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Alishan (Sonntag, 14. Dezember)
Nach einer Nacht ohne äußere Störungen wachen wir um etwa sechs Uhr auf. Der Sonnenaufgang ist allerdings eine Enttäuschung, hinter großen Wolken, Bäumen und Bergen sieht man kaum etwas davon. Immerhin ist der Wolkenteppich noch da, auf unserer fliegenden Insel beginnen wir mit Aufräumen und Frühstück. Gerade, als ich aus dem Zelt krieche, erscheint auch…
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Alishan (Samstag, 13. Dezember)
Um sechs Uhr wache ich auf, denn die sechs Sofaflöhe, die gestern auf die letzte MRT verzichtet haben, wollen aus irgendeinem Grund pünktlich die erste des heutigen Tages bekommen. Immerhin kann ich dadurch vom Sitzen ins Liegen wechseln und während der Stadthorizont im bodentiefen Wohnzimmerfenster rötlich aufglimmt, hole ich aus dem gemütlichen Leder alles raus,…
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Freitag, 12. Dezember
Über den Mittag bleibe ich wieder im Dorm. In der Mensa wundere ich mich, dass manche Getränke des Tee-Tresens nie verfügbar sind. Ein sehr lecker klingender Erdbeertee bspw. wird mir immer verweigert, weil er angeblich ‚aus‘ ist. Dabei kann ich im Kühlschrank weiter hinten sehr gut sehen, dass der Erdbeersirup zur Genüge da ist. Was…
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Donnerstag, 11. Dezember
Tagsüber bleibe ich heute im Dorm, weil ein paar organisatorische Dinge anstehen. Aufräumen, Nachrichten aus Deutschland beantworten, eine oder einen neuen Prof für meine Bachelorarbeit organisieren (der bisherige ist letzte Woche abgesprungen), meine Fahrradtour im Januar planen und zu guter letzt die Tour am Wochenende. Weil das Pickleball gestern wieder auf meine Vorderfüße gegangen ist…
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Mittwoch, 10. Dezember
„Supply Chain Managment“ lasse ich zugunsten von Urlaubsvorbereitungen ausfallen, da Hasan und ich uns endlich mal um Equipment für die Wanderung kümmern müssen. Eine Stunde lang fahren wir zur „Dream Mall“ im Kaohsiunger Süden. Um zehn Uhr steht die Sonne bereits hoch, wir bereuen beide, etwas langärmliges angezogen zu haben. Die berühmte Mall fehlt noch…
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Dienstag, 9. Dezember
Zum ersten Mal wissen die Mensaleute heute schon vor meinem Handzeichen, dass ich zwei Pfannkuchen bestelle. Jetzt bin ich also der NPC, dessen Algorithmus durchschaut wurde. Ich durchbreche ihn aber durch mein Überpünktlichleit in „Consumer Behavior“, wie Luca etwas spöttisch anmerkt. Bevor wir starten, teilt Danny den Test von vor zwei Wochen aus, den ich…
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Montag, 8. Dezember
Als mittlerweile fast Einziger laufe ich noch in kurzen Sachen über den Campus. T-Shirts sieht man ab und zu, aber so sommerlich wie ich zieht sich kaum jemand mehr an. Dabei hat Kaohsiung doch nur eine Jahreszeit, oder? In der Mensa berichtet Sebastian, dessen Schnauzer im frisch frisierten Drumherum raussticht, von seiner und Annas Fahrradtour…
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Sonntag, 7. Dezember
Ich hole erstmal eine Menge Schlaf nach, nachdem ich zuletzt öfter spät ins Bett und früh rausgehüpft bin. Ich mache prinzipiell ganz entspannt, aber nachdem Fabian vorschlägt, nach der Pickleball-Session heute Abend das letzte Formel-1-Rennen der Saison in einer Sportsbar zu sehen, spurte ich mich, das von letzter Woche zuende zu gucken und das gestrige…
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Samstag, 6. Dezember
Um 7:30 Uhr klingelt mein Wecker, denn für 8 Uhr ist das Wettkampf-Gruppentreffen angesetzt. Vor dem „swimming pool“ versammelt sich die Meute, neben meiner Gruppe viele andere Studenten. Nach langer Warterei laufen alle langsam rüber zum Sportplatz und legen ihre Sachen auf einer der kleinen Metalltribüne ab. Ein Teil der Gruppe, den ich als Sprinter…
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Freitag, 5. Dezember
Heute will ich mich mal um mein Fahrrad für den Januar kümmern, aber im nächsten GIANT-Store haben sie das gewünschte (und billigste) Modell nicht da. In meiner Größe L ist das Fahrrad online sogar nicht mehr verfügbar im ungefähren Zeitraum von Anfang bis Ende Januar, vielleicht muss ich mir etwas einfallen lassen. Immerhin kann ich…
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Donnerstag, 4. Dezember
