich hierbei fast um einen Palast. Alle Gebäude, sogar die Sporttribüne, sind im selben Farbschema Hellrot-Beigegelb gehalten, mit aufgeschrägten Dachenden und roten Ziegeln auf den Sattelseiten. Einige aus meinem Bekanntenkreis leben hier im Dorm oder in der Nähe und kommen abends gerne mal vorbei, um auf der Tartanbahn ihre Runden zu spazieren. So habe ich schon jede Menge Leute getroffen, der Campus ist ein sehr sozialer Ort.

Platz 3 – Nördlicher Hafenbereich

Der nördliche Hafenbereich ist einer der idyllischsten Orte der Stadt. Vor dem riesigen Graspark mit abgestellten Zugwagons befindet sich die Fähranlegestelle, neben der der Gushan Fish Market sein Unwesen treibt und neben dem man wiederum die Ruhe genießen kann. Mit Blick auf mit knalligen Farben angemalte Häuser, ein gelbes U-Boot und einen Baum voller Herzen kann man sich entweder auf Kies oder auf den warmen Boden setzen, ab und zu einem Gitarristen zuhören. Ein- und ausfahrende Schiffe sind leise, bei Einbruch der Dunkelheit zeigt sich die städtische Skyline in vollster Pracht.

Platz 2 – Central Park

Der Central Park wird seinem Namen gerecht und liegt unweit der Kreuzung beider Metro-Linien. Er hat eine konische Grundform und wird von mehreren großen Straßen umrandet, ist angesichts dessen aber erstaunlich ruhig. Die Art, wie die fern aufragenden Wolkenkratzer über den Bäumen herausgucken, hat etwas von New York, wenn auch in klein. Von einem Balkon im 28. Stock bestätigt sich dieser Eindruck. In der Mitte befindet sich eine Metrostation und große Flächen für Events wie Weihnachtsmärkte oder sogar kleine Konzerte. Am nördlichen Rand kann man Tennis oder Pickleball spielen, außerdem steht hier eine öffentliche Bibliothek. Wenn man in der Nähe wohnt, kann man ohne Probleme täglich eine entspannte Runde drehen.

Platz 1 – Shoushan

Und zu guter Letzt: der Shoushan, ein grüner Berg am Rande der Stadt. Seine Natur ist für Millionenstadt-Verhältnisse absolut einzigartig, denn auf einer enormen Bergfläche verteilen sich unzählige Wanderwege aus gut gepflegten Holzstufen. In einer Dreiviertelstunde gelangt man an den obersten Aussichtspunkt, den Yazuo Pavillon, der die Blicke aufs Meer hinaus geleitet. Freiwillige Rentner schleppen täglich kostenlosen Tee hinauf, nur vor den Felsen-Makaken muss man sich in Acht nehmen. Solange man sie nicht füttert und kein Plastik mitbringt, kann man ungestört passieren und sogar super süße Fotos und Videos machen. Ich habe auf dem Weg hier rauf durchaus schon Menschen kennengelernt, die meisten Leute haben gute Laune. Dazu ist der Weg doch so steil und verschwitzt, dass man die Besteigung ohne großes Flunkern als Workout durchgehen lassen kann. Man sollte nur genug Energie dabei haben, um im Hellen nach unten zu gelangen.