Ich lasse den Tag gechillt angehen. So bleibt genug Zeit, um mich darüber zu wundern, dass Darren auch an einem 24 Grad warmen Dezembertag den lauten Deckenventilator anschalten muss, dass Dylan ohne vorgehaltenen Arm ins Zimmer niest und Sky schmatzt, als würde er einen Schlag in die Fresse provozieren wollen. Nicht dass die anderen beiden…
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Mittwoch, 3. Dezember
Es läuft bereits die vorletzte Stunde „Supply Chain Managment“, übernächste Woche gibt es dann nur die Klausur, die ich bestimmt nicht besuchen werde. Professor Kune-muh Tsai, wie ihn der offizielle Internetauftritt der NKUST nennt, hält seine Stunde über Aufgabenverteilungen in Unternehmen und dass sich die Zuständigkeiten ändern, je höher man aufsteigt. So gehören management und…
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Dienstag, 2. Dezember
Ein Vorteil, oder besser gesagt eine Besonderheit am Dormleben ist es, wie direkt ich in der Interaktion mit meinen Mitbewohnern bin. In dem Moment, in dem ich wachwerde, sehe ich Sky mit Pfannkuchentüte in der Hand reinkommen, den Geruch kenne ich sowieso bestens. „Did you get breakfast?“ frage ich, während ich 15 Sekunden zuvor noch…
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Montag, 1. Dezember
Erstaunlich fit wache ich um Punkt zehn auf und hole mir wie eintrainiert Frühstück. Dabei sehe ich, wie endlich, nach langer, langer Zeit, neue Wasserspender den Campus erreichen. Fünf Männer entladen und entpacken die schwere Ware. Es bleibt zu hoffen, dass das Ausländerstockwerk einen funktionstüchtigen bekommt, schließlich sind wir zu hohem Grade abhängig davon, wenn…
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Taipei (Sonntag, 30. November)
Im Gegensatz zu Sidd habe ich außerordentlich gut geschlafen. Zähneputzen auf der Hostelveranda, knallender Sonnenschein und der Blick auf einen Tempel hinter dem Vorplatzpark machen gute Laune. Auf der Suche nach Frühstück gelangen wir zufällig in das rege Treiben eines Morgenmarkts, der zu großen Teilen von Senioren betrieben und besucht wird. Mehrere Schlachtstände, auf denen…
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Taipei (Samstag, 29. November)
Wir verschlafen schon wieder, aber die Müdigkeit ist auch nur ein subtiler Hinweis des Körpers, insofern soll es wohl so sein. Um halb elf checken wir aus und suchen ein Brunch-Restaurant auf, das im Preis-Leistungs-Verhältnis leider gar nicht stimmt. Für 6€ bekommt jeder eine heiße Schokolade (die gut ist) und eine mickrig befüllt Platte mit…
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Taipei (Freitag, 28. November)
Halbwegs früh aufstehen lautet die Devise, wenn man im Urlaub etwas erleben will. Besonders im Winter, wo Sonnenauf- und -untergang so massiv nach vorne verschoben sind. Wer steht bitte um viertel nach sechs auf? Und wer geht bitte um viertel nach fünf ins Bett? Den gesamten Zyklus um zwei oder drei Stunden nach hinten zu…
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Taipei (Donnerstag, 27. November)
Viel zu früh muss ich schon wieder aufstehen, schließlich wollen wir schon mittags Taipei erreichen. Nach einer hektischen Suche finde ich mein Portemonnaie, dann kann es losgehen. Wir fahren mit einem Bus nach Nanzih, dessen Fahrer gerne vergisst, die Türen zu schließen, so rüttelt der Fahrtwind wach. Zeit für Frühstück bleibt Sidd und mir nicht,…
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Mittwoch, 26. November
Für einen Wochentag ist heute ein großer Tag. Wettkampf steht an und Heilung meines Fußes läuft gegen die Zeit. Besonders gut fühlt er sich morgens nicht an, auch wenn ich wieder halbwegs normal laufen kann. In „Supply Chain Managment“ redet der Prof über das Maximalgewicht von Schiffscontainern und wie clevere Schweden (IKEA) mit als erste…
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Dienstag, 25. November
In Berlin passiert mir das häufiger, heute verschlafe ich ausnahmsweise. Ganz entspannt besorge ich die Pfannkuchenlieferung für Fabian und mich und schleiche mich rein, denn Konsequenzen gibt es keine. Danny (der Prof) guckt zwar ausdruckslos, aber ein „Sorry“ reicht ihm aus, um den Unterricht fortzuführen. Die Themen sind ganz ähnlich wie sonst, es geht um…
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Montag, 24. November
Sky ist immer noch krank und hustet sich die Seele aus dem Leib. Zum Arzt will er aber erst gehen, wenn es ihm in drei Tagen weiterhin so schlecht geht. Zu lazy? Keine Ahnung, aber gute Besserung. In der Mensa versammeln sich einige bekannte Gesichter am selben Tisch. Sidd, mit dem ich unbedingt den Taipeitrip…
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Sonntag, 23. November
Damit ich es nicht wieder vergesse, muss ich mal festhalten: die Cafeteria hat sonntags zwar offen, aber nicht am Morgen. So muss ich in der frühen Vormittagshitze um zwanzig nach zehn zum FamilyMart brutzeln. Mit mehreren kleinen Snacks (grüner Tee, Minipfannkuchen, Banane, Brötchen, Reisdreieck, Kaffee) decke ich mich ein und kann wenigstens mit meiner Handy-Karte…
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Samstag, 22. November
Erste Amtshandlung des Tages ist ein Anruf unter der Nummer des ATM-Besitzers, der „CTBC Bank“. Nach einer Weile komme ich sogar in eine englischsprachige Telefonschleife, allerdings legt die sich mehrfach von selbst auf, mit dem Hinweis, alle Mitarbeiter seien „busy“. Also leihe ich mir entschuldigend lebensrettende 1000$TD von Sky, er soll sie bald wiederbekommen. Sascha…
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Freitag, 21. November
Heute besuche ich mal wieder das Jiangong-Gym, das erstaunlich früh gefüllt ist. Gefüllt bedeutet in dem Fall natürlich, dass die Hälfte der Jungs im Studio durchgehend an den Handys ist, klassische Gymsituation. Obwohl ich so selten hier bin (da über eine Stunde Anfahrtszeit), erkenne ich den großgewachsenen, immer in Anzughose und Unterhemd trainierenden Muskelprotz wieder,…
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Donnerstag, 20. November
Übermüdet starte ich in den Tag, denn Darren hat mal wieder bis spät in die Nacht gezockt. Meine Bitte, den Pegel bitte etwas herunterzufahren, hat höchstens minimale Auswirkungen auf seine punktuellen Ausrufe gehabt. Da sein Bett und Schreibtisch parallel zu meinen stehen, konnte ich gut sehen und hören, wie er mit anderen Indonesiern Fifa spielt,…
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Mittwoch, 19. November
Hatte Darren bis mindestens vier Uhr nachts gezockt, so klingelt sein Wecker trotzdem um kurz nach acht. Aufwachen tut er davon natürlich nicht, Dylan und Sky wollen ihn auf Gedeih und Verderb aber auch nicht ausstellen, denn Darren hat natürlich ein Recht auf Privatsphäre. Fabian bekommt wieder seinen Pfannkuchen, der Tee interessiert ihn aber irgendwie…
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Dienstag, 18. November
Der Tag beginnt doch gut, wenn Fabian seine Pfannkuchenlieferung mit den Worten „Du bist der Beste“ quittiert. In „Consumer Behavior“ reden wir über privaten Konsum, es gibt zwei Arten von Menschen, wie sie Geld ausgeben. Die eine verspürt Dopamin beim Bezahlen, die anderen inneren Schmerz. Auch wenn es mir Spaß macht, von Zeit zu Zeit…
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Taichung (Montag, 17. November)
Um 10 Uhr klingeln gleichzeitig meine Wecker und derjenige meines neuen Bettnachbarn, der glücklicherweise kein bisschen geschnarcht, aber nachts leise telefoniert hat. Spanischer Hiphop beschallt das Zimmer solange, bis die Schlafmütze nach frühestens zehn Minuten den Aus-Knopf findet. Trotz ruhiger Nacht bin ich leicht verdattert, finde meine Chipkarte nicht und auch mein Schließfach bekomme ich…
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Taichung (Sonntag, 16. November)
Eine schlimme Nacht geht zuende. Wenigstens ist die personifizierte Bohrmaschine aus dem Nebenbett früh aufgestanden. Um kurz vor 11 Uhr stehe ich dann selber auf, mit weniger Schlaf würde ich den Tag nämlich nicht überleben. Schnell mache ich mich fertig und auf zu dem Museum, das ich schon länger anvisiert habe. Die Mittagshitze knallt rein,…
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Taichung (Samstag, 15. November)
Nach schon wieder wenig Schlaf tue ich mich zwar schwer mit dem Aufstehen. Der Druck, einen rechtzeitigen Zug zu bekommen, verhilft mir aber zum Machen. Nichts vergessen, Reisepass dabei, los geht’s. Kein Frühstück, dafür gibt’s was vom FamilyMart in der Zuoying Station, sobald ich sicher weiß, dass ich den Zug bekomme. Anscheinend muss ich kein…
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Freitag, 14. November
Mehr als nur leicht angenervt wache ich von Skys Wecker auf, der wie eine Evakuierungssirene klingt und unfassbar laut ist. Der Teenager hat aber einen Dornröschenschlaf und wacht erst auf, als ich ebenso laut „SKY!“ rufe. „Sorry, sorry“ kommt zurück. Wenigstens kann ich nochmal einschlafen, denn es ist erst 5:30 Uhr. Später erzählt Sky, dass